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Tomos Classic XL 25/45, Tomos Alpino 45, Tomos Racing 45, Tomos Flexer XL 25/45 Mit vier Mofas auf den Großglockner

Mit über 30 zählt man bei Teenagern schon zum alten Eisen. Macht nichts, wir alten Säcke erinnern uns gerne an die eigene Jugend und alte Eisen namens Mofa. Mit 25 km/h begann für viele von uns das motorisierte Leben, frisiert ging es schneller voran und weiter weg. Und heute? Da machen wir es genauso, hurra!

4 Mofas, 4 Redakteure, 1 Mission

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Es ist hart, Kameraden am Berg zu verlieren. Aber Profis müssen sich nun mal ganz auf ihr Ziel fixieren: ganz nach oben zu kommen. In alpinen Höhen ist Rücksicht auf schwächelnde Mitstreiter leider manchmal unmöglich – Survival of the Fittest! Nein, nein, so eine Chance darf man sich nicht entgehen lassen, was ist schon der Mount Everest gegen diese Besteigung hier?

Mal ehrlich, am Hillary Step auf 8760 Metern über dem Meeresspiegel stehen sie Schlange, wo bleibt denn da für echte Bergfreaks noch die Exklusivität? Pah. Aber den Großglockner mit dem Mofa – das gilt als eines der letzten Abenteuer der Menschheit. Denn hey, Alaska, Patagonien, Gobi, Himalaja, das kann jeder auf vorkonfektionierter Bike-Tour, und demnächst geht es wohl als Pauschalreisender noch zum Mond.

Aber wer ist schon so bescheuert, mit den schwächsten Vertretern der motorisierten Zweirad-Fauna einen Alpen-Cross zu wagen? Wir. Warum nicht, unsere Väter haben den Großglockner schließlich mit überhitztem Käfer geknackt, unsere Urväter sind nur mit Fell bekleidet und auf dem Rücken von Esel oder Elefant über Europas höchstes Gebirge gezogen. Geht schon. Dauert halt alles ein wenig länger.

Video: Hier ist der Video-Beweis. Wir haben's wirklich gemacht. Zumindest versucht: mit den Mofas den Großglockner zu stürmen.
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Foto: Dentges, Lohse
Was nun? Im Schneckentempo über die Schnellstraße? Verboten! Zum Glück gibt es eine Umgehung für Traktoren.
Was nun? Im Schneckentempo über die Schnellstraße? Verboten! Zum Glück gibt es eine Umgehung für Traktoren.

Die Geburtsstunde des motorisierten Lebens

Die Tomos Alpino zieht und zieht und zieht, kämpft sich hinauf, hüstelt, atmet schwer, ist kurz vor der Aufgabe, aber mit großem Kämpferherz geht es Meter für Meter weiter in Richtung Passhöhe, zum Hochtor auf 2504 Metern. Classic, Flexer und Racing sind wohl an der Südrampe zum Großglockner eingeknickt, dem mit 3798 Metern höchsten Berg Österreichs. Die dazugehörige Hochalpenstraße ist zwar „nur“ die achthöchste, zählt dafür aber zu den schönsten Passstraßen der Alpen. Und eigentlich war der Plan, mit vier verschiedenen Mofas die Alpen zu überqueren. Eigentlich.

Start war am Tag zuvor beim Tomos-Spediteur in Wolfsberg, rund 60 Kilometer entfernt von Klagenfurt in Österreichs südlichstem Bundesland Kärnten. Der slowenische Hersteller Tomos (www.tomos-motor.com) hat immerhin vier Kleinkaliber im Angebot, von denen zwei auf 25 km/h begrenzt auch von 15-Jährigen gefahren werden dürfen. Denn das Motto der Tour war: Erinnert euch, wie es damals war. Nun, woran denkt wohl fast jeder, wenn er an die Geburtsstunde seines eigenen motorisierten Lebens denkt? Genau: Mofa!

Foto: Dentges, Lohse
Unsere Redakteure Thorsten Dentges (41), Jörg Lohse (43), Rainer Froberg (49) und Klaus Herder (50).
Unsere Redakteure Thorsten Dentges (41), Jörg Lohse (43), Rainer Froberg (49) und Klaus Herder (50).

