Motorenvergleich: Yamaha - Kawasaki Zweimal 148 PS - die Motoren der YZF-R1 und der Kawasaki ZX-9R im Vergleich

148 PS bei 10100 Umdrehungen drückt die YZF-R1, ebenfalls 148 PS bei 1000 Umdrehungen mehr die ZX-9R auf Prüfstandsrolle. Und 111 Newtonmeter bei 9200 respektive 103 Newtonmweter bei 8500/min als Gipfelpunkte zweier üppiger Drehmomentkurven sind nicht weniger beachtlich. Die Yamaha kratzt sogar schon bei 4500/min an der 100-Newtonmeter-Marke.Vergleichbare Potenz trotz unterschiedlicher Bauweise von Yamaha und Kawasaki? 1000 zu 900 Kubikzentimeter Hubraum, Fünf- gegenüber Vierventiltechnik (beide mit Tassenstößeln), Kurz- zu Ultrakurzhuber. Unterschiede auch bei den Eckdaten: 65,3 Kilogramm leicht und ultrakompakt der R1-Triebling, trotz Hubraumdefizit mit 73,4 Kilogramm deutlich schwerer, aber ebenfalls gedrungen das ZX-9R-Triebwerk.Die Konstruktionen zeigen durchaus Parallelen: Die Nockenwellentriebe sitzen am rechten Kurbelwellenende. Das spart gegenüber einer mittigen Anordnung Kurbel- und Nockenwellenlager ein. Beide Lichtmaschinenrotoren sitzen am rechten Kurbelwellenstumpf. So entfällt der Antrieb für eine separate Lichtmaschine. Beide Maßnahmen verringern die Reibungsverluste, das Gewicht und den Fertigungsaufwand für das Motorgehäuse.Die Yamaha-Ingenieure dachten noch weiter. Die Anordnung der beiden Getriebewellen übereinander spart nochmals Baulänge. Trotzdem reicht eine Motorgehäuseteilung: Kurbel- und Getriebeeingangswelle ruhen zwischen Gehäuseober- und Unterteil, während die darüberliegende Getriebeausgangswelle und die Schaltwalze von der Kupplungsseite her eingeschoben werden. Weiterhin bilden Zylinderbank und obere Gehäusehälfte eine Einheit. Dies spart eine Dicht- und Bearbeitungsfläche und somit Fertigungsaufwand. Der Kopf kann mit kurzen, leichten Schrauben befestigt werden, der Motor wird leicht, kompakt und steif. Das Kawa-Triebwerk mit konventioneller Getriebeanordnung und separater Zylinderbank sowie eingeschrumpften Guß- Laufbuchsen baut aufwendiger und schwerer.Die R1-Kolben oszillieren direkt in den verschleißfest beschichteten Alu-Zylindern. Diese Bauart gewährleistet einen stabilen Schmierfilm sowie einen ausgezeichneten Wämeübergang. Die Kawa-Kolben dagegen laufen konventionell in Graugußbuchsen. Sie messen in der Bohrung einen Millimeter mehr. Der Hub ist kürzer, das Drehzahlniveau höher.Bei der für den Drehmomentverlauf so wichtigen Zylinderfüllung liegen die Vorteile bei der Fünfventiltechnik der Yamaha. Mit ihren drei kleinen Einlaßventilen erreicht sie schon bei moderatem Nockenhub den freien Ventilquerschnitt der ZX-9R, die allerdings mit höheren Drehzahlen das Füllungsmanko ihres kleineren Hubraums wettmacht.Insgesamt also ein klarer Vorsprung für den Yamaha-Motor, der seine Leistung schonend aus dem vollen Liter Hubraum schöpft, dabei aber leicht und kompakt baut. Der Kawasaki-Vierzylinder ist deutlich konventioneller konstruiert und kann deshalb das geringe Gewicht des Yamaha-Motors nicht erreichen. Leistungsmäßig reizt er sein Potential aber konsequenter aus. JÖS

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote