Die Supersportler auf der Rennstrecke Gelobt sei, was schnell macht

Der Schlagabtausch auf der Rennstrecke steht an, und wie immer werden dafür alle drei Kandidaten auf die gleichen Reifen gestellt. Diesmal auf Pirelli Dragon EVO in der für den Sporteinsatz empfohlenen Größe 180/55 hinten und 120/70 vorn. Ort des Geschehens: Hockenheim, kleiner Kurs.Als Überraschungssieger des letzten Vergleichs gebührt der Aprilia der Vortritt. Und sie ist schnell. 1.11,39 Minuten braucht die Mille, um den anspruchsvollen Kurs zu umrunden. Allerdings sagt das Gefühl, es könnte schneller gehen, wenn...ja wenn statt der Dragon EVO die klebrigere Corsa-Mischung aufgezogen wäre. Denn nach zwei, drei schnellen Runden bei der sommerlichen Hitze fängt das Hinterrad bereits bei sachtem Gasanlegen an zu rutschen. Gut kontrollierbar zwar, aber leider fehlt der gewünschte Vortrieb. Was aber nicht ins Gewicht fällt, da alle Probanden damit kämpfen.Ins Gewicht bei der Mille fällt dagegen die homologationsbedingte Leistungseinbuße. Anders als im Straßenverkehr bewegt sich die Drehzahlmessernadel auf der Rennstrecke vorwiegend im oberen Drittel der Skala. Und genau da wirkt die Mille ungewohnt zahnlos und müde. Was besonders beim Wechsel vom dritten in den vierten Gang auffällt, wo ein größerer Drehzahlsprung lauert. Der Zweizylinder tut sich spürbar schwer, die 223 Kilogramm schwere Sportlerin über den Bereich zwischen 8000 und 9000/min zügig hinwegzuschieben.Kaum ist das geschafft, heißt es schon wieder voll in die Eisen steigen. Mit ordentlichem Krafteinsatz am Handbremshebel stellt sich zwar die gewünschte Wirkung ein, die Dosierbarkeit läßt aber zu wünschen übrig. Vor allem auf einem Rübenacker wie dem kleinen Kurs, der immer mehr hinterlistige Bodenwellen in den Bremszonen aufwirft, ist ein exaktes Gefühl bei der Verzögerung wichtig. Bei der RSV bleibt indes ein ungutes Gefühl beim Einlenken auf der Bremse und die Erkenntnis, viel Kurvenspeed und damit Zeit verschenkt zu haben. Dennoch: Das gute Handling, das kommode, aber fahrstabile Fahrwerk und nicht zuletzt die entspannte Sitzposition sind nach wie vor Garanten für hohen Fahrspaß auch für weniger geübte Piloten.Die werden mit der 996 weniger Freude haben - zu kompromißlos, zu extrem. Ein Traum an Stabilität in schnellen Passagen, ein Alptraum, wenn es um blitzschnelles Umlegen von rechts nach links geht. Gesegnet mit einem Motor, der sanft, aber mit viel Nachdruck aus den Ecken schiebt, dessen Gesamtübersetzung auf 297 km/h in Hockenheim jedoch voll daneben ist. Dazu wird auch die Ducati von diesem teigig-indifferenten Gefühl beim Anbremsen und Einlenken geplagt, das selbst unserem Vollblut-Rennfahrer Markus Barth die Lust auf erhöhtes Risiko vergeht - 66 Hundertstel Rückstand für die 996. Das ist hart, hat sie es beim Mega-Test (MOTORRAD 9/1999) der Aprilia doch so richtig gezeigt. Auf der schnellen Strecke von Barcelona konnte sie ihre Stärken nutzen.Die Überraschung schlechthin ist allerdings die Bimota. Extrem leichtfüßig läßt sich die exklusive Diva um den Kurs peitschen. Zwar macht ihr die zu weiche Feder des hinteren Dämpfers vor allem im langen Bogen der Querspange und eingangs Motodrom das Leben schwer, die resultierenden Schaukelbewegungen können den vehementen Vorwärtsdrang der SB 8R aber nur wenig bremsen. Der Motor schiebt in allen Lagen wie die Hölle, dreht dabei fast so frech wie ein Vierzylinder und läßt den beiden Widersacherinnen selbst im Windschatten keine Chance. Das Getriebe paßt perfekt zur Charakteristik des Triebwerks, jeder Drehzahlsprung wird vom durchzugsstarken Suzuki-Vau mit Leichtigkeit überspielt.Die Sitzposition erfordert jedoch etwas Gewöhnung. Vor allem kleinere Fahrer tun sich schwer, im Hanging off am bauchigen Tank vorbei die breit ausladenden Lenkerstummel zu fassen. Und an den gräßlichen Vibrationen sollte man sich nicht stören. Denn gelobt sei, was schnell macht. Mit 1.11,2 Minuten markiert die SB 8R Tagesbestzeit. Bravo.

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