Mit 25 Sachen von Hobbyradler abgehängt

In den 1970ern und 1980ern haben die possierlichen Motor-Fahrräder ganze Jugendgenerationen mobilisiert, so auch die Beteiligten an diesem Alpen-Cross: Herder begann seine Karriere als Motorist 1977 auf einem Jawa-Mofa aus dem Quelle-Katalog, Froberg stattete auf einer blau-silbernen Zündapp ZD 20 Ende der 70er seiner lieben, aber 30 Kilometer entfernt lebenden Großmama regelmäßige Besuche ab; das waren seine ersten autarken Reisen. Lohse (Jahrgang 1969) war als Emsländer stolz auf seine anthrazitfarbene Hercules Prima 5 mit weißen Felgen (Jahrgang 1984), die bei (Dauer-)Gegenwind immerhin noch 28 fuhr. Und Dentges hatte als elfjähriger Verkehrsdelinquent während der Bauernhofferien in Bay­ern 1982 erstmals eine längere Liaison mit einer Piaggio Ciao, die er für ausgedehntere Landausflüge außerhalb des Polizeiradars nutzte.

Wer damals zweitakt- statt zweibeinbetrieben beim Baggersee oder Freibad auftauchte, galt was. Haarbürste in der Jeansjacke, Fuchsschwanz am Lenker, die Füße hoch auf dem Rahmen abgestellt – trotz Flaumbart und Akne-Landschaft im Gesicht fühlte man sich wie der Chef. Dass man mit 25 Sachen von jedem Hobbyradler abgehängt wurde, konnte man natürlich nicht so stehen lassen, also ging es ran an Zylinder, Ritzel oder Auspuff. Wohl jeder kannte einen, der einen kannte, dessen Bruder „sein Kumpel“ wiederum von einem Frisier-Magier aus dem Nachbardorf gehört hatte, „dem sein Mofa 120 läuft“. Und es gab auch die Wahnsinnigen, die auf ihren Mofas die abenteuerlichsten Touren, zum Teil sogar ins Ausland unternahmen.

Foto: Dentges, Lohse
Tomos gegen Bares – Dealer Bruno Payer (rechts) fixt als Importeur große Jungs wie den Redakteur Klaus Herder an.
Tomos gegen Bares – Dealer Bruno Payer (rechts) fixt als Importeur große Jungs wie den Redakteur Klaus Herder an.

Werden wir auch nur eine einzige Passhöhe überleben?

Die romantischen Erinnerungen verblassen aber leider bei der Geldübergabe im Hier und Jetzt, und nach ein paar Proberunden auf dem Speditionsparkplatz in Wolfsberg mehren sich die Sorgenfalten auf der Stirn der angehenden Mofanauten. War der Plan vielleicht doch nur eine dumme Schnapsidee, werden wir angesichts nur formeller Bremsen auch nur eine einzige Passhöhe überleben, jemals die Heimat wiedersehen? Na ja, ungedrosselt laufen die Teile immerhin 45 km/h, da sitzt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von Ü-30 durchaus drin. Wenn da nur nicht diese vermaledeiten Berge wären …

Blaue Stunde über dem Wörthersee, anrainende Urlaubsorte werden von den bunten Neonlichtern der Bars und Eiscafés koloriert. Es geht voran. Die Sitzposition auf den Mofas ist erstaunlich gut, auch wenn die Sitzplätze nur spärlich gepolstert sind. Aber grandios: der flache Kniewinkel durch extrem tief angebrachte Fußrasten. Überhaupt, die Ergonomie auf den 50-Kubik-­Bikes überrascht positiv, die hohen und gut gekröpften Lenker liegen bequem in den Händen, die Vibrationen des Zweitakters sind gut verträglich, geradezu unterhaltsam, Geräuschpegel und Winddruck bei Tempo 30 fallen für den Piloten sehr milde aus.

Foto: Dentges, Lohse
Die Alpino gewinnt die Bergwertung am Großglockner. Immerhin lassen sich mit 13 km/h einige sportliche Radfahrer plattmachen.
Die Alpino gewinnt die Bergwertung am Großglockner. Immerhin lassen sich mit 13 km/h einige sportliche Radfahrer plattmachen.

