Finale: BMW-Superbike gegen F1

Normalerweise sitzt Nick Heidfeld in einem Formel-1-Renner und Troy Corser auf einem Superbike. Bei der BMW-Sauber-F1-Experience auf dem Nürburgring tauschten die beiden die Waffen.

Foto: BMW

Etwas verloren wirken sie schon, die drei Mann Boxenbesatzung mit ihrem BMW-Superbike. Vier Rolltore weiter wuseln gefühlte 25 Mann um einen Formel-1-Boliden, schrauben, tippen auf Laptops herum und passen eine dreiviertel Stunde lang einen Sitz für Troy Corser an. Das Superbike steht einfach da und wartet. Ziemlich einsam, denn das geladene Publikum, einige hundert Mitarbeiter von Formel-1-Sponsoren und ein paar handverlesenen Journalisten, interessiert sich zunächst ausschließlich für die Rakete auf vier Rädern.

Erstaunlich klein wirkt so ein Auto, niedrig sowieso, und ganz schön kurz, weil die Nase noch fehlt. Die wird erst kurz vor dem Start montiert, man könnte ja auf das edle Karbongeflügel drauftreten. Dem Technik-Gourmet eröffnet so ein Renner neue Welten. Diese wunderschön geformten Kohlefaserlenker der Vorderachse, diese oberarmdicken Edelstahlkrümmer, die aus den Zylinderköpfen quellen, riesige Kühler, die fast in den Seitenkästen liegen, und natürlich diese vielen kleinen Spoiler, Leitbleche und Rippen, die von unzähligen Stunden harter Arbeit im Windkanal zeugen. Wahnsinn, dieser Aufwand.

Das zweirädrige Renngerät wirkt dagegen noch wenig ausgefeilt. Es ist BMWs erste Saison in der Superbike-WM, einer Klasse, die auf Serienmaschinen basiert, insofern hinkt der direkte Vergleich zur Formel 1 natürlich doppelt, wo übrigens etwa das fünfzigfache Jahresbudget der Zweirad-Renner verballert wird.

Warmlaufen lassen: Nick Heidfeld steuert auf die Motorrad-Box zu, die Mechaniker starten den Vierzylinder, wärmen ihn mit rhythmischen Gasstößen an. Ein vertrauter, wohlig kehliger Klang ertönt. Dann bricht das Inferno los. Ein kurzes Kreischen des Elektrostarters, Baaaaaaaaahm, der F1 schreit im Standgas wie hunderttausend Italiener beim WM-Sieg, die Superbike-Leute machen Pantomime. Von dem Motorrad ist nichts mehr zu hören. Leicht gequält fingert einer Ohr-stöpsel aus der Werkzeugkiste, die man dankbar in die Gehörgänge presst. Der Laptop spielt das Warmlaufprogramm ab, niemand sitzt in dem Boliden. Und Troy Corser, sonst ein reichlich cooler Socken, erscheint die Sache auch nicht wirklich geheuer. Dieses Höllengerät artgerecht zu bewegen, ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Es gibt kein Zurück mehr, auf dem Auto steht Corser, also muss Corser rein.

 

Inzwischen hat sich Nick Heidfeld, der in seiner Lederkombi fast schon zart wirkt, vom zweiten Superbike-Piloten Ruben Xaus die vielen Knöpfe der Rennmaschine erklären lassen. Die Geheimnisse der Daumenbremse fürs Hinterrad, die Schaltung – er will alles ganz genau wissen. Helm auf, und ab geht's. Quick Nick treibt die BMW entschlossen die Boxengasse runter. Der fährt garantiert nicht zum ersten Mal. Nach ein paar Runden sitzt er auch nicht mehr wie angegurtet auf dem Motorrad, schleift schon mal mit dem Knie am Boden, sieht doch gut aus. Natürlich bremst er ein bisschen früh und schräger geht es auch noch. Aber er dreht den Ofen bis an die Grenze – ehrenhaft.

Sonnyboy Corser lächelt nicht mehr, aber er kommt fehlerfrei aus der Box und lässt ebenfalls nichts anbrennen. Soundmäßig liegt er mit dem 18500/min drehenden 2,4-Liter-V8 eh ganz vorn. Spät bremsen und zackig einlenken schafft er auch. Und als er nach ein paar schnellen Runden wieder reinkommt, sind alle Räder noch an ihrem Platz. Gut gemacht. „It's so easy!“ freut er sich, und möchte gern sofort einen F1-Vertrag unterschreiben. Dr. Mario Theissen, BMW-Renndirektor, lächelt das weg.

Noch mehr freut er sich, als Nick wieder reinkommt. Wie wars? „Super! Die Rennmaschine ist viel einfacher zu fahren als die Serie.“ Wieso? „Die steigt zu schnell beim Beschleunigen und beim Bremsen kommt das Heck hoch. Das passiert bei der Rennmaschine nicht.“ Und die Daumenbremse? „Hab ich nur zum Bremsen benutzt.“ Hä? „Naja, die Jungs driften ja damit in die Kurven rein, das hab ich nicht gemacht.“ Aha. Nick lächelt entspannt. Irgendwie scheint er ein anderer geworden zu sein, kommt lockerer rüber. Unsere kleine Motorradwelt hat wohl große Gefühle erzeugt.

Zum Schluss noch ein trauriges Kapitel Fahrdynamik: Wie lange braucht der F1 bis er das Superbike auf der Nürburgring-Kurzanbindung überrundet? Gute drei Runden! Robert Kubica und Ruben Xaus testen das jetzt. Volle Attacke, Xaus hält nur bis zur ersten Kurve dagegen. Dann zieht der F1 davon „ Ich sah da was im Augenwinkel, das schoss unter mir vorbei und machte wuuwuuwuu!“ schildert Xaus die Überrundung. Wie gesagt, das Fünfzigfache an Kohle, dafür kann man erhobenen Hauptes Biker sein.

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