Erschienen in: 16/ 2015 MOTORRAD

Honda Crossrunner, Suzuki V-Strom, Triumph Tiger und Yamaha Tracer im Test

Alpen Masters 2015 Adventure-Mid-Bikes

Honda Crossrunner, Suzuki V-Strom 650 XT, Triumph Tiger 800 XCx und Yamaha MT-09 Tracer sind sehr flexibel und kommen selbst dann noch weiter, wenn der Wildbach über die Straße rauscht.

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Diese vier treten an in der Kategorie Adventure Mid. Es handelt sich um ...

Bildergalerie: Honda Crossrunner, Suzuki V-Strom 650 XT, Triumph Tiger 800 XCx und Yamaha MT-09 Tracer im Test der Alpen-Masters-Kategorie "Mid-Adventure-Bikes".   10 Bilder

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9 Seiten Vergleichstest
aus MOTORRAD 16/2015
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"Große Motorräder mit großen Motoren, großen Tanks, ­großem Platzangebot und großer Ausstattung" – so beschrieb Kollege Johannes Müller im ersten Teil des Alpen-Masters (MOTORRAD 15/2015) die vier Maschinen der Kategorie „Adventure Big“. Was soll man da nun über die Kandidatinnen der Gruppe „Adventure Mid“ sagen? „Mittlere Motorräder mit mittleren Motoren…?“ Nein, das würde ihnen keineswegs gerecht. Als Mittelmaß kann man dieses Quartett aus Honda Crossrunner, Suzuki V-Strom XT, Triumph Tiger 800 XCx und Yamaha MT-09 Tracer wirklich nicht bezeichnen. 

Schon gar nicht in den Alpen. Denn dicke Muckis sind in den Dolomiten eher hinderlich, gefragt sind vielmehr die Qualitäten eines Zehnkämpfers. Und genau damit können alle vier Maschinen dienen. Das alpine Pflichtprogramm aus Kurven und Kehren meistern sie siegessicher und geschmeidig, als Kür gelingen ihnen selbst Abenteuereinlagen wie steinige Feldwege oder spritzende Wasserdurchfahrten. Kurz: Sie erweitern das Motorradvergnügen in den Alpen um erfreuliche Extratouren und erhöhen so den Spaßfaktor.

Honda Crossrunner mit Schaltautomat

Honda Crossrunner und Suzuki V-Strom präsentieren sich beide mit vergleichsweise niedriger Sitzbank und traditioneller aufrechter Sitzposition, die bei der Crossrunner wegen des weit nach hinten gekrümmten Lenkers allerdings recht passiv ausfällt. Trotz des beachtlichen Gewichts von 245 Kilogramm vollgetankt lässt sich die hurtige Dolomitenrunde mit der Honda Crossrunner vielversprechend an. Zu ihrer guten Ausstattung gehört sogar ein Schaltautomat, was ihr auf der gut ausgebauten Auffahrt zum Fedaia-Pass eine Extraportion Schwung verleiht. Handlichkeit, Rückmeldung, Lenkpräzision: alles im grünen Bereich. Dazu kommen herausragende Bremsen, denn bei der Messung bergab zu zweit erlaubt sich die Crossrunner keinen noch so winzigen Stoppie, sondern verzögert die schwer beladene Fuhre in nur 22,3 Metern – in ihrer Gruppe Rekord und der zweitbeste Wert im gesamten Alpen-Masters 2015. 


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Nicht so gut fällt die Federung aus, denn voll beladen schlägt die Honda Crossrunner auf holprigen Strecken hinten durch. Den dicksten Strich durch die Rechnung macht der Crossrunner aber ihr Motor. Mit 108 gemessenen PS ist der Vierzylinder zwar mehr als üppig für leidenschaftliche Berg-und-Talfahrten ausgestattet, doch leider kommt oft wenig Leistung am Hinterrad an. Nach wie vor hat der VTec-Motor, bei dem bis etwa 7000/min zwei Ventile pro Zylinder arbeiten, danach alle vier, zwei Gesichter. Störend ist, dass das VTec-System in den Alpen einfach zu spät einsetzt. Folgen enge Kurven und Kehren so rasant aufeinander wie am Fal­zàrego-Pass oder der Auffahrt zum Pordoi, kommt die Honda Crossrunner oft nicht fix genug auf Touren, um in den Vierventilbetrieb zu wechseln. Der erhoffte Leistungsschub bleibt aus, weil man vorher schon wieder abbremsen muss.

Messtechnisch beweist das der schwache Durchzug in 2000 Metern Höhe: Trotz ihrer vielen PS braucht die Honda Crossrunner schier endlose 9,6 Sekunden, um im letzten Gang von 50 auf 100 km/h zu beschleunigen – das kann sogar die Suzuki V-Strom mit ihren nur 69 PS besser. Mit 5,9 Litern auf 100 km entpuppt sich die Honda in ihrer Gruppe zudem als größter Schluckspecht. Alles in allem bleibt der Crossrunner in dieser starken Gruppe der vierte Platz, um gerade mal zwei Punkte muss sie sich der V-Strom geschlagen geben.