Mit dem Mofa wie Alice im Wunderland

Die Viererkette dümpelt gemächlich vor sich hin, das Asphaltband macht bei diesem Tempo auf kurvenfrei und zieht sich schnurgerade hin bis zum nur noch schwach konturierten Abendhorizont. Duft liegt in der Luft – aber welcher bloß? Süß, fruchtig, jetzt intensiver und nun ganz klar: Erdbeeren. Links und rechts von der Straße Felder zum Selberpflücken, ein Schild: „Erdbeerland“. Wo man mit dem Motorrad nur kurz vorbeihuscht, höchstens eine Geschmacksnote erheischt, erlebt man als Mofa-Pilot diese vielleicht zwei mal zwei Kilometer große Agrarfläche wie Alice im Wunderland. Durch die Luft wirbelnde Moleküle formieren sich im Mund zu einem delikaten Fruchtsorbet, die Erdbeeren erstehen am Gaumen wieder auf. Fantastisch. Wer in Zeitlupentempo reist, nimmt sein Drumherum viel intensiver wahr, es ist die viel beschriebene Entdeckung der Langsamkeit.

Nach 120 Kilometern melden sich die Sinne aber an anderer Stelle: dem Popo. 22 Uhr, Zeit für die Nachtrast. Beim ersten Gasthof erhalten die Mofa-Rocker eine Abfuhr, angeblich sind alle Zimmer belegt – mit Radfahrern. Bei der anderen Pension vor Ort wird die Gang freundlicher empfangen. Vor allem von Theken-Dauergast Josef, der mit glasigem Blick und schwer verrauchtem Lachen die vor der Tür angebundenen Tomos begutachtet. Kenne er, Puch seien das doch, oder?

Altherren-Crew im Bad-Taste-Look

Überhaupt, in der Liga „50plus ohne Führerschein“ (warum auch immer …) finden sich viele Fans, und dort stoßen insbesondere die Classic und die Flexer auf großes Interesse. Eine andere Sympathisantengruppe bildet die Altersklasse 13 bis 18, Teenager. Mädchen mit pinken Tanktops auf feschen 50er-Rollern, Jungens mit coolen Kappen auf BMX-Rädern, die Dorfjugend an der Bushaltestelle – sie alle winken begeistert der Altherren-Crew im Bad-Taste-Look zu, strecken den Daumen nach oben. Da sage noch einer, Mofas seien out …

Foto: Dentges, Lohse
Evelyn (17), österreichischer Provinzfeger, umzingelt von Altherren in unvorteilhafter Garderobe. Doch nach Blick auf die Mofas: cooool!
Evelyn (17), österreichischer Provinzfeger, umzingelt von Altherren in unvorteilhafter Garderobe. Doch nach Blick auf die Mofas: cooool!

Nächster Morgen: Hinter dem auf rund 1200 Meter Höhe gelegenen 1000-Seelen-Ort Heiligenblut steigt die Straße böse an. Über zehn Prozent. Tomos Classic und Flexer entschleunigen auf Schrittgeschwindigkeit, die Zweigangautomatik kann sich nicht entscheiden, auf kurzen Steilrampen dann Komplettstillstand. Schieben ist angesagt. Die Tomos Racing ist kürzer übersetzt und trägt den 94-Kilo-Mann Herder langsam, aber halbwegs solide in Richtung Mautstation zur Großglockner-Hochalpenstraße. Die Alpino verkraftet 85 Kilo Fahrergewicht einigermaßen gut, obwohl Dentges dauernd im Vierganggetriebe rühren muss, um die passende Übersetzung zu finden. Zwei Kilometer vor der Mautstation riecht es bei den Automatik-Tomos unangenehm nach Kupplung. Weil wir kein Material morden wollen, entscheiden wir auf Abbruch. Die Tomos Alpino ist schon außer Sichtweite.

Foto: Dentges, Lohse
Slowenische BMW-Fahrer treffen auf Landsfahrzeuge – Verbrüderung mit der Mofa-Gang.
Slowenische BMW-Fahrer treffen auf Landsfahrzeuge – Verbrüderung mit der Mofa-Gang.

Mofa wird in Familien-Van geladen

Während die Kollegen über alternative Beförderungsmöglichkeiten sinnieren (BMW-Fahrer aus Slowenien bieten ihre Abschleppdienste an, auf dem Anhänger eines Holzlasters wäre Platz für die drei Maschinen), schließt das Begleitfahrzeug auf. Und tatsächlich: Der Familien-Van schluckt zumindest jeweils ein Stück Mofa und wird zum Fuschertörl-Shuttle umfunktioniert. Von dort geht es zunächst nämlich nur noch bergab.

In der Zwischenzeit: Der Alpino-Treiber hat 17 Euro Maut berappt (Betteln erbrachte nur geringen Kleinstfahrzeug-Rabatt), die Franz-Josef-Hütte (2369 Meter) am Großglockner-Gletscher besucht, das spektakuläre Panorama der Hohen Tauern erlebt, sich Kopf-an-Kopf-Rennen mit strampelnden Rennradlern geliefert, wurde von Hunderten Motorradfahrern mal mitleidig, mal erstaunt, meist freudestrahlend gegrüßt, verbrüderte sich bei 6,3 Grad mit bibbernden Mountainbikern und traf 2000 Meter über Normalnull mitten im Nebel auf zwei in Regenponchos vermummte Gestalten mit Traktor und Wohnwagen im Schlepptau, offenbar ebenfalls auf Slow-Motion-Reise. Der Trecker mit Schiffshorn zum Gruße, die Mofas in Zimmerlautstärke: tröööt.

Mit gefühlten 70 Sachen bergab

Am Fuschertörl dann großes Hallo und Wiedersehen mit den verloren geglaubten Kameraden, danach alle zusammen gefühlt mit mindestens 70 Sachen bergab, juhu! Für die Hochalpenstraße mit ihren gut 40 Kilometern gingen insgesamt über drei Stunden drauf, für die weiteren 100 Kilometer bis zum zweiten Etappenziel Walchsee noch mal fünf Stunden mit Pausen. So ein Mofa-Reisetag kann extrem lang werden – ist aber auch extrem erlebnisreich.

Bei Tiroler Schinkenspeck und Weißbier werden Straßengeschichten ausgetauscht: von Kreidler-Clubbern auf dem Weg zum Treffen, die johlend der Tomos-Gang Respekt zollten, von regenscheuen Harley-Custombikern, die sich von den 50-Kubik-Rittern eindosen ließen, von einer den Mofa-Touristen frenetisch zujubelnden Großfamilie, die beim Winken fast ihren Grilltisch umwarf. Und von unzähligen kleinen netten Begegnungen am Straßenrand oder an Tankstellen. Mofa verbindet, Mofa ist zeitlos, Mofa macht an, so das einhellige Fazit dieser Alpentour. Am Morgen des dritten Tags soll es weiter nach München gehen. Auf der Karte ist das Stilfser Joch nur wenige Zentimeter entfernt … Soll man es nicht noch einmal wagen?

Foto: Dentges, Lohse
Die Tomos Classic XL 25/45 glänzt – nicht nur durch leckere Drahtspeichenräder.
Die Tomos Classic XL 25/45 glänzt – nicht nur durch leckere Drahtspeichenräder.

Tomos Classic XL 25/45

Der Hingucker im Tomos-Programm: Junge Mädchen schmelzen dahin, ältere Herren verdrücken vor lauter Freude eine Träne. Der Tacho steckt im Scheinwerfergehäuse, Weißwandreifen und viele Chromteile erfreuen das Auge. Classic und Flexer haben den gleichen, etwas niedriger als bei Alpino und Racing verdichteten Motor, rennen ihnen in der Ebene aber davon. Sobald jedoch etwas Steigung ins Spiel kommt, sind Classic und Flexer gegen­über den kräftigeren Schwestermodellen chancenlos und eher für den Stadt- als Überlandverkehr gemacht. Der klassische Schwingsattel polarisiert: Zwei Fahrer liebten ihn, zwei hassten ihn – ausprobieren. Wer Funktion über alles stellt, ist mit dem (günstigeren!) Flexer noch etwas besser bedient. Aber die Reaktionen der Umwelt zeigten: Das Auge fährt mit.

Motor
Einzylinder-Zweitakter, Zweigangautomatik

Bereifung
2.25-16 vo./hi.

Leergewicht
60 kg

Vmax
25/45 km/h

Tankinhalt
4 Liter

Farbe
Pastellblau

Preis
1499 Euro

Ich fahre Tomos, weil ...

… die Tomos Classic XL 25/45 das an Gefühlen mobilisiert, was einst die Flucht in die Ferne begleitet hat. Obwohl sie in Babyblau, mit Weißwandreifen und verschwurbelter Schrift („The Original Future“) nicht dem Spirit der Teenager-Tage entspricht. Aber wenn der Zweitakter singt, die Tachonadel an der 50 zittert und aus dem Windschatten vollstreckt wird, stimmt wieder alles. Großes Kino!

Jörg Lohse (43), MOTORRADService-Testchef

Foto: Dentges, Lohse
Ankicken und los geht’s: vier Gänge, beinahe schon Motorrad-Feeling bei der Tomos Alpino 45.
Ankicken und los geht’s: vier Gänge, beinahe schon Motorrad-Feeling bei der Tomos Alpino 45.

Tomos Alpino 45

Sie wohnen in Bayern, Österreich oder der Schweiz? Dann dürfte die Alpino erste Wahl sein, nur sie schaffte die Großglockner-Hochalpenstraße komplett auf eigener Achse. Wenn es im Alltag aber normalerweise nicht ganz so alpin zugeht, ist die Viergang-Fußschaltung eher hinderlich, denn permanent mit der Kupplung zu zaubern und im Getriebe zu rühren kann auf Dauer etwas nerven – so empfanden es zumindest die vier MOTORRAD-Mofler. In der Ebene rannten die drei anderen Tomos-Feuerzeuge davon, an leichten Steigungen ist die Tomos Racing dank ihrer Passt-immer-Übersetzung überlegen. So bleibt für die Tomos Alpino ein recht begrenztes Einsatzspektrum – es sei denn, der Nachwuchs soll ans intensive Hand- und Fußtraining gewöhnt werden. Alpino-Fahren hat etwas von seligen Mokick-Zeiten.

Motor
Einzylinder-Zweitakter, Viergang-Schaltgetriebe

Bereifung
2.50-16 vo./2.75-16 hi.

Leergewicht
62 kg

Vmax
45 km/h

Tankinhalt
4 Liter

Farbe
Schwarz-Silber

Preis
1599 Euro

Ich fahre Tomos, weil ...

… die Tomos Alpino einen überall hinträgt. Okay, das Getriebe ist kein Schweizer Uhrwerk, aber es schaltet. Das Erlebnis, im Schritttempo auf die Passhöhe zu kriechen, jeden Höhenmeter einzeln zu fressen, um dann praktisch ohne (zu) Bremsen (weil schwammige Trommeln) ins Tal zu fliegen – herrlich! Kein Witz, muss
man mal gemacht haben!

Thorsten Dentges (41), MOTORRAD-Service-Redakteur

Foto: Dentges, Lohse
Sieht aus und fährt sich wie ein gestrippter Motorroller - die Tomos Racing 45. Sehr überzeugend: die ordentlich zupackenden Scheibenbremsen.
Sieht aus und fährt sich wie ein gestrippter Motorroller - die Tomos Racing 45. Sehr überzeugend: die ordentlich zupackenden Scheibenbremsen.

Tomos Racing 45

Der Herr da wiegt netto 94 Kilo, was so fürchterlich aufträgt ist die extrem dick und kuschelig gefütterte Brandit-Giant-Jacke von Louis (99,90 Euro) – auf dem Glockner lag immerhin Schnee. Macht also mit Rucksack und allem Drum und Dran gute zwei Zentner Kampfgewicht plus Mopedmasse, womit die erfreulich durchzugsstarke Racing selbst bei mittleren Steigungen keinerlei Probleme hatte und den drei anderen davonfuhr. Bergab machte die Scheibenbremse der Modellbezeichnung alle Ehre. Soundmäßig ist die Racing weit vorn und die Ergonomie besser als auf jedem Roller. Die Federelemente erledigen einen – nun ja – etwas „rustikalen“ Job, das Licht ist katastrophal. Vom klassischen Mofa/Moped-Fahrverhalten bietet die Racing eher wenig, sie hat ihren ganz eigenen Stil – muss man mögen.

Motor
Einzylinder-Zweitakter, Zweigangautomatik

Bereifung
120/70-12 vo./hi.

Leergewicht
65 kg

Vmax
45 km/h

Tankinhalt
3,5 Liter

Farbe
Schwarz

Preis
1499 Euro

Ich fahre Tomos, weil ...

… die Racing die Mittelgebirgskönigin ist, was für mich als bekennenden und nicht wirklich untergewichtigen Norddeutschen die ideale Kombination darstellt. Ich sage nur: Bungsberg! Ich brauche einen Immer-und-überall-Durchzieher, die Racing macht genau diesen Job hervorragend. Egal, ob die anderen zwischendurch vorn sind – im Ziel bin ich immer als Erster. That’s racing!

Klaus Herder (50), MOTORRAD-Service-Redakteur

Foto: Dentges, Lohse
Tomos Flexer XL 25/45 - Himmelherrgott, mehr Leistung bitte!
Tomos Flexer XL 25/45 - Himmelherrgott, mehr Leistung bitte!

