Modelle des Jahres: Suzuki Hayabusa

Unschuldig - im Sinne der Anklage

Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, Hubraum 1299 cm3, Leistung 129 kW (175 PS) bei 9800/min, Gewicht 251 kg, Sitzhöhe 820 mm, Höchstgeschwindigkeit 300 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h 2,7 sek, Verbrauch Landstraße 6,2 l

Vergleichstest in MOTORRAD 8/1999

Plus
Ausreichende Leistung
Souveränes Fahrwerk
Eigenwillige Optik

Minus
Frisst Reifen
Eigenwillige Optik

Mein Motorrad des Jahres? Keine Frage, die Hayabusa. Weil sie der Menschheit den Spiegel vorgehalten hat, sie läuterte. Nicht für immer, aber immerhin. Dieses Kunststück gelang ihr, weil sie so nahtlos in die schablonenhaft vorgeformte Motorradwelt passte: 175 PS aus 1300 Kubikzentimetern, ein gewöhnungsbedürftiges Erscheinungsbild, das offensichtlich konsequenter als jemals zuvor der Aerodynamik unterworfen war, eine versprochene Endgeschwindigkeit von 300 km/h – und fertig war das (Vor-)Urteil. Ein Brenner für hirnlose Autobahn-Heizer, sonst zu nichts gut. Schuldig auf der ganzen Linie, hat die Welt schon vor dem Prozess gewusst.Die Revision kam so schnell wie schmerzhaft. Letzteres, weil die Pille der Selbsterkenntnis bitter ist. Ersteres, weil die Hayabusa bei keinem der voreiligen Richter länger als ein kurzes Landstraßen-Kreuzverhör brauchte, um von ihrer Unschuld zu überzeugen. Sie führte ihr superstabiles Fahrwerk, ihr leichtes Handling und – ausgerechnet – den Hauptanklagepunkt, den Motor, ins Feld. Gerade der konnte glaubhaft versichern, dass das Streben nach Höherem nichts Verwerfliches hat. Lässig, cool, souverän. Auf jede noch so verzwickte Situation die richtige Antwort parat, niemals aufbrausend, es sei denn, er wurde durch den voll geöffneten Gasgriff gereizt. Und plötzlich erinnerten sich alle wieder an die alte Maxime, niemanden nach seinem Äußeren oder seinem Leumund zu beurteilen. Freispruch auf der ganzen Linie. Aus hochnäsigen Richtern sind Freunde geworden. Stefan Kaschel
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