Die Fahrdynamik

Eine Leistungs- und Preisklasse, aber unter-schiedliche Zylinderzahlen und mächtige Gewichtsdifferenzen: Wie sich das auf die Fahr-dynamik auswirkt, hat MOTORRAD im Top-Test-Parcours untersucht, weil sich da die persönlichen Eindrücke mit der unbestechlichen Stoppuhr abgleichen lassen. Die Erwartung: Die annähernd gleich starken, doch deutlich leichteren Zwei-zylinder sollten den massigen Vierzylindern eine ordentliche Kante ins Blech fahren. Zunächst der schnelle Slalom, bei dem die Fahrstabilität beim schnellen Schräglagenwechsel und hohem Tempo einen zentrale Rolle spielt. Hier darf nichts schaukeln und nichts gautschen, was erwartungsgemäß die sportliche SV 650 S in die Pole Position bringt. Jedenfalls, wenn es um den reinen Speed geht. Mit über 113 km/h knallt sie durch den Pylonenwald und distanziert die Honda um acht, die Bandit gar um über elf km/h. Einzig die Kawasaki kann mit 107 km/h halbwegs mithalten. Dabei lassen sich die beiden Zweizylinder mit wesentlich weniger Kraftanstrengung von einer Schräglage in die andere werfen. Wer nun aber meint, Geschwindigkeit sei alles, sieht sich bei den Zeiten getäuscht. Unterm Strich liefert nämlich die Kawasaki mit ihrem feinen Ansprechverhalten am Umkehrpunkt und dem berechenbarsten Lenk­-verhalten bis in tiefste Schräglagen die schnellste Zeit (20,4 sek) ab, während die SV 650 aufgrund ihres indifferenten Einlenkverhaltens Zeit verliert und nur auf Platz zwei (20,5 sek) landet. Die Vier­-zylinder fahren auch bei den Zeiten ihr eigenes Rennen, wobei die leichtere und sehr neutral einlenkende Honda vor der schweren Suzuki Bandit landet.
Ein ähnliches Bild bietet sich beim langsamen Slalom. Auch hier liegt die Kawasaki zeitenmäßig vorn (29,0 sek), während die SV den höchsten Speed geht. Jedoch kann die vorbildlich ausbalan-cierte Honda (29,7 sek) die SV noch abfangen, und auch die schwere Bandit liegt mit 29,8 Sekun­-den auf ähnlich hohem Niveau. Denn nun spielt das Gewicht eine untergeordnete, das Ansprechverhalten des Motors, das Einlenken und das neutrale Fahrverhalten bis hinab in tiefste Schräg­-lagen eine große Rolle. So gesehen präsentiert sich die SV mit hohem Tempo, aber mäßigen Zeiten ähnlich zwiespältig wie im richtigen Leben.

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