Hubraumvergleich Gut oder günstig

Dick oder dünn, klein oder groß, stark oder schwach – am Ende oft eine Entscheidung zwischen Verstand und Bauch. 1000er oder 600er, wo gibt es am meisten fürs sauer verdiente Geld? Drei Paarungen im Vergleich, die diese Frage mit unterschiedlichem Ergebnis beantworten.

Foto: Künstle
Die Dicken laufen in Deutschland besonders gut. In keinem anderen
Land Europas werden so viele große Maschinen verkauft. Was nicht nur am ewigen Bestseller, der BMW R 1200 GS, liegt. Doch das bedeutet keineswegs, dass die »Kleinen« bei uns keine Rolle spielen. In den Top Ten der Zulassungsstatistik herrscht derzeit ein Patt, neben fünf
Maschinen über 750 cm3 finden sich fünf Mittelklässler der 600er-Kategorie, die mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis auf Kundenfang gehen.

Wobei es nicht allein das Geld ist, das die Kunden zur 600er bringt. Es geben auch ganz rationale Überlegungen in Bezug auf Leistung, Handling, Fahrbarkeit den Ausschlag. Mittelklasse-Kunden entscheiden sich vielfach bewusst für das kleinere Motorrad. Mehr Hubraum gleich mehr Spaß – so einfach ist die Sache eben nicht. Das zeigt auch der vorliegende Test ähnlich konzipierter Maschinen aus zwei Hubraumklassen von drei verschiedenen Herstellern.

Honda setzt im Fall der beiden CBF-Modelle voll auf die Vernunftschiene. Die CBF-Baureihe ist nach dem Baukastensystem aufgebaut. Ein 600er-Motor und ein 1000er-Aggregat im selben Rahmen – das funktioniert. Bei der V-Strom-Familie von Suzuki ebenfalls. 1000er und 650er ähneln sich nicht nur im Design, sondern auch in der Technik. Mit unterschiedlichen Federraten, überarbeiteter Dämpfung und geänderten Progressionskurven wurde das Fahrwerk der Großen auf das zusätzliche Gewicht und das Mehr an Leistung abgestimmt. Bei Kraftmäxen wie den beiden Fazer wird das Spiel kritischer. Nicht von ungefähr wählen die Yamaha-Techniker trotz identischer Ausrichtung des Duos individuelle Fahrwerkskonzepte. Viele Gemeinsamkeiten besitzen FZ1 Fazer und FZ6 Fazer nicht. Ob die großen Schwestern jeweils den Zuschlag von 1500 bis guten 3000 Euro wert sind, hängt natürlich auch von den individuellen Präferenzen ab. Wenn vor allem die Power zählt, ist die Entscheidung klar. Wenn das stimmigere Gesamtkonzept gesucht wird, fühlen sich die Big Bikes überraschend in die Enge getrieben.

Ein Trost: Dicke Pötte zu fahren kostet – abgesehen vom Einstandspreis –
wesentlich weniger Aufschlag als landläufig vermutet. Beim Verbrauch und den Inspektionskosten schenken sich die beiden Hubraum-Ligen nicht viel. Ebenso wenig spaltet die steuerliche Belastung mit maximal 30 Euro Differenz pro Jahr die Fronten. Und selbst bei der Bereifung hält sich der Kostenunterschied in überschaubaren Grenzen. Zwischen der mit einem 160er-Hinterradpneu schmal besohlten CBF 600 (zirka 250 Euro/Satz) und der 1000er-Fazer mit einer 190er-Walze (zirka 275 Euro/Satz) liegen keine Reichtümer. Und die beiden Suzuki-Enduros sind sogar identisch bereift (185 Euro/Satz).

Gut oder günstig? An Hubraumgrößen oder Preisen lässt sich die Qualität von Motorrädern nicht festmachen. Der Fahrspaß erst recht nicht. Auch der Spruch vom Hubraum, der durch nichts zu ersetzen sei, ignoriert zu viele Facetten des Erlebnisses Motorrad. Wie wär’s, »oder« einfach durch »und« zu ersetzen?

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