MOTORRAD - Kommentar Punktewertung

Motor
Natürlich profitiert die Aprilia bei den Fahrleistungen von ihrem Hub-raumplus. Umso beachtlicher daher, dass ihr die deutlich schwächere Kawasaki im Durchzug Paroli bietet. Leistung ist eben nicht alles – so benötigt der zähe Hyosung-Antrieb trotz einem PS Mehrleistung gegenüber der ER-6n ungleich länger für die Durchzugsprüfung. Dazu erzeugt der Korea-V2 die deutlichsten Vibrationen und stolpert am vernehmlichsten in der Warmlaufphase. Dass die Ducati-Kupplung irritierend spät auf den allerletzten Millimetern und mit diffusem Druckpunkt einrückt, macht sie durch geringe Handkräfte und ihre Anti-Hopping-Funktion wieder wett. Bemerkenswert die Laufruhe der Triebwerke der ER-6n und besonders der Aprilia.

Fahrwerk
Wie sich Aprilia und Ducati von einer Kurve in die nächste werfen lassen, ist schon klasse. Wobei die Monster sich fast schon widerstandslos in tiefste Schräglagen begibt. Auf jeden Fall besitzt sie nun endlich straff genug abgestimmte Federelemente. Gerade hier patzt die Hyosung, deren Fahrwerksabstimmung ihr zusammen mit der ungünstigen Gewichtsverteilung ein unhandliches und wenig präzises Fahrverhalten beschert. Dazu bietet sie nur wenig Rückmeldung und wirkt auch bei Topspeed am unruhigsten. Da retten auch die Einstellschräubchen an der Gabel nicht viel. Einen guten Mittelweg bei der Abstimmung der Federelemente hat Kawasaki der ER-6n mit auf den Weg gegeben, wobei hier die Betonung auf Komfort liegt.

Alltag
Wären da nicht diese beiden harten Kanten in der Sitzbank, es gäbe an der Sitzposition der Shiver nichts zu kritteln. Der breite Lenker liegt optimal zur Hand, was man weder von der Streetfighter-artigen Lenkstange der Ducati noch vom stark gekröpften Hyosung- oder dem schmalen ER-6n-Lenker sagen kann. Immerhin besitzt die Kawasaki einen angenehm kleinen Wendekreis, und die Rückspiegel von Hyosung und Aprilia bieten ordentliche Sichtfelder. Den höchsten Ausstattungsstandard hat die Aprilia, deren Verarbeitungsqualität nur von der proper aufgebauten Ducati übertroffen wird. Zwischen ihnen und der Hyosung liegt eine kleine Welt. Dafür bietet diese als einzige Gepäckhaken und dank des größten Tanks und moderaten Verbrauchs auch die größte Reichweite.

Sicherheit
Wenig Begeisterung lösen die stumpfen und nach hoher Handkraft verlangenden Hyosung-Stopper aus. Geradezu bissig agieren dagegen die Aprilia-Bremsen, die nur wenig Handkraft benötigen. Allerdings stellt sich die Shiver beim Bremsen in Schräglage auch am deutlichsten auf. Trotz des etwas knautschigen Druckpunktes verschafft der Kawasaki ihr serienmäßiges ABS einen satten Punkte-Vorteil und den Sieg in diesem Kapitel. Für die Shiver soll ab Herbst ABS optional erhältlich sein.

Kosten
Ihrem niedrigen einstandspreis lässt die Hyosung kurze Wartungsintervalle und vergleichsweise hohe Inspektionskosten folgen. Ähnlich stark strapaziert die durstige, starke und fett bereifte Aprilia das Budget.

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