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Alpen-Masters 2014 Teil 2 Irgendwas glüht immer

Irgendetwas glüht beim Alpen-Masters am Ende immer – überforderte Bremsen, schleifende Fußrasten oder die ganze wunderbare Alpenwelt beim Sonnenuntergang. Denn Menschen und Maschinen fahren, so weit die Räder tragen.

Bleiche Berge. So nannten die Einheimischen die Dolomiten wegen ihres hellen Kalksteins, ehe diese im 19. Jahrhundert zu ihrem heu­tigen Namen kamen. Der geht zurück auf den französischen Geologen Déodat de Dolomieu, der als Erster das Dolomitgestein beschrieb. Dass dieses Gestein eher gelblich und nicht bleich erscheint, ist eine andere Geschichte und hier nicht von Belang.

Von großem Belang ist dafür die einzigartige Lage und die kühne Formation der Dolomiten, die auf wenigen Kilometern all das konzentrieren, was Motorradfahren ausmacht. Die oft tollkühn angelegten Passagen über die Gipfel vereinen schroffe Anstiege und steile Abfahrten, weite Kurven und enge Serpentinen, gut ausgebaute Ortsumfahrungen und schmale Holpergässchen, