Geradeauslauf und Windschutz Eine kritische Betrachtung

Sieben Tester fahren sieben mit Koffern und anderem Gepäck beladene Motorräder auf der Autobahn. Zunächst mit strikt eingehaltenen 130 km/h, weil alle an diesem Test beteiligten
Motorrad- und Kofferhersteller nicht mehr zulassen. Es weht ein böiger Seitenwind und es tritt ein, was kaum jemand bei diesem gemäßigten Tempo und weit unterhalb der maximalen Zuladung erwartet hatte: vier von sieben Maschinen pendeln. Nicht gefährlich, aber spürbar, mehr oder weniger stark.
Drastischer fühlen sich höhere Geschwindigkeiten an. Die dürfen trotz Herstellerbeschränkung sogar legal gefahren werden. Allerdings ist der Fahrer selbst verantwortlich, wenn bei mehr als 130 km/h ein gepäckbestücktes Motorrad unhaltbar ins Trudeln gerät oder die Koffer von sich
wirft. Der Grund für den Haftungsausschluss der Hersteller ist mit den Händen am Lenker zu greifen. Mal bei Tacho 150, mal erst bei 170 beginnen die Aprilia Caponord, die Honda Varadero, die KTM 950 Adventure und die Suzuki V-Strom mit solchen Ausschlägen zu pendeln, dass selbst das Repertoire erfahrener Piloten nicht weiterhilft. In die
Fußrasten abstützen, Gewicht nach vorn verlagern, den Lenker locker führen – all das lässt man schleunigst bleiben und nimmt lieber das Gas raus.
Kräftiges Vorspannen des Federbeins hinten bringt durchweg Besserung. Aber keinen echten Trost. Dass die Geradeauslaufstabilität einer Honda Varadero sich innerhalb von 15 Klicks an der hydraulisch einstellbaren Federbasis von kritisch bis passabel verbessern lässt, zeigt auch nur, wie knapp dieses Motorrad am Limit ist. Solche Symptome sollten heute wirklich kein Thema mehr sein. Zumal es sich um recht gewichtige Maschinen
handelt, die wegen großer gefederter Massen im Verhältnis zu geringen ungefederten einfacher zu stabilisieren sind als leichte Sportler.
Und noch etwas: Den viel gerühmten Windschutz der großen Enduros müssen die meisten Fahrer mit einer Körpergröße von über 1,70 Meter teuer bezahlen. Im Form von Verwirbelungen und schwer erträglichen Windgeräuschen. Einstellbare Scheiben und optional angebotene Scheibenvarianten helfen nicht grundsätzlich, und es möge bitte niemand mit dem Hinweis kommen, dass man Großenduros sowieso nicht schneller fahren sollte als 130 km/h. Bei diesem Tempo ist es schon
turbulent genug.
Dazu fallen die Zubehörscheiben meist noch
größer aus als die Serienteile und verschlimmern mehr als sie helfen. Wie wäre es also mit einer
anderen Art von Windschildern? Solchen, die knapp oberhalb der Instrumente enden. Die schützen zwar nicht, lassen den Fahrtwind jedoch ehrlich-
unverwirbelt anströmen. Selbst bei über 130 kein ernstes Problem. ras

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