Preiskategorie bis 4000 Euro Enduros und Supermotos bis 4000 Euro

Die einstigen Offroad-Spezialisten haben sich in ein weites Feld aus schottertauglichen Tourern und Asphalttänzern aufgefächert. 2Räder stellt Enduros und Supermotos aus drei Preiskategorien in der Kaufberatung vor. In diesem Teil: Enduros und Supermotos bis 4000 Euro.

Foto: fact

Enduros und Supermotos bis 4000 Euro

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, und weil Teerstraßen noch auf sich warten ließen, erfand er gleich danach den Gelände-sport. Ungefähr in den 1980er-Jahren kamen findige Köpfe auf den Trichter, dass die Hardcore-Schlammwühler mit einigen Anpassungen ja auch ganz bequeme und robuste Reisemotorräder abgeben würden - das Genre der Reiseenduro war geboren. Andere, nicht minder findige Gesellen, steckten 17-Zoll-Räder in ihre kernigen, kurz übersetzten Einzylinder-Enduros, zogen klebrige Straßensportreifen auf und fuhren auf kurvenreichen Straßen den übermotorisierten Tourensportmotorrädern auf und davon. Dank Reserven bei den Federwegen, breiter Lenker und aufrechtem Sitz sind die sogenannten Supermotos sehr einfach zu fahren.

Enduros und Supermotos in drei Preiskategorien

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Foto: jkuenstle.de

Das ist eine Enduro

Ein schmales 21-Zoll-Vorderrad mit Stollenreifen gilt als die Königsgröße: Je größer das Rad, desto weniger tief fällt es in Schlaglöcher; 19 Zoll gehen auch noch durch. Meist ist vorn nur eine recht kleine Bremsscheibe montiert, weil mehr Bremsleistung auf Schotter eh nicht umsetzbar ist.

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Foto: Hersteller

Das ist eine Supermoto

Motor und Fahrwerk werden oft von einer Enduro übernommen und nur leicht verändert; die Räder schrumpfen auf 17 Zoll und tragen haftstarke Straßenreifen. Eine vordere Bremsscheibe reicht häufig, allerdings kann sie dank besserer Reifenhaftung größer sein als an der Enduro.

Foto: Zerha

Honda XRV 750 Africa Twin

Honda XRV 750 Africa Twin

Was macht Honda nur? Knallt den Fernreisenden eine schwergewichtige und straßenorientierte Crosstourer mit V4-Motor hin statt endlich das Kult-Bike Africa Twin wiederauferstehen zu lassen. Geländefreunde, die Wert auf ein 21-Zoll-Vorderrad und einen völlig unkomplizierten V2 legen, müssen weiter nach den teils teuren Gebrauchten schielen. Zwar ist auch die XRV kein Leichtgewicht, dafür aber voll offroadtauglich. Faltenbälge und Drahtspeichenfelgen gehören ebenso zur Serienausstattung wie der solide Motorschutz und die stabile Gepäckbrücke. Auch der große 23-Liter-Tank in Verbindung mit einem Verbrauch von knapp 5 Litern auf 100 Kilometer ist ein wichtiger Pluspunkt für etablierte und angehende Globetrotter gleichermaßen. Wer eine passende 750er findet, wird sie so schnell nicht wieder hergeben.

Foto: Hartmann

Technische Daten
Hubraum: 742 cm³
Leistung: 44 kW (60 PS)
Zylinder: 2, V
Vmax: 180 km/h
Gewicht vollget.: 236 kg
Sitzhöhe: 860 mm
Tankinhalt: 23 Liter

Foto: Hartmann

Stärken/Schwächen
+ Zuverlässiger V2-Motor
+ Tadelloses Fahrwerk
+ Hohe Reichweite
+ Bequem, reise- und geländetauglich
+ Gutes Platzangebot
- Teils anfällige Benzinpumpe
- Nicht ganz günstig

Preise
XRV 750 von 1990 bis 1997 mit ungefähr 80 000 Kilometern kosten 2000 bis 3500 Euro; Honda ab 1998 mit rund 70 000 Kilometern kosten 3700 bis 4300 Euro.

Foto: Gargolov

KTM 640 Duke II

KTM 640 Duke II

Seit jeher war die Duke ein höchst unvernünftiges Motorrad, das gilt auch für ihre zweite Modellreihe. Rund drei Zentner Motorrad ist wenig für den 54 PS starken Single, da kann man ruhig auf eine zweite Bremsscheibe vorn verzichten. Als Kurvenknaller par excellence passt die KTM mit ihrem aggressiven Layout besser zu altgedienten Hasen als zu grünschnäbligen Frisch-Absolventen der Fahrerlaubnisprüfung. Auch Reiseambitionen sowie mitfahrfreudige Bekannte sind bei der Österreicherin fehl am Platz.

Technische Daten
Hubraum: 625 cm³
Leistung: 40 kW (54 PS)
Zylinder: 1
Vmax: 165 km/h
Gewicht vollget.: 154 kg
Sitzhöhe: 900 mm
Tankinhalt: 12 Liter

Stärken/Schwächen
+ Starker Einzylindermotor
+ Sportliches Fahrwerk
+ Sehr leicht
+ Ultrahandlich
+ Bissige Bremsen
- Nix für Beifahrer
- Kleiner Tank

Preise
Es finden sich nur wenige Gebrauchtofferten der Duke II. Mit maximal 30000 Kilometern gibt es die KTM zu Preisen zwischen 3300 und 5200 Euro.

Foto: Hersteller

Rieju Tango 250

Frech steht die Tango da, fordert zum Tänzchen auf. Statt wildem Breakdance ist der 250er allerdings mehr nach langsamem Walzer zu Mute. Das passt erstens besser zum Motor, der für Highspeed-Einlagen wenig übrig hat, wie auch die maximale Geschwindigkeit von 105 km/h gut dokumentiert. Zweitens kommt so auch die arg soft abgestimmte Federung nicht aus dem Tritt. Bei mittlerem Tempo und insbesondere bei Trial-artiger Gangart findet die leicht zu beherrschende Rieju zu ihrer Bestimmung. Allein die Bremsdosierung bedarf einer Eingewöhnungszeit.

Technische Daten
Hubraum: 223 cm³
Leistung: 11,7 kW (16 PS)
Zylinder: 1
Vmax: 105 km/h
Gewicht vollget.: 114 kg
Sitzhöhe: 830 mm
Tankinhalt: 5,5 Liter

Stärken/Schwächen
+ Enorm handlich
+ Ordentlicher Sound
+ Niedriges Gewicht
+ Kerniger Motor
- Teils unsauber verarbeitet
- Winziges Tankvolumen
- Lasche Federelemente

Preis
3499 Euro (neu)

Foto: Bilski

Kawasaki KLE 500

Kawasaki KLE 500

Der Motor sei schlapp, das Gewicht zu hoch und die Bremse zu lasch - ja, es stimmt schon alles. Aber man muss ja nicht nur auf der kleinen Kawa rumhacken, oder? Schließlich hat der Reihentwin konstruktiv bereits viele Jahre auf dem Buckel und tat außerdem in der GPZ 500 S und der ER-5 seinen Dienst. Und das ohne Knurren und Murren, der 500er ist eben ein robuster und zuverlässiger Geselle. Überdies profitieren vor allem Anfänger und Wiedereinsteiger von der unkomplizierten Art der KLE 500. Dank ihres breiten Lenkers und der aufrechten Sitzposition gehen Richtungswechsel mühelos von der Hand, mit der Motorleistung ist man zu keiner Zeit überfordert. Überzeugend fahrstabil scheucht man den Twin über die Landstraße und freut sich ob der kommoden Unterbringung.

Foto: Bilski

Technische Daten
Hubraum: 499 cm³
Leistung: 33 kW (45 PS)
Zylinder: 2, Reihe
Vmax: 160 km/h
Gewicht vollget.: 205 kg
Sitzhöhe: 850 mm
Tankinhalt: 15 Liter

Foto: Bilski

Stärken/Schwächen
+ Stressfreier, robuster Motor
+ Sehr komfortabel
+ Leichtfüßiges Handling
+ Gibt’s recht günstig
- Zu weiche Gabel
- Motor eher müde als spritzig
- Schwache Vorderradbremse

Preise
Kawasaki von 1992 bis 2000 mit etwa 50 000 Kilometern kosten 1200 bis 1500 Euro; KLE 500 ab 2001 mit rund 20 000 Kilometern kosten 1800 bis 3000 Euro.

Foto: Hersteller

Piaggio TPH 125

Mehr als 500000 Exemplare des in Langform Typhoon genannten Rollers wurden bereits verkauft. Das dezente Facelift verantwortet hier und da eine anders konturierte Linie, doch im Grunde ist sich der kleine Italiener treu geblieben: ein einfacher Scooter für den Alltag. Alltag bedeutet in diesem Zusammenhang jedoch mehr das Herumflitzen in der City, Freunde besuchen, abhängen - für den Einkauf und ähnlich langweiliges fahre man bitte etwas anderes. Noch immer fallen die grob profilierten Reifen auf den kleinen 12-Zoll-Rädern auf, ebenso der freie Durchstieg.

Technische Daten
Hubraum: 124 cm³
Leistung: 7,1 kW (9,6 PS)
Zylinder: 1
Vmax: k. A.
Gewicht vollget.: k. A.
Sitzhöhe: 765 mm
Tankinhalt: 7 Liter

Stärken/Schwächen
+ Knuffige Aufmachung
+ Unkomplizierter Roller
+ Nicht sehr teuer
- Wenig Ausstattung
- Könnte kräftiger sein

Preis
2190 Euro (neu)

Foto: Jahn

BMW F 650 GS Dakar

BMW F 650 GS Dakar

Das Bessere ist des Guten Feind: Für die F 650 GS bedeutet es, dass die Dakar-Version in der Summe ihrer Teile die bessere GS ist. Sofern man nicht einfach nur einen verlässlichen Einzylinder für den (Straßen-)Alltag sucht, sondern auch die Welt abseits des harten Graus erkunden möchte oder schlichtweg auf die Zahl 21 abfährt - so viele Zentimeter bietet die Dakar vorn wie hinten an Federweg, so viel Zoll misst ihr Vorderrad im Durchmesser. Wermutstropfen für Globetrotter: Günstig ist die BMW nicht.

Technische Daten
Hubraum: 652 cm³
Leistung: 37 kW (50 PS)
Zylinder: 1
Vmax: 170 km/h
Gewicht vollget.: 192 kg
Sitzhöhe: 870 mm
Tankinhalt: 17,3 Liter

Stärken/Schwächen
+ Kultivierter Einzylinder
+ Niedriger Verbrauch
+ Wirklich geländetauglich
+ Mit ABS erhältlich
+ Sehr handlich
- Tank dürfte größer sein
- Hohe Gebrauchtpreise 

Preise
BMW ab Baujahr 2003 gibt’s quasi nicht unter 4000 Euro; GS bis 2002 mit ungefähr 35000 Kilometern werden zwischen 3200 und 3600 Euro angeboten.

Foto: Hersteller

Hyosung Karion 125

Drahtspeichen, Motorschutz und fette Ballonreifen machen an der Eisdiele zwar was her, bedeuten aber nicht unbedingte Geländetauglichkeit. In Sachen Offroad betreibt die Karion Mimikri - sie tut nur so, als ob. Aufgrund ihrer nicht allzu langen Federwege verbietet sich derbes Gehoppel im Grünen, und der kleine Tank sowie der fehlende Windschutz disqualifizieren sie als Reise-Bike. Die Hyosung taugt mit ihrem spielerischen Handling für enge Kurven und Citygewusel - in die Kiesgrube darf sie aber auch mal.

Technische Daten
Hubraum: 125 cm³
Leistung: 10 kW (14 PS)
Zylinder: 1
Vmax: 105 km/h
Gewicht vollget.: 135 kg
Sitzhöhe: 790 mm
Tankinhalt: 9,1 Liter

Stärken/Schwächen
+ Coole Aufmachung
+ Serienmäßig mit Gepäckbrücke und Motorschutz ausgestattet
+ Ordentliche Bremsen
+ Sparsamer Motor
- Kein Drehzahlmesser, keine Tankuhr
- Mäßig temperamentvoll

Preis
2565 Euro (neu)

Foto: jkuenstle.de

Suzuki DR-Z 400 SM

Suzuki DR-Z 400 SM

Eine Supermoto von echtem Schrot und Korn von einem der renommierten Vier aus Japan? Heute irgendwie unvorstellbar. Doch die DR-Z war so eine Vertreterin. Leicht und handlich und mit enormer Schräg-lagenfreiheit gesegnet lässt’s sich mit der 400er ungemein frech angasen. Das Fahrwerk macht den Spaß gerne mit, doch die Gabel wird von den knackigen Bremsen arg zusammengestaucht - daran muss man sich erst gewöhnen.

Technische Daten
Hubraum: 398 cm³
Leistung: 29 kW (40 PS)
Zylinder: 1
Vmax: 140 km/h
Gewicht vollget.: 146 kg
Sitzhöhe: 890 mm
Tankinhalt: 10 Liter

Stärken/Schwächen
+ Wiegt wenig
+ Ordentliche Motorleistung
+ Standfeste Bremsen
+ Drehfreudiger Single
- Mäßig durchzugsstark
- Harte Sitzbank
- Kleiner Tank

Preise
Spezielle Bikes sind selten anzutreffen, so auch die Suzuki. Mit maximal 25000 Kilometern kostet die wendige Supermoto zwischen 3000 und 4500 Euro.

Foto: fact

Yamaha XT 600 E

Yamaha XT 600 E

Mit modernem Motorradbau hat die XT 600 E im Grunde nur die Anordnung von Rädern, Motor und Lenker gemein. Besser, man betrachtet sie nicht mit dem allzu kritischen Auge von heute. Trotzdem muss hier gesagt werden, was an der ehrwürdigen Yamaha nervt: Der 600er-Einzylinder entfaltet seine Leistung zwar gleichmäßig, wirkt jedoch über den gesamten Drehzahlbereich schlapp und undynamisch. Will man die Enduro schnell zum Stehen bringen, hilft nur ein beherzter Zug am Hebel, die schlecht dosierbare Bremse verzögert durchschnittlich - und dennoch bringt der vordere Stopper die verwindungsfreudige Gabel in die Bredouille. Härtere Fahrwerkskomponenten und ein Gabelstabilisator aus dem Zubehör könnten hier helfen. Was bleibt, ist eine gutmütige sowie verlässliche Alltagsmaschine, die moderat bewegt voll in Ordnung geht.

Foto: fact

Technische Daten
Hubraum: 595 cm³
Leistung: 29 kW (39 PS)
Zylinder: 1
Vmax: 155 km/h
Gewicht vollget.: 178 kg
Sitzhöhe: 880 mm
Tankinhalt: 15 Liter

Foto: fact

Stärken/Schwächen
+ Zuverlässig und solide
+ Leicht zu fahren
+ Offroadtaugliche Auslegung
+ Günstig zu bekommen
- Unpräzise Lenkung
- Magere Leistung
- Fahrwerk nicht topspeed-stabil

Preise
XT 600 E von 1990 bis 1994 mit zirka 50000 Kilometern kosten 1000 bis 1600 Euro; Yamaha ab 1995 mit rund 20000 Kilometern kosten 2000 bis 2400 Euro.

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