Suzuki V-Strom 650 XT immer noch sehr gut

Bei der handelt es sich um eine gute ­alte Bekannte: 2005 und 2006 gewann die 650er das Alpen-Masters; und wirklich viel hat sich seither bei ihr nicht geändert, denn Suzuki hielt die Überarbeitung in sparsamen Grenzen, wenn man mal vom ABS und den neuen Speichenrädern absieht. Und doch fährt sich die V-Strom im Vergleich zu ihren deutlich neueren und moderneren Konkurrentinnen nach wie vor im Gebirge erstaunlich gut, was ihr viel Sympathie und auch eine ganze Reihe von Punkten einträgt. Willig folgt sie Lenkbefehlen, liegt stabil in den Kurven und erfreut mit guter Rückmeldung. Allerdings setzt sie voll beladen als Erste auf. Als Einziger im Feld fehlt ihr eine Traktionskontrolle, was sich aber angesichts ihrer überschaubaren Leistung verschmerzen lässt. 


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Womit wir bei ihrem größten Manko wären: 69 PS sind heutzutage in der „Adventure Mid“-Klasse nicht gerade der Brüller, fast 30 Pferdestärken trennen die Suzuki V-Strom 650 XT von der nächststärkeren Konkurrentin dieser Gruppe, der Triumph Tiger 800 XCx. So wenig Schmackes wirkt sich natürlich negativ auf Beschleunigung und Durchzug und damit auf die Punktevergabe aus. Wobei der Zweizylinder mit seinen 645 cm³ sahnig am Gas hängt; zumindest im Solobetrieb lässt sich mit den Leistungsdaten gut leben, weil der Twin sehr har­monisch zu Werke geht. Zu zweit allerdings wird es hin und wieder doch ein wenig ­dröge. Wer in den Alpen nicht atemlos von Gipfel zu Gipfel sprinten will, sondern auf entspannten Kurvengenuss setzt, ist mit dem ehrlichen Charakter und dem unkomplizierten Handling der Suzuki V-Strom trotzdem nach wie vor gut bedient.

Yamaha Tracer schnalzt durch engste Kehren

Honda Crossrunner und Suzuki V-Strom 650 XT landen also auf den Plätzen vier und drei, während sich vorn ein packendes Duell um Platz eins entwickelt. Besonders spannend macht den Kampf, dass die beiden Dreizylinder Yamaha MT-09 Tracer und Triumph Tiger 800 XCx auf ganz unterschiedliche Konzepte setzen – die Tiger ist eine Reiseenduro mit echten Offroad-Ambitionen, die Tracer ein stürmischer Sporttourer. Hoch und mächtig wirkt die Tiger im Vergleich, sie bringt 20 Kilogramm mehr auf die Waage und glatte 20 PS weniger ans Hinterrad als die quirlige Tracer. 


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Leichtes Spiel also für die Yamaha MT-09 Tracer? Hm, mal sehen. Mit ihr den Pass hochzubrennen ist tatsächlich eine Wucht. 116 PS auf 212 Kilogramm verteilt, lässt jede Gipfelstürmerseele jubilieren. Erst recht, weil die Tracer aus jeder Kurvenlage in feurigem Sprint davonzischt. Mit Elan schnalzt sie selbst durch engste Kehren, denn handlicher als sie kann man ein Motorrad kaum auslegen. Dazu packt der breite, gerade Lenker den Fahrer in eine Art Supermoto-Position, der Kontakt zum Vorderrad erscheint durch diese aktive, nach vorn geneigte Haltung so intensiv, dass man fast die Asphaltdecke in den Fingerspitzen zu spüren vermeint. Leider gilt das auch für Holperpisten, auf der Rüttelabfahrt vom Valparolapass Richtung Corvara werden die Tracer und ihr Reiter von Bodenwellen gebeutelt. Eine intensive und harte Angelegenheit.

Triumph Tiger 800 punktet mit Zuladung und Reichweite

Anders die Triumph Tiger 800 XCx. 96 PS auf 232 Kilogramm vollgetankt lautet ihre Formel, und ganz so agil und atemlos wie die Yamaha MT-09 Tracer gelingt ihr der Sprint von Gipfel zu Gipfel logischerweise nicht. Dafür punktet ihr Dreizylinder mit einem erfreulich sanften Ansprechverhalten, gerade im Vergleich zur hart ans Gas gehenden Tracer.


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Ähnlich das Fahrwerk: Mit ihren langen Federwegen bügelt die Triumph Tiger 800 XCx viele Unregelmäßigkeiten im Belag schlicht weg. Geht es auf die rar gesäten, aber durchaus vorhandenen Schotter- oder Bachbettpassagen im Gebirge, kann ihr auf Dauer ohnehin keiner folgen. Insgesamt ist ihr hochwertiges Fahrwerk in dieser Gruppe am besten und komfortabelsten abgestimmt, während sich die leicht bockende Yamaha MT-09 Tracer in dieser Disziplin mit dem letzten Platz begnügen muss. Im Vergleich zur Tiger macht sie in Sachen Komfort und Ausstattung ohnehin keinen Stich. Fahrer und Beifahrer sitzen auf der Triumph kommoder, die Gepäckunterbringung klappt besser, Zuladung und Reichweite sind höher. Eine gewisse Unruhe im Fahrwerk kann die Tiger zwar nicht verbergen, sodass die Tracer wiederum stabiler in der Kurve liegt und präziser auf Lenkbefehle reagiert. Alles in allem jedoch vereint die Triumph deutlich mehr Allround-Qualitäten auf sich, weshalb sie für die Alpen das noch bessere Motorrad ist als die Tracer und mit zwölf Punkten Vorsprung ins Finale einzieht.

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23.07.2015 |  Artikel drucken | Senden | Kommentar

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