Der Motor: BMW R 1200

Quo vadis, luftgekühlter Boxer? Der Antrieb der R 1200 S basiert auf dem hier abgebildeten Triebwerk der GS. Mit 122 PS stellt er nicht
nur alle bisherigen Serien-Boxer in den Schatten, mit 8800/min dreht er auch am höchsten. Möglich machen das schärfere, dreifach gelagerte Nockenwellen für die mit 41 Grad Ventilwinkel relativ weit gespreizten Ventile, steifere Kipphebel und härtere Ventilfedern. Dazu um fünf auf 52 Millimeter angewachsene Drosselklappen und die von 11,0 auf gewaltige 12,5:1 angehobene Verdichtung. Weshalb der Boxer nach feinstem Super Plus verlangt. Nimmt man eine Messerspitze weniger Leistung in Kauf, kann dank Klopfsensoren gemeines Super gezapft werden. Die Zündzeitpunkte der beiden Kerzen pro Brennraum werden unabhängig geregelt. Die mit 101/73 Millimetern eher langhubige Aus-
legung beschert dem Boxer neben stattlichen 112 Nm Drehmoment auch das niedrigste Drehzahl-
niveau im Vergleich. Dennoch liegt die mittlere Kolbengeschwindigkeit bei Nenndrehzahl (8250/min) mit 20,1 m/s fast auf dem Niveau der Ducati.
Doch bei aller konstruktiven Finesse: So langsam dürfte der Leistungszenit erreicht sein. Für mehr Power bräuchte es mehr Hubraum und/oder Drehzahl. Beides ist kritisch, weil damit die mechanische Belastung für Ventil- und Kurbeltrieb enorm steigt. Und man bräuchte für optimale Zylinderfüllung mehr Gasdurchsatz. Was nur zusammen mit möglichst geraden, kurzen Ansaugwegen und engeren Ventilwinkeln für kompakte Brennräume erreichbar ist. Dem setzt aber der Boxer konstruktiv Grenzen.

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