Husqvarna Twin für die Straße Husqvarna Nuda 900 nun auch in sportlicher R-Version

Mit der Nuda 900 und der sehr sportlichen R-Version versucht sich Husqvarna erstmals im Straßen-Segment. Von BMW schnappte sich der deutsch-italienische Hersteller den kleinen Twin und baute ihn nach Gusto um. Ziel: sportliches Funbike. Ergebnis: PS gefällt’s.

Foto: Husqvarna

Ozzy Osbourne? Moment mal - Husqvarna gehört aber schon zur BMW-Group, richtig? Und doch: Die Gitarren sägen, die Drums peitschen, der Bass schiebt mächtig und schon kreischt Fledermaus-Killer Osbourne von seinem Dasein als Werwolf. Heavy-Rock statt Bierzelt-Polka. Den -Unterschied sehen die Husqvarna-Leute aus Varese wohl zwischen sich und dem Mutterkonzern in München. Insofern war die Musikauswahl bei der Presse-Vorstellung der Nuda 900 richtungsweisend für das, was kommen sollte.
Am allerbesten manifestiert sich dieser Unterschied zwischen gepflegter Aggression und heiler Welt schon beim Motor. Während der Parallel-Twin in den BMW F 800-Modellen gutbürgerlich seine Pflicht erfüllt, zieht es die überarbeitete Husky-Version Richtung Rock’n’Roll-Hall of Fame. 

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Foto: Campelli

Kein Wunder: 100 Kubik mehr Hubraum, ein gehörig von Spezialisten der Formel 1 gepimpter Zylinderkopf mit größeren Ventilen, geänderten Steuerzeiten und mehr Luft zum Atmen sowie eine neue Kurbelwelle mit 45 Grad Hubzapfenversatz verleihen dem 105-PS-Herzstück der Nuda Charakterzüge eines echten Werwolfs. Er knurrt nicht nur lüstern unverschämt, er macht aus dem gesamten Antriebsstrang einen echten Schwerenöter. Perfekt in Szene setzt ihn das R-Modell. Mit der voll einstellbaren Sachs-Gabel, dem zusätzlich in der Höhe verstellbaren Öhlins-Dämpfer hinten, den Brembo-Blocks vorn, einer flachen Supermoto-Sitzbank, Carbon-Deckelchen und dem in Husqvarna-Racing-Rot lackierten Tank ist die Nuda 900 R nämlich abermals der Unterschied zum Unterschied, verhält sich zur Standard-Nuda wie Metallica zu Brian Adams - und ist damit schon prädestiniert zum PS-Liebling. 

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Foto: Campelli

Vollends dafür spricht das Fahrverhalten. Wer entschlossen das Gas aufreißt, zieht ohne Kupplungseinsatz per Wheelie aus der Boxengasse des kleinen Kurses im sardischen Mores. In den anstehenden Runden lässt die Begeisterung dann auch nicht nach. Geradezu brillant hängt der Twin am Gas, setzt jeden Dreh am rechten Griff direkt in Schub um und gefällt mit aggressivem Sound. Die kurze Übersetzung der R ist ein Genuss. Dann dreht die Husky freudig mit sattem Drehmoment nach oben und bolzt um die 5000/min dann forsch davon. Die Vibrationen sind auch bis zum Begrenzer bei etwas über 9000/min überraschend dezent und stören nicht im Geringsten. An drei, vier Stellen dieses Mini-Kurses schaltet man dann schon mal ein paar Gänge hoch und kann sich über das gute Getriebe freuen, das sich auch ohne Kupplung locker betätigen lässt.

Foto: Husqvarna

Zur Kraftvernichtung beißen hammerknackige Brembos in die Bremsscheiben. Gott sei Dank lässt sich diese supersportliche Bremse mit Radial-Pumpe prima dosieren, denn das trocken 175 Kilo leichte Motorrad wäre sonst permanent Stoppie-gefährdet. Mit zwei Klicks mehr an der Gabel-Druckstufe ließ sich dem zusätzlich entgegen steuern und in der Folge das Handling genießen. Sorry, dass wir schon wieder schwärmen, aber auch in diesem Punkt überzeugte die Nuda R voll. Den Gitterrohrrahmen aus der BMW F 800 GS entsprechend gekürzt, nimmt die R jeden Lenkimpuls euphorisch auf. Ihre Abstammung von den Husky-Supermotos kann sie nicht verleugnen. Dabei ist sie etwa in langen Kurven selbst im Hanging-Off keinen Deut nervös, auch nicht bei Turnübungen am gewaltig breiten Lenker. Einziges Manko der R ist ihre Schräglagenfreiheit. Obwohl sie gegenüber der Standard-Nuda schon etwas höher dasteht, kratzen die Fußrasten recht früh über den Asphalt. 

Foto: Campelli

Und die Standard? Nun, sie ist eben näher am Alltag. Ihre nicht einstellbaren Dämpfer sind deutlich softer ausgelegt. Für aggressives Angasen ist das zu weich, besonders, da auch ihre Brembo-Stopper zwar deutlich sanfter zu Werke gehen, aber immer noch recht zackig verzögern. Die wellige Sitzbank ist komfortabler beim Soziusbetrieb, für längere Ausfahrten aber etwas arg schmal. Bei höherem Tempo bringen schon leichte Impulse zur Längsachse wie Windböen die Nuda ungewollt ins Pendeln. Und die Standard-Nuda gibt es nur in Schwarz. Dafür kostet sie mit zirka 9900 Euro rund 1650 Euro weniger als die R. Für diesen Preis hat sie aber auch diesen rockigen Motor, der den grundsätzlichen Unterschied von Husqvarna zu BMW so herrlich in Metall gegossen demonstriert. Der Einstand im Straßen-Segment ist gelungen - Welcome to the Jungle!  

PS-Urteil

Ein äußerst agiles Motorrad, ein knurrigaggressiver Twin mit 105 PS und feinsten Manieren und die passende Bremse dazu - fertig. Das R-Konzept wird Anhänger bei Supermoto- wie Naked-Fans finden. Wer es gedämpfter mag, sollte die Standard-Nuda antesten. Auf jeden Fall ne Hörprobe nehmen!
 


Foto:

Technische Daten

Technische Daten

Antrieb  
Zweizylinder-Reihenmotor, 4 Ventile/Zylinder, 77,0 kW (105 PS) bei 8500/min*, 100 Nm bei 7000/min*, 898 cm³, Bohrung/Hub: 84,0/81,0 mm, Verdichtung: 13,0 :1, Zünd-/Einspritzanlage, 46-mm-Drosselklappen, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsgang-Getriebe, Kette. 

Fahrwerk
Stahl-Gitterrohrrahmen, Lenkkopfwinkel: 65,5 Grad, Nachlauf: 101 mm, Radstand: 1495 mm, Ø Gabelinnenrohr: 48 mm, Federweg v./h.: 210/180 mm. 

Räder und Bremsen  
Leichtmetall-Gussräder, 3.50 x 17/5.50 x 17, Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 180/55 ZR 17, 320-mm-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Festsätteln vorn, 265-mm-Einzelscheibe mit Einkolben-Schwimmsattel hinten. 

Gewicht (vollgetankt)  
195 kg*,Tankinhalt/Reserve 13,0/3,0 Liter. 

Grundpreis  
9900 Euro (R-Version: 11 590 Euro) zzgl. NK.

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