Handling Hütchenspiele

Der Testparcours: Ein enger, ein weiter Slalom, (Phylonenabstand 8 und 16 Meter), dazwischen eine verzwickte Rechts-Links-Kombination, eine schnelle Schikane, die mit zirka 100 km/h durchfahren werden kann. Und zwei enge 180-Grad-Kehren, das alles auf gut 500 Meter Strecke verteilt. Kurz, aber selektiv genug, um allen Kandidaten, bepackt mit 15 Kilogramm Zuladung, das Maximum abzuverlangen. Es geht um die Wurst, drei gezeitete Runden, aber auch um die Eindrücke, die die Tester, ein Rennprofi und ein Normalfahrer, direkt nach ihren Fahrten schildern.Wie werden die Dicken mit den engen Kurs klarkommen? Brillieren die Kleinen? Oder siegt die goldene Mitte? Nichts von alledem – und von allem ein bisschen. Die Suzuki Hayabusa fährt alle platt. Sanft einsetzender Schub ohne Ende, ein zielgenaues, stabiles Fahrwerk, das flößt den Fahrern Vertrauen ein, das schlägt sich in Bestzeiten nieder. Die Kleinste verkauft sich teuer: Nur knapp geschlagen fährt die SV 650 S ein. Super handlich und kinderleicht um die engen Passagen zu zirkeln, macht sie den Rückstand an Motorleistung in den schnelleren Passagen wett. Die Überraschung überhaupt: die Schwerste im Feld, die BMW K 1200 RS. Zwar macht sich bei allen schweren Maschinen, einmal in Fahrt, das höhere Gewicht nicht mehr stark bemerkbar, vor allem aus den Kurven heraus profitieren sie von ihrem gewaltigen Drehmoment. Aber die Show der BMW verblüfft dennoch: Sicher, präzise und handlich zu fahren, vor allem in den engsten Ecken. Etwas enttäuschend: die Ducati ST 4. Ein starker V2, ein spurstabiles Fahrwerk, da hätten Bestzeiten drin sein müssen. Aber ausgerechnet die Italienerin leidet unter mangelndem Schub aus dem Drehzahlkeller, verlangt nach viel Kupplungseinsatz, setzt zudem zu früh und zu hart auf. Knapp hinter den ST 4-Zeiten liegt die BMW R 1100 S, die jedoch nach weniger Kraftaufwand verlangt. Handlich, supersicher, mit keiner Kandidatin lassen sich engere Bögen fahren. Überzeugend: die Honda VFR und die Yamaha YZF 600. Fehlenden Schub kompensieren beide mit Handlichkeit und hoher Zielsicherheit im Slalom. Nicht im Bereich von Bestzeiten: die Honda CBR 1100 XX. Lästiges Spiel im Antriebsstrang und zu hartes Ansprechen des Einspritz-Motors verhindern schnellere Runden. Ihr Handling dagegen überzeugt, ebenso wie das der Triumph Sprint ST, die darüber hinaus über ein stabiles Fahrwerk verfügt. Dennoch reicht es auch für die Engländerin nicht für die Spitze. In den engen Kehren will ihr Motor einfach das Gas überhaupt nicht annehmen, ein Problem, das nur bei extrem schwülen Wetterbedingungen in Hockenheim auftrat, in den Alpen dagegen nicht. Die beiden Kawasaki schlagen sich achtbar, schnelleren Zeiten stehen die sehr weich abgestimmten Fahrwerke entgegen. Die Yamaha YZF 1000, das sportlichste Motorrad des Vergleichs, leidet dagegen nur unter einem: ihrer völlig unpassenden Erstbereifung Metzeler ME Z2, die das Potential ihres Power-Triebwerks nur ansatzweise auf die Strecke bringen kann.

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