Die Ausstattung, die einen Tourer ausmacht

Zu den griechischen Inseln oder ans Nordkap, Hitze und Kälte, Regen –
mit der richtigen Ausstattung steht und fällt die Qualität des Tourers.

Egal, ob große oder kleine Reise, ohne Gepäck geht’s nicht. Zahnbürste, Unterhose, Pullover, Schuhe, vielleicht noch etwas Lesestoff – bereits für eine Wochentour muss einiges mit. Wohin mit all dem Kram, wenn das Motorrad, wie die Honda CB 1300, ab Werk kein Gepäcksystem mitbringt? Man schnallt eine wasserdichte »Ortlieb«-Tasche über
Soziussitz und Heckbürzel. Zum Glück verfügt die CB über jede Menge Gepäckhaken, so dass eine sichere Befestigung der Gepäckrolle möglich ist. Die vielen Kleinigkeiten, die man schnell mal braucht, wandern in den Magnetrucksack, die Honda besitzt lobenswerterweise einen Blechtank. So hat man dann auch gleich die Straßenkarte immer im Blick. Alles in allem nicht die schlechteste Lösung.
Yamaha FJR und Moto Guzzi Norge bieten serienmäßig 30- beziehungsweise 36-Liter-Koffer an, worin alles bequem Platz findet. Zur Ausstattung der Norge GTL hätte sogar noch ein 44-Liter-Topcase gehört, das beim eiligen Zusammenzimmern der Testmaschine im Guzzi-Werk einfach vergessen wurde. Mit geschickt verdeckt angeordneten Kofferhaltern erscheinen Yamaha- und Guzzi-Heck ohne Koffer schlank und aufgeräumt. Keinerlei Rohrgeflecht stört die Linienführung. Ohne Fummelei sind die Koffer schnell angeklickt oder abgenommen. Ebenso erleichtert ein Einschlüsselsystem die Handhabung.
Auch Gold Wing und Road King tragen serienmäßig Koffer. Das Honda-Schiff bringt es laut Hersteller
inklusive Topcase auf 147 Liter Rauminhalt. Klingt nach genug, um den halben Hausstand mitzuschleppen. Aber da die Koffer schmal und stark zerklüftet sind, ist das Platzangebot gar nicht so üppig, wie es zunächst scheint. Immerhin, das Topcase fasst mit etwas Mühe zwei Integralhelme. Peinlich ist, dass man sein Gepäck tütenweise ins Hotel schleppen darf, weil die Koffer fest mit dem Motorrad verbunden sind. Die elegantere Lösung: die passenden Honda-Innentaschen mitbestellen, die jedoch mit happigen 249 Euro zu Buche schlagen.
Bei den schlanken Harley-Koffern, die mangels Tiefe keinen Helm aufnehmen können, ist die Situation kaum besser. Theoretisch könnte man diese per Schnellverschluss zwar ruck, zuck entfernen, praktisch jedoch muss man zuvor einen Teil des Inhalts auf der Straße verteilen, um an die Bolzen ranzukommen. Macht man sich trotzdem die Mühe, fehlt zum Tragen der Koffer ein ordentlicher Griff, und so darf man die mit Straßendreck überzogenen Teile auf dem Weg ins Haus unter den Arm klemmen. Also dranlassen und Original-Innentaschen für 142 Euro ordern, um seine Utensilien en bloc transportieren zu können.
Pfiffig sind die Gepäcksysteme von BMW F 800
ST und R 1200 GS. Variabel in Umfang und Stauvolumen (siehe Ausstattungstabelle), können die Koffer mit wenigen Handgriffen an die Gepäckmenge an-
gepasst werden. Warum sollte man sich mit nur halbvollen Koffern, aber voller Breite durch den
Verkehr zwängen? Angenehm ist zudem die Hand-habung: Einschlüsselsystem, fixe und unkomplizierte Befestigung, problemloses Abnehmen. BMW-typisch! Leider auch die Aufpreispolitik. Denn die Münchner lassen sich jedes clevere Feature fürstlich honorieren. Die Kofferhalter, die Koffer, die Schließzylinder für die Einschlüsselbedienung, der Hauptständer, die Heizgriffe und der Bordcomputer, alles Accessoires, die einen gut ausgestatteten Tourer ausmachen, müssen bei der F 800 ST zum Grundpreis von 9150 Euro addiert werden. Das gilt ebenso für das sicherheitsrelevante ABS. So kostet eine vermeintlich günstige F 800 ST plötzlich stolze 10802 Euro. Ohne Nebenkosten, versteht sich.
Gut, eine Moto Guzzi Norge 1200 ist für 14790 Euro wahrlich kein Schnäppchen, doch es wird nichts schön gerechnet. Sie ist vom Bordcomputer bis zu den Heizgriffen vollständig ausgerüstet. Neben der elektrisch, allerdings nur langsam ausfahrenden,
höhenverstellbaren Scheibe bietet die Italienerin
sogar ein TomTom-Navigationsgerät. Durchaus nützlich, wenn man zum Beispiel im Wirrwarr der Autobahnzubringer und -abfahrten rund um Mailand nicht den richtigen Anschluss verpassen will. Informationen aus dem Bordcomputer über Verbrauch, Reichweite oder Außentemperatur hingegen ver-
fehlen ihre Wirkung, weil die Sicht aufs Display
versperrt ist und die filigran dünne Darstellung mit geringen Kontrasten Adleraugen erfordert.
Auf der Gold Wing wähnt man sich in einer Raumstation: Unzählige Schalter, Knöpfe und Riegel für das serienmäßige Radio, die Intercom-Anlage, den Tempomaten, die Griff- und Sitzheizung sowie die kompressorgesteuerte Federbasisverstellung spiegeln Luxus pur wider. Andererseits reicht es nur zu einer wenig eleganten, mechanischen Höhenverstellung der Windschutzscheibe. Sie lässt sich lediglich im Stand bedienen.
Dennoch hievt die Ausstattungsliste, für die eine
telefonbuchdicke Bedienungsanleitung notwendig ist, gepaart mit dem Kofferraum die Gold Wing auf Rang eins dieses Kapitels. Dass die beiden BMW mit ihrem tourentauglichen Charakter hier nicht ganz vorn
landen, ist weniger der Aufpreispolitik der Bayern
als vielmehr der mageren Zuladung von F 800 ST und R 1200 GS zuzuschreiben. 180 und 183 Kilogramm sind wenig, wenn man mit Sozius und Gepäck verreisen will. Wie es besser geht, zeigen vor allem Norge, FJR und Road King: 200, 211 und 221 Kilogramm Zuladung. Lediglich 176 Kilogramm sattelt der Burgman, schlägt sich aber dennoch wacker unter den Motorrädern. Sein großzügiger Stauraum unter der Sitzbank rangiert fast auf dem Niveau zweier FJR-Koffer. Die großzügig geschnitten Fächer in der Verkleidung bieten zusätzlich Platz für Proviant und Kleinkram. Das können eben nur Roller.

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