Tomos Flexer XL 25/45

Das günstigste Tomos-Moped landete unterm Strich bei allen vier Fahrern in der persönlichen Moped-Hitparade auf den Spitzenplätzen, denn es passt am besten zum Thema „puris­tische Fortbewegung“. Die Tomos Flexer XL 25/45 ist ein grundehrliches Gerät, keinerlei Schnickschnack, kein Blendwerk – einfach nur ein solider Motor, der den schwersten Fahrer in der Ebene ganz nach vorn brachte, ein bequemer Arbeitsplatz, ein spurstabiles Fahrverhalten und nichts, was kaputtgehen kann. Beim Tanken (gottlob Getrenntschmierung, nur die Alpino benötigt Gemisch) nervt etwas das manuelle Tankentlüften, die Tachoanzeige schwankt bei konstanter Fahrt zwischen 20 und 50 km/h, und die Qualität der Lackierung fällt vereinzelt recht lässig aus. Dennoch: top Preis-Leistung.

Motor
Einzylinder Zweitakter, Zweigang-Automatik

Bereifung
2.25-16 vo./hi.

Leergewicht
55 kg

Vmax
25/45 km/h

Tankinhalt
3,5 Liter

Farben
Weiß, Schwarz, Silber

Preis
1299 Euro

Ich fahre Tomos, weil ...

… die Tomos Flexer wieder ein echter Feuerstuhl ist. Menschen springen in ihren Schrebergärten auf, feuern uns an. Bei jedem Stopp stehst du im Mittelpunkt, wirst bestaunt: „Ein Mofa – gibt es so etwas überhaupt noch?“ Selbst bei den ganz harten Bikern leuchten plötzlich wieder die Augen. Es ist die Begeisterung der Leute, die mich begeistert. Das lahme Tempo hast du schon nach drei Minuten vergessen.

Rainer Froberg (49), MOTORRAD-Fuhrparkleiter

Foto: Mairdumont/Werel

Infos zur Tour

Reisen mit Mofas. Das klingt nach purer Entschleunigung. Doch im Verkehrsalltag lauern Tücken, die den Puls rapide auf 180 bringen. Tipps für die entspannte Tour mit Tempo 45.

Recht & Verkehr
Mofas (wortwörtlich das MO-torisierte FA-hrrad) sind in Deutschland auf maximal 25 km/h limitiert. Damit stellt man bereits auf kleinen Landstraßen ein echtes Hindernis da – hier lässt sich nur mit dickem Fell überleben. Deutlich angenehmer verläuft die Fahrt über für Mofas freigegebene Radwege. Im europäischen Ausland (u. a. Österreich und Schweiz) gilt für Mofas ein Tempolimit von 45 km/h, womit man spürbar besser im Verkehrsstrom mitschwimmen kann. Allerdings sind auch hier manche (Schnell-)Straßen tabu und verlangen nach einer gut durchdachten Streckenführung. Zur Planung sind Radfahrkarten meist hilfreicher als die herkömmliche Straßenkarte. Tipp: das Mofa ohne Drosselung als Moped/Mokick zulassen.

Auf der Tour
In Österreich ist man gut auf parallel zur Autobahn führenden Landstraßen unterwegs. Auch große Steigungen lassen sich elegant vermeiden. Allerdings steigt so die Streckenlänge. Inklusive Tanken und kurzer Rastpausen („Zigarettenlänge“) müssen für 100 Kilometer rund vier Stunden kalkuliert werden. Extreme Anstiege wie die Großglockner-Hochalpenstraße können selbst für ungedrosselte Mofas zur materialmordenden Qual werden, vor allem wenn sie ein Automatikgetriebe haben. Und selbst harmlose Bergübergänge wie der Pass Thurn von Mittersill nach Kitzbühel (1274 Meter, Ø-Steigung 4,6 Prozent) verlangen nach einer zähen Hand am Gasgriff. Bergab kommen wiederum die haftschwachen Reifen und Trommelbremsen schnell ans Limit (Stichwort Fading). Erfreulich dagegen die Tankbilanz, die auf der hier beschriebenen Tour im Durchschnitt 1,9 l/100 km pro Mofa betrug.

Übernachten
Ein echter Glückstreffer war die (spontane) Einkehr im „Wildauerhof“ in Walchsee (www.wildauerhof.at) mit schönen Zimmern, leckerem Frühstück und guter regionaler Küche (EZ/Frühstück ab 55 Euro), wo uns ein begeisterter Juniorchef Christian Wildauer gleich seine alte Puch-Sammlung zeigte.

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