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Ducati Monster 1100, Moto Guzzi 1200 Sport Signorina und Signora

Auf dem Papier ähneln sich diese Italienerinnen sehr: luftgekühlte V2-Motoren, über 1000 cm³, etwa 90 PS. Doch Ducati Monster 1100 und Moto Guzzi 1200 Sport trennt mehr als die Distanz zwischen Bologna und Mandello del Lario.

Foto: Jahn

Signorina und Signora

Umwerfende Schönheit und gewaltiges Temperament sagt man Italienerinnen nach. Gemach, lieber Japanfan, die Rede ist hier tatsächlich von holder Weiblichkeit. Lebende Italienerinnen jedoch gleichzusetzen mit gefühllosen Maschinen ist gerade bei Motorrädern vom Stiefel ein beliebtes und – Hand aufs Herz – nicht ganz abwegiges Bild, weil selbst diesen Gefühllosen häufig ein guter Schuss Emotionalität, ein gerüttelt Maß Leidenschaft, das gewisse Etwas eben innewohnt. Die beiden Testmaschinen bilden da keine Ausnahme.

Aber Ducati Monster 1100 und Moto Guzzi 1200 Sport lassen sich gewiss nicht vollständig dadurch charakterisieren, dass man beiden im Geiste einfach Arsch und Titten verpasst. Tiefgründiger darf es schon sein, zumal gleich auf der ersten Runde klar wird, dass da zwei auf sehr unterschiedliche Art eigenwillige Mädels um die Gunst des Testers buhlen, obwohl sie auf dem Papier fast Schwestern sein könnten: beide luftgekühlte Zweizylinder in 90-Grad-V-Konfiguration, beide über einen Liter Hubraum, beide um die 90 PS. Die Ducati Monster trägt das Sportliche in ihrem Stammbaum, die Moto Guzzi Sport deutlich lesbar im Namen.
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Foto: Ducati

Ducati Monster - Ergonomie und Antrieb

Bene, ran an die Bräute! Zunächst die Süße aus Bologna: Bisher spannte die Monster ihre Fahrer lang über den Tank, beinahe wie ein Dragbike. Das hat sich überdeutlich zum Positiven gewandelt, denn das Spritfass ist völlig neu. Sehr aktiv fällt die Sitzhaltung aus, nah am Lenker, geradezu hoch darüber. Der mag zwar immer noch etwas merkwürdig gekröpft sein, aber ein echter Störfaktor ist er nicht mehr. Auch die Fußrasten erlauben selbst bei über 1,80 m Körperlänge einen zwar sportlichen, aber definitiv keinen gestauchten Kniewinkel mehr. Dennoch sind die Rasten so hoch angebracht, dass selbst bei forschem Ritt nichts schleift oder scharrt.

Elementar für eine solche Gangart ist selbstverständlich der zweiventilige L-Twin. Der nun 1078 cm³ große Motor arbeitet in der aktuellen Monster sehr harmonisch. Bei Drehzahlen unter 3000/min hackt er zwar wild auf die Kette, aber das kann man mit etwas Sinn und Verstand vermeiden. Oder bleiben wir im Bild vom Anfang: Wer eine Dame zwingt, sich unter ihr gewohntes Niveau zu begeben, dem geschieht es recht, dass sie zickt. Wer das beherzigt, darf sich am feurigen Temperament erfreuen, das bis in den Begrenzer sehr linear satten Vortrieb liefert. Sauber hängt die Monster am Gas. Die Lastwechselreaktionen sind höchst moderat; das Getriebe arbeitet hart, gleichwohl unauffällig. Damit lädt die Ducati zu einem wilden Tänzchen, aus dem leicht mehr werden kann.
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Foto: Jahn

Ducati Monster 1100 - Fahrwerk

Das Fahrwerk steht dem nicht im Wege. Zwar gibt sich die Gabel ab Werk ein wenig steif, aber bei dem großen Einstellbereich lässt sich das mit ein paar Klicks beheben. Sind Druck- und Zugstufe etwas abgesoftet, passt die Sache ganz gut zum Federbein. Dann agiert die Monster in einem recht straffen, jedoch nicht unkomfortablen Bereich und glänzt mit gutem Handling. Die Federelemente sprechen sauber an und geben ein transparentes Feedback.

Diese Monster ist jetzt ein agiles Ding, zuweilen ein wenig nervös – etwa in engen Ecken –, aber ohne zu nerven. Willig nimmt sie Kurskorrekturen an. Eine besonders starke Figur gibt sie in weiten Kurven ab. Bei entsprechendem Tempo liegt sie satt und folgt der Linie wie ein Zirkel seinem Bogen. Die Monster 1100 – eine knackfrische Signorina, schön und mit Reizen gesegnet wie Sophia Loren in ihren besten Jahren.
Foto: Jahn

Moto Guzzi 1200 Sport - Ergonomie und Bremsen

Da kann die Moto Guzzi 1200 Sport kaum gegenhalten. Wenn die Monster die Loren ist, ist die Guzzi ihre Köchin. Warum ausgerechnet dieses Modell den Zusatz "Sport" trägt, bleibt ein Rätsel. Sie hat Qualitäten, unbestritten, richtig sportlich ist davon allerdings kaum eine. Was die Monster in diesem Sinne richtig macht, macht die Guzzi anders: Wer auf ihr Platz nimmt, blickt auf ein gigantisches Instrumenten-Board, das über einem ellenlangen, weit entfernten Lenker hoch wie eine Schrankwand aufragt. Inaktiv sitzt der Guzzi-Treiber, Richtungsänderungen arten in harte Arbeit aus, besonders wenn sich sauberer Asphaltbelag appetitanregend in kühnen Kurvenkombinationen dahinschlängelt.

Wie ein Schiff bahnt sich die Guzzi ihren Weg, was an Foxtrott mit Mamma Miracoli erinnert. Die Gabel spricht ganz ordentlich an, ihre Dämpfung ist aber trotz aller Einstellmöglichkeiten nicht wirklich auf sportlich zu trimmen. Und bei Bodenwellen unter Zug erinnert das auskeilende Hinterrad den Fahrer daran, dass ein Kardan mit dem Endantrieb beauftragt ist.

Dafür besitzt die Guzzi Sport im Gegensatz zur Ducati ein gut funktionierendes ABS (optional), mit dem sich allerhand Schabernack treiben lässt. Die Bremse braucht zwar Handkraft, aber auch die Duc verlangt entsprechendes Zupacken.
Foto: Jahn

Moto Guzzi 1200 Sport - Antrieb

Der Motor unterstreicht nachdrücklich, dass die Guzzi dem heißblütigen Monster-Auftritt eher ruhige und entspannte Momente entgegensetzen will, zum Beispiel mit dem betörenden bassigen Grollen aus dem Carbontopf. Sanft geht die Sport ans Gas und vibriert kaum. Trotz langer Pedalwege flutschen die Gänge sauber. Ab Standgas hebt sich eine mächtige Drehmomentwelle, die aber leider schon bei etwa 3000/min nach unten abbiegt. Schön für Show-Wheelies, schlecht für den Fahrspaß an sich.

Diese Charakteristik hat ihre Tücken: Man kann sich ja damit abfinden, dass die Guzzi zwar "Sport" heißt, aber eigentlich zwischen Cruiser und Tourer pendelt. Dann jedoch muss die Frage erlaubt sein, warum sich echtes Gefühl für satten Vortrieb nur zwischen 5000 und 6000/min einstellt? Das ist unten herum viel zu wenig und oben heraus nicht genug.
Foto: Jahn

Guzzi oder Monster. Welche für wen?

Die Sympathieverteilung und letztlich die Kaufentscheidung zwischen der Ducati Monster 1100 und der Moto Guzzi 1200 Sport ist keine Frage für einen rationalen Geist, sondern der persönlichen Vorlieben - was ja auch Sophia Loren ebenso flammende Verehrer einbringt wie der vollschlanken Pastaköchin.

Der eine steht auf feuriges Temperament und atemberaubendes Äußeres mit der Garantie für körperbetonte Zweisamkeit. Der andere mag gemütliches Schlendern, genüssliches Kuscheln, Stressabbau und Fernseh-Couch statt Fitness-Court. Damit das nicht ganz so undynamisch wirkt, kauft man sich fürs Sonntagsfrühstück eben Jogginganzüge im Partnerlook.

Jeder Topf findet seinen Deckel, jedes Motorrad eine weibliche Entsprechung und jeder italienische Zweizylinder den passenden Käufer. Va bene cosi!
Foto: Jahn

Technische Daten Ducati Monster 1100

Ducati Monster 1100

Antrieb: Zweizylinder-90-Grad-V-Motor, Kurbelwelle quer liegend, 2 Ventile/Zylinder, 66,0 kW (90 PS) bei 7500/min*, 103 Nm bei 6000/min*, 1079 cm³, Bohrung/Hub: 98,0/71,5 mm, Verdichtungsverhältnis: 10,7:1, Zünd-/Einspritzanlage, 45-mm-Drosselklappen, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Trockenkupplung, Sechsganggetriebe, G-Kat

Fahrwerk: Verbundrahmen aus Gitterrohr und Alu-Gussteilen, Lenkkopfwinkel: 66,0 Grad, Nachlauf: 94,0 mm, Radstand: 1450 mm. Upside-down-Gabel, Ø Gabelinnenrohr: 43 mm, einstellbar in Federbasis, Zug- und Druckstufe. Zentralfederbein direkt angelenkt, einstellbar in Federbasis und Zugstufe. Federweg vorn/hinten: 130/148 mm

Räder und Bremsen:: Leichtmetall-Gussräder, 3.50 x 17"/5.50 x 17", Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 180/55 ZR 17. Erstbereifung: Bridgestone BT 016. 320-mm-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Festsätteln vorn, 245-mm-Einzelscheibe mit Zweikolben-Festsattel hinten

Maße und Gewicht: Länge/Breite/Höhe: 2090/950/1130 mm, Sitz-/Lenkerhöhe: 800/970 mm, Lenkerbreite: 740 mm, 187 kg vollgetankt, v./h.: 49,3/50,7 %

Hinterradleistung im letzten Gang: 65,4 kW (89 PS) bei 208 km/h

Fahrleistungen: Beschleunigung 0–100/150/200 km/h: 3,4/6,8/14,5 s, Durchzug 50–100/100–150 km/h: 5,0/5,5 s

Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h*

Verbrauch: Kraftstoffart: Super bleifrei. Durchschnittstestverbrauch: 6,5 Liter/100 km, Tankinhalt: 15 Liter, Reichweite: 231 km

Grundpreis: 11 000 Euro (zzgl. Nebenkosten)
Foto: Jahn

Technische Daten Moto Guzzi 1200 Sport

Moto Guzzi 1200 Sport

Antrieb: Zweizylinder-90-Grad-V-Motor, Kurbelwelle längs liegend, 2 Ventile/Zylinder, 70,0 kW (95 PS) bei 7800/min*, 100 Nm bei 6000/min*, 1151 cm³, Bohrung/Hub: 95,0/81,2 mm, Verdichtungsverhältnis: 9,8:1, Zünd-/Einspritzanlage, 45-mm-Drosselklappen, hydraulisch betätigte Einscheiben-Trockenkupplung, Sechsganggetriebe, G-Kat

Fahrwerk: Stahl-Brückenrahmen, Lenkkopfwinkel: 65 Grad, Nachlauf: 120 mm, Radstand: 1485 mm. Upside-down-Gabel, Ø Gabelinnenrohr: 45 mm, einstellbar in Zug- und Druckstufe. Zentralfeder-bein mit Hebelsystem, einstellbar in Federbasis und Zugstufe. Federweg vorn/hinten: 120/140 mm

Räder und Bremsen: Leichtmetall-Gussräder, 3.50 x 17"/5.50 x 17", Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 180/55 ZR 17. Erstbereifung: Metzeler Sportec M3. 320-mm-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Festsätteln, 282-mm-Einzelscheibe mit Zweikolben-Schwimmsattel hinten

Maße und Gewicht: Länge/Breite/Höhe: 2150/940/1170 mm, Sitz-/Lenkerhöhe: 805/1010 mm, Lenkerbreite: 750 mm, 253 kg vollgetankt, v./h.: 49,6/50,4 %

Hinterradleistung im letzten Gang: 57,4 kW (78 PS) bei 186 km/h

Verbrauch: Kraftstoffart: Super bleifrei. Durchschnittstestverbrauch: 8,5 Liter/100 km, Tankinhalt: 23 Liter, Reichweite: 271 km

Fahrleistungen: Beschleunigung 0–100/150/200 km/h: 3,9/8,7/22,2 s, Durchzug 50–100/100–150 km/h: 5,6/7,5 s

Höchstgeschwindigkeit: 215 km/h*

Grundpreis: 12100 Euro (zzgl. Nebenkosten)
Foto: Ducati

PS-Bewertung Ducati Monster 1100

Ducati Monster 1100

Antrieb: 4 Sterne
Unter 3000/min gibt's kräftige Rucker. Darüber tritt die Monster mächtig an, und der L-Twin liefert schön linear Druck. Die Gasannahme ist recht sanft.

Fahrwerk: 4 Sterne
Gutes Ansprechverhalten, weiter Einstellbereich – ein guter Kompromiss zwischen straff und komfortabel. Agiles Handling, in engen Kehren etwas nervös.

Ergonomie: 4 Sterne
Stark verbessert, weil sehr aktiv. Der Fahrer sitzt nah am Lenker, die Kniewinkel sind entspannter. So lässt es sich mit Gefühl fürs Vorderrad angreifen.

Fahrspaß: 4 Sterne
Der Fahrspaß auf der Monster 1100 speist sich aus dem Motor, dem Fahrwerk und der gelungenen Ergonomie. Er ist entsprechend hoch.

PS-Urteil: 16 Sterne gesamt, Platz 1
Die Monster ist nicht nur der Verkaufsschlager, sondern auch ein entsprechend zu fahrendes Naked Bike. Kleine Mängel sind zu verschmerzen.
Foto: Jahn

PS-Bewertung Moto Guzzi 1200 Sport

Moto Guzzi 1200 Sport

Antrieb: 3 Sterne
Der Motor ist ein sanfter Riese mit klasse Sound. Aus 1151 cm³ generiert er aber ein zu schmales Leistungsband mit deutlichen Löchern unten und oben.

Fahrwerk: 3 Sterne
Die Guzzi ist vom Fahrwerk her eine Sänfte, vom Gewicht her ein Tanker. Der Ständer setzt viel zu früh auf. Das ABS ergattert einen Stern zurück.

Ergonomie: 2 Sterne
Völlig entkoppelt sitzt es sich auf der Guzzi. Der Lenker ist weit weg, man sitzt tief in ihr drin. Zum Cruisen taugt das, zum forschen Ritt definitiv nicht.

Fahrspaß: 3 Sterne
Bei moderatem Tempo ist die Moto Guzzi 1200 Sport ein Genussmotorrad: Landschaft, Straße, Feeling. Aber mit Sport hat sie nicht viel am Hut.

PS-Urteil: 11 Sterne gesamt, Platz 2
Wie wäre es mit Moto Guzzi 1200 Starship? Sie ist nicht das, was sie von sich behauptet. So was kann man "Blender" nennen, dem Guzzi-Fan ist es egal.

Fazit

Erst einmal in Fahrt, wird schnell klar, dass sich die Moto Guzzi 1200 Sport und die Ducati Monster 1100 grundlegend voneinander unterscheiden – Papier ist eben geduldig.

Mit der Monster lässt sich richtig angasen. Sie verfügt über einen klasse Motor, der für die Landstraße mit ausreichend Druck gesegnet ist, ein passendes Fahrwerk und eine aktive Ergonomie.

Die Guzzi geht einen ganz anderen Weg, den Guzzi-Weg eben. Du magst es so oder nicht. Basta!

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