Handling

Von großer Bedeutung und mit viel Aufwand verbunden: der Handling-Test. Wichtige Fragen sind hierbei: Lenkt das Motorrad präzise ein? Wie leicht gehen Schräglagen- und Richtungswechsel von der Hand? Wie hoch ist der Kraftaufwand? Und wie ist es um die Soziusqualitäten bestellt? Die Testmannschaft überprüft alle Motorräder während einer genau definierten Testrunde auf der Schwäbischen Alb, die von engen Kehren über langsame und zügige Wechselkurven bis hin zu schnellen, weiten Radien alles parat hält, was die Straßen im normalen Motorradfahrerleben auf Lager haben. Quasi als Pendant zur Teststrecke, zur Abrundung und Überprüfung der Ergebnisse, prüft MOTORRAD das Handling anschließend noch auf abgesperrter Strecke mit zwei unterschiedlichen Parcours: einem weiten, langsamen und einem engen, schnellen Slalom. Die unten aufgeführten Zeiten und Geschwindigkeiten geben zwar einen grundsätzlichen Anhalt über die Handlings-Eigenschaften, für die Punktewertung zählt jedoch einzig und allein der subjektive Eindruck der Testmannschaft, die auf der Testrunde gewonnen wurden.Honda CBR 1100 XX: Sie benötigt zwar einen kräftigen Lenkimpuls, fährt sich dafür aber sehr präzise, neutral und stabil. Auch mit zwei Personen liefert die Honda eine tadellose und zielgenaue Vorstellung ab, einzig die harten Lastwechsel in langsamen Passagen sind gewöhnungsbedürftig. Die mächtige Kawasaki ZX-12 R verlangt ebenfalls nach hohen Lenkkräften, verstärkt noch durch ihren überbreiten 200er-Hinterreifen, kompensiert diesen Nachteil aber mit ihrem antrittstarken Motor. Im langsamen Slalom, also langen S-Kurven, fährt die ZX-12 R am Umkehrpunkt einen relativ engen Bogen. Störend wirken sich bei solch niedrigen Tempi lediglich ihre harten Lastwechsel aus.Langer Radstand, größter Nachlauf und hohes Gewicht: Dennoch gibt sich in diesem Vergleich die Suzuki GSX 1400 am handlichsten – auch zu zweit. Sie glänzt dank ihrer stabilen Gabel mit guter Lenkpräzision, aber bei harten Last- und Schräglagenwechseln treten spürbare Kippbewegungen um die Längsachse auf, sowohl in schnellen als auch in langsamen Bögen. Die reinrassige Supersportlerin Suzuki GSX-R 1000 entpuppt sich dagegen nicht gerade als Handlingstar, Kurswechsel erfordern viel Kraft. Dafür verhält sie sich auch bei harten Schräglagenwechseln selbst im Zweipersonenbetrieb unübertroffen fahrstabil und zielgenau. Die Yamaha FZS 1000 Fazer vermittelt in schnellen Schräglagenwechseln wegen des in Gummi gelagerten Lenkers ein indirektes Lenkgefühl, sie federt zudem weit ein. Zu zweit fährt sich die Fazer trotz maximal angehobenen Hinterteils zu hecklastig, was die Zielgenauigkeit verringert und die Lenkkräfte über die Maßen erhöht. Ihre Tourenschwester Yamaha FJR 1300 überrascht dagegen mit einer guten, ausreichend straffen Abstimmung, sie fährt handlich und stabil. Daran ändert sich auch zu zweit nichts, man spürt den Beifahrer quasi überhaupt nicht. Lediglich die Schräglagenfreiheit leidet etwas unter dem zusätzlichen Gewicht, die schwere Yamaha setzt leicht mit den Rasten und dem Hauptständer auf.

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