Der Nutzen eines intensiven Bremstrainings

MOTORRAD-Mitarbeiter Oliver Ebner überzeugte sich im Selbstversuch vom Nutzen eines intensiven Bremstrainings. Auch mit ABS.

Am Anfang stand Ratlosigkeit. Die Länge der Zackenpiste reichte nicht aus, um die BMW F 650 GS aus 100 km/h zum Stehen zu bringen. ABS hin, Ratschläge her. Es war gut zu sehen,
wie der Fahrer der nötigen Handkraft und der Schüttelei auf dieser Schlechtwegstrecke Tribut zollen musste. Im letzten Drittel hing er nur noch willenlos auf der Enduro, ohne die nötige Körperspannung zu halten.
Dabei ist Oliver »Oli« Ebner ein guter Motorradfahrer. Doch er hat sich nie um das systematische Erfahren des Limits gekümmert, ist mit Testarbeit eher unvertraut und hat ABS an manchen Testmotorrädern als beruhigende Dreingabe empfunden. Nicht als Anlass, das eigene Bremsverhalten den Möglichkeiten des Systems anzupassen.
Ohne dies geht es aber nicht, das war schnell klar. Bremsen mit ABS heißt im Notfall gnadenloses Durchreißen aller Hand- und Fußbremshebel mit aller Kraft. Diese Kraft muss aufrecht erhalten werden, bis die Fuhre steht. Mag sein, dass Fahrgenies mit viel Training durch optimales Dosieren der Bremse – mit oder ohne ABS – besser verzögern als jemand, welcher mit der oben beschriebenen Strategie bremst. Doch Training und Vorhersehbarkeit der Situation gibt es bei einer Notbremsung nicht, da können nicht einmal die Top-Test-Bremser von MOTORRAD ihre in langen Versuchreihen ermittelten Werte reproduzieren.
Also nahm sich Oli vor, mit aller Kraft die Motorräder zum Stillstand zu zwingen. Das klappte bereits mit der nächsten Maschine, der Honda CB 1300, so gut, dass er beim vierten Versuch in Folge den besten Wert des ABS-erfahrenen Testkollegen
reproduzierte. Die Sprint ST war ihm wiederum nicht ganz geheuer, viele Regelvorgänge des
ABS konnte er nicht nachvollziehen, und instinktiv reagierte er mit verhaltener Verzögerung.
Tipps von beobachtenden Kollegen brachten Oli den endgültigen Durchbruch. Und die Tatsache, dass er die körperlichen Anstrengungen als unverzichtbaren Bestandteil einer optimalen Bremsung zu akzeptieren gelernt hatte. Außerdem wurde
er immer vertrauter mit den unangenehmen
Begleiterscheinungen extremen Bremsens wie abhebenden Hinterrädern, laut schlagenden Antriebssträngen oder Schlingern der Motorräder, wenn der Vorderreifen unter extremer Last die Maschine nicht mehr sauber geradeaus führen konnte.
Wichtige Erkenntnis: Auch das Bremsen mit ABS muss trainiert werden, selbst erfahrene Piloten
ziehen einen Nutzen daraus.

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