Bremstest Volle Kraft zurück

Der Testaufbau: Fünf Vollbremsungen von 80 auf 0 km/h mit jedem Motorrad, auf aufgesperrter Strecke, alle fünfzehn Maschinen mit einer einheitlichen Zuladung von 15 Kilogramm hintereinander weg, allesamt von ein und demselben Fahrer bei konstant trockenen Witterungsbedingungen gebremst: Werner »Mini« Koch gibt wirklich alles, um den Bremsanlagen der Testkanditaten auf den Zahn zu fühlen. Mit teilweise erstaunlichen Unterschieden in der Wirkung: Zwischen dem kürzesten (Suzuki Hayabusa) und dem längsten Bremsweg (BMW R 1100 S, siehe auch Tabelle) liegen immerhin fünf Meter Unterschied. Mini attestiert der Suzuki-Bremsanlage einen knackigen Druckpunkt, klare Verhältnisse. Ihre straff abgestimmten Gabel bleibt stabil und geht nicht auf Block, die Blockiergrenze bleibt für den Tester gut kontrollierbar. Das ABS der BMW R 1100 S sorgt im normalen Fahrbetrieb – vor allem bei Nässe – für ein Plus an Sicherheit, ihre Bremse erhält beim Vergleich in den Alpen von allen Testern gute Noten. Aber von einem Profi ans Limit, sprich die Blockiergrenze gebracht, verschenkt sie Bremsweg, weil das ABS nicht fein genug regelt. Etwas besser funktioniert das mit der schweren K 1200 RS. Gleiches Phänomen bei den Honda: Sowohl die CBR 1100 XX wie auch die VFR verfügen über eine Verbundbremse, kurz CBS genannt, bei dem der vordere und der hintere Bremskreis gekoppelt sind. Auch sie werden bei den Testfahrten in den Alpen gut bewertet. Beim Bremstest jedoch verhalten sie sich gewöhnungsbedürftig. Vor allem bei der XX ist die Dosierung der Fußkraft nicht einfach. Ab einem gewissen Druck ist keine Steigerung mehr möglich. Die Dosierung der Handkraft fällt Mini ebenfalls schwer, weil er zu wenig Rückmeldung im Grenzbereich spürt. Ergebnis: Das Vorderrad überbremst ohne Ankündigung. Etwas besser ausbalanciert und mehr Rückmeldung bietet dem Tester die leichtere VFR.Aber auch eine zu weich abgestimmte Gabel wirkt sich negativ auf den Bremsweg aus. Bestes Beispiel: die Triumph Sprint ST, gesegnet mit vehement zupackenden Stoppern im Vorderrad. Doch die Gabel geht bei einer Vollbremsung zu früh auf Block und kostet Mini viel Gefühl für die Blockiergrenze. Noch eklatanter wirkt sich das bei der Suzuki GSX 750 F aus, die zwar respektable Verzögerungswerte bietet, jedoch keinerlei Feedback für den Fahrer, was beinahe um Abflug des Testers führt. Ähnlich gefühllos agieren die Bremsanlagen der beiden Kawasaki, bei der ZZ-R 1100 kommt noch dazu, dass der tourensportlich ausgelegte Vorderreifen wenig Grip aufbaut. Die Folge: mehrfaches Überbremsen, ebenso bei der Fahrt durch den Handlingparcours (siehe auch Seite 21). Dass es auch anders geht, demonstriert ausgerechnet das günstigste Motorrad des Vergleichs: Trotz einer weichen Gabel bietet die Suzuki SV 650 akzeptable Bremswerte und eine gute Rückmeldung. Richtig ins Schwärmen gerät Mini bei den Bremsanlagen der drei Yamaha, vor allem die YZF 1000 überzeugt den erfahrenen Tester.

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