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BikeShop Lüchow-Kawasaki ZX-10R und BDS-Kawasaki ZX-10R Tuning-Ninjas im Vergleich

Seit exakt 30 Jahren beglückt uns Kawasaki mit Ninjas, den reinrassigen Supersportlern der Japaner. Zum TunerGP kamen mit der BikeShop Lüchow-Kawasaki ZX-10R und der BDS-Kawasaki ZX-10R gleich zwei Ninja-Superbikes und zeigten, wie viel mit der ZX-10R geht.

Eine BMW S 1000 RR meldete niemand mehr zum TunerGP, was uns zunächst wunderte. Dann kamen mit der BikeShop Lüchow-Kawasaki ZX-10R und der BDS-Kawasaki ZX-10R gleich zwei Anmeldungen für die ZX-10R. Dieses Bike, das muss einmal gesagt werden, war die erste Antwort der Japaner auf die unangekündigte Superbike-Macht der BMW – und ist bis heute die einzig ernstzunehmende aus Fernost.

Aber irgendwie ging das bei den Superbike-Fans unter, sprach alles von den Bayern und jeder wollte eine Weiß-Blaue. Doch so langsam setzt sich die ZX-10R durch. Ihre Beliebtheit steigt, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass Tom Sykes seit zwei Jahren in der Superbike-Weltmeisterschaft zeigt, was die Grüne draufhat und welch famose Basis sie für eine echte Rennpistenwaffe abgibt.

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Das Wichtigste für die Performance der Lüchow-10er ist natürlich die werksseitig programmierte Drosselung.  Die wurde „rausgeworfen“. Der Fuelcut, also das elektronische Abwürgen der Spritzufuhr, um Landstraßenfahrern beim Gasgeben etwas den Schaum vom Mund zu nehmen, macht bei einem heißgemachten Rennmotorrad aber keinen Sinn und wurde eliminiert.
Das Wichtigste für die Performance der Lüchow-10er ist natürlich die werksseitig programmierte Drosselung. Die wurde „rausgeworfen“. Der Fuelcut, also das elektronische Abwürgen der Spritzufuhr, um Landstraßenfahrern beim Gasgeben etwas den Schaum vom Mund zu nehmen, macht bei einem heißgemachten Rennmotorrad aber keinen Sinn und wurde eliminiert.

BikeShop Lüchow-Kawasaki ZX-10R

Insofern haben wir uns deshalb schon sehr auf die BikeShop Lüchow-Kawasaki ZX-10R und die BDS-Kawasaki ZX-10R gefreut, und sogar noch mehr, weil beide Schmieden uns auf ihre jeweils eigene Art zeigen wollten, dass die Kawasaki eine grüne Macht ist – ohne immer grün sein zu müssen. Karsten Bartschat aus Lüchow setzt bei seinen Bikes immer auf solides Tuning mit hoher Standfestigkeit für ambitionierte Hobby-Racer bei absolut nachvollziehbarem Preis.

Der langjährige TunerGP-Teilnehmer hat deshalb immer wieder den Motor unangetastet gelassen und sich vorwiegend um Fahrwerk und ein wenig Power-Zuwachs durch ausgewählte Teile an der Peripherie gekümmert. Das tat er im Prinzip auch bei der BikeShop Lüchow-Kawasaki ZX-10R, etwa mit dem WM-Modell der LeoVince-Auspuffanlage, einem Racing-Ölfilter von BMC, dem größeren Rennkühler und ein paar weiteren Kleinigkeiten wie den Samco-Schläuchen für noch bessere Wärmeableitung. Mehr allerdings nicht, der Motor blieb komplett Standard.

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Der große Trick kommt vom Seriensteuergerät

Dafür griff Bartschat diesmal beherzt in die Elektronik der ZX-10R ein, denn der Bazzaz-Experte beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Seriensteuergeräte und Umprogrammierung, arbeitet hier auch mit dem Experten Stefan Briege (siehe PS 6/2014) zusammen und stellte so einiges an seiner Kawasaki-ECU auf den Kopf. Beispielsweise ist das ABS einfach abschaltbar, was die Serie nicht kann, und wenn das ABS arbeitet, regelt es deutlich später, so dass es auch auf der Rennstrecke Sinn macht.

Das Wichtigste für die Performance der BikeShop Lüchow-Kawasaki ZX-10R ist natürlich die werksseitig programmierte Drosselung. Die wurde „rausgeworfen“. Der Fuelcut, also das elektronische Abwürgen der Spritzufuhr, um Landstraßenfahrern beim Gasgeben etwas den Schaum vom Mund zu nehmen, macht bei einem heißgemachten Rennmotorrad aber keinen Sinn und wurde eliminiert. Das zusätzlich installierte Bazzaz-System mit Breitbandsonde „stimmt“ das Motorrad grob gesagt ständig auf die Anforderungen durch den Fahrer ab und schlägt elektronische Änderungen vor, die per Knopfdruck dann freigegeben werden können. All das sorgte gepaart mit einer knackigeren Übersetzung für gewaltigen Schub über das gesamte Drehzahlband. Das Motorrad nimmt das Gas astrein an und legt mit jedem Millimeter am Gasgriff eins zu eins an Power zu – und zwar so forsch, wie es sich für ein Superbike gehört.

Der Plan ging auf

Die zweite große Änderung betraf das Fahrwerk, was deder BikeShop Lüchow-Kawasaki ZX-10R schließlich die hauseigene Bezeichnung ZX1 Factory einbrachte, denn die Lüchow-Gabel ist identisch mit der Aprilia RSV4-Factory-Gabel. Lediglich das Set-up passte Bartschat dem Motorrad an. Hinten dämpft das elektronische EEC- Federbein, ebenfalls von Öhlins, mit speziellem Setup. Gemeinsam mit der geänderten Geometrie spendierte diese Kombination der Kawa einen sehr guten Kompromiss zwischen hoher Agilität für saubere Linienwahl und spielerisches Einlenken sowie sehr guter Bremsstabilität.

Vielleicht geriet das Setup etwas zu hart, aber in Sachen Feedback war das Bike in Hockenheim über jeden Zweifel erhaben und die Beherrschbarkeit trotz oder mit dieser Power ein absoluter Genuss. Abschließend lässt sich festhalten, dass Bartschats Plan wieder voll aufging: Dicke Hose hebt er sich für die Fahrbarkeit auf, Standfestigkeit und Preis sind eng miteinander verbunden. „Damit hat der Hobby-Racer mit der BikeShop Lüchow-Kawasaki ZX-10R ein richtiges Racebike und der Profi einfach irren Spaß“, bringt Pascal Eckhardt die ZX1 Factory auf den Punkt.

Foto: Jahn
Deutlich mehr Aufwand steckt in der ZX-10R von BDS. Der Bikeparts-Hersteller montierte nicht nur die ganze Palette seiner Kawasaki-Teile bis hin zu Alu- und Titanfrästeilen am Motor, sondern ließ an diesem Motorrad keinen Stein auf dem anderen.
Deutlich mehr Aufwand steckt in der ZX-10R von BDS. Der Bikeparts-Hersteller montierte nicht nur die ganze Palette seiner Kawasaki-Teile bis hin zu Alu- und Titanfrästeilen am Motor, sondern ließ an diesem Motorrad keinen Stein auf dem anderen.

BDS-Kawasaki ZX-10R

Deutlich mehr Aufwand steckt in der BDS-Kawasaki ZX-10R. Der Bikeparts-Hersteller montierte nicht nur die ganze Palette seiner Kawasaki-Teile bis hin zu Alu- und Titanfrästeilen am Motor, sondern ließ an diesem Motorrad keinen Stein auf dem anderen. Alles, was zum Einsatz kam, steht für Rennsport erster Güte und ist entsprechend kostspielig, was allein schon die Suter-Rennkupplung (ca. 2000 Euro) unterstreicht.

Der Motor ist nach allen Regeln der Kunst gemacht. Vom verstärkten und ausbalancierten Pleuel bis zur feingewuchteten Kurbelwelle ist nichts mehr Serie, selbst die Lagerstellen sind poliert. Die Nockenwellen kommen von Kawasaki-Racing, die Einspritzung erledigt eine Kawa-ECU aus der Superstock-EM. Die Jungs haben sich so ins Zeug gelegt, dass ihnen etwas die Zeit davonlief und Lothar Kraus (www.kraus-racing.de), der Kevin Wahr in der Supersport-WM betreut und am BDS-Projekt beteiligt war, das Motorrad nicht mehr final abgestimmt bekam. So erklärt sich das Leistungsdefizit der BDS-Kawasaki ZX-10R. Mittlerweile schiebt der Brenner aber deutlich über 200 PS.

Pure Begeisterung

Dass uns die BDS-Kawasaki ZX-10R trotzdem begeistert hat, zeigt, was für ein großartiges Motorrad entstanden ist. TunerGP-Tester René Raub, der mit der PS-Langstrecken-Kawasaki 2011 in Le Mans die schnellsten Zeiten im Team gefahren ist, schwärmte sofort vom seidigen und vibrationsarmen Lauf des Vierzylinders. Ein Quantensprung zur Langstrecken-Maschine damals. Ohne jegliche Lastwechsel hing der Motor sehr direkt, aber fein dosierbar am Gas. Auch hier ließ sich jeder kleine Dreh spürbar in Leistung verwandeln. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie brutal dieses Aggregat jetzt mit voller Leistung anreißt. Per Knopfdruck lassen sich zudem unterschiedliche Mappings abrufen und ebenfalls das ABS abschalten. Auch die Dosierung der Traktionskontrolle funktioniert über die bunten Knöpfchen, die wir aus GP und SBK-WM kennen. Über jeden Zweifel erhaben war das Getriebe. Die Gangwechsel mit dem Schaltautomaten flutschten wie das berühmte heiße Messer durch die Butter. Der Kraftschluss war kaum unterbrochen, die Schaltvorgänge mit leichtem Tippen erledigt.

Ein weiteres Sahnestück ist das Fahrwerk der BDS-Kawasaki ZX-10R. Lothar Kraus ist darin Experte und mit dem amtierenden IDM-Supersport-Meister Wahr hatten die Jungs einen gewieften Abstimmungsfahrer dabei. Nicht bretthart, sondern sensibel sprechen das modifizierte TTX36-Federbein und die Gasdruck-Renngabel FGR 800 TTX20 von Öhlins an. Da pumpte trotzdem nichts in der Parabolika, und der Pilot konnte die Kawa skrupel- und furchtlos bis zum Äußersten ausquetschen.

Die Krönung des TunerGP

Auch auf der formidablen Bremse glänzte das ebenfalls deutlich in der Geometrie geänderte Fahrwerk. Maximal zusammengestaucht, ließ sich die BDS-Kawasaki ZX-10R am Ende der Parabolika mühelos auf der Bremse einlenken und um die fiese Spitzkehre manövrieren. „Wie ein feinsehniger Sprinter“, charakterisierte Tester René Raub das Bike schließlich und äußerte mehr als einmal den Wunsch, mit dieser Maschine die 24 Stunden von Le Mans abgespult zu haben.

Die BDS-Kawasaki ZX-10R und die BikeShop Lüchow-Kawasaki ZX-10R haben sich gelohnt und waren die supersportliche Krönung des TunerGP. Und sie haben unterstrichen, warum die ZX-10R immer mehr Freunde findet – es muss wahrlich nicht immer bayrisch zugehen.

Foto: MOTORRAD

Weitere Infos und Leistungsmessungen

BikeShop Lüchow-Kawasaki ZX-10R

Hersteller: BikeShop Lüchow, Bergstraße 29439 Lüchow, www.bikeshop-luechow.de
Gewicht: 185,8 kg
Vorn/Hinten: 53,2/46,8 %
Leistung: 199 PS
Preis: ca. 25.000 Euro

BDS-Kawasaki ZX-10R

Hersteller: BDS-Bikeparts, Robert-Bosch-Straße 3, 75031 Eppingen, www.bds-bikeparts.com
Gewicht: 171 kg
Vorn/Hinten: 54,3/45,7 %
Leistung: 193 PS
Preis: ca. 70.000 Euro

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