Kommentar Waldemar Schwarz, technischer Leiter

Let the good time roll - unter diesem Motto versucht Kawasaki, verschiedene Epochen der guten alten Zeit wieder aufleben zu lassen.

Da wäre zum einen die VN 800 Drifter, die allenfalls in der Linienführung dem Indian-Original folgt. Mit dem agilen Motor und dem vergleichsweise handlichen Fahrwerk sicher ein guter Tip für Cruiser-Fans, die eine besondere Optik lieben. Die Unsterblichkeit des Vorbilds - old Indians never die - wird ihr aber verwehrt bleiben. Die Zephyr 750 dagegen ist eine legitime Nachfolgerin der Z1, von der ich 1972 träumte und Honda CB 350 fuhr. Mit ihrem stabilen Fahrwerk und den hervorragenden Bremsen kann das Remake alles weit besser als die Vorlage. Zudem hat sie den gleichen Stammbaum, warum also dem kostspieligen Original nachtrauern. Am ursprünglichsten finde ich die W 650, die zwar verschiedene Stilelemente englischer Motorräder aufnimmt, mit dem Vierventiler mit königswellengetriebener Nockenwelle aber durchaus eigenes Profil zeigt. Im Fahrbetrieb erfreut der Newtimer mit seiner gleichmäßigen Leistungsentfaltung des Paralleltwins, untermalt vom dezenten, aber begeisternden Sound und dem dank schmaler Reifen völlig problemlosen Fahrverhalten. Volltreffer: Die wenigen Tugenden, die es zu bewahren gilt, hat Kawasaki in der W 650 konzentriert. Selten fuhr ich entspannter Motorrad. Im Geiste habe ich schon einen schmaleren Lenker montiert, ein verdächtiges Anzeichen innerer Besitzergreifung. Unverständlich bleibt allerdings, warum Kawasaki an der W 650 und VN 800 Drifter Bremsanlagen und Fahrwerkskomponenten verbaut, die dem Stand der 70er entsprechen, aber nicht in die Neuzeit passen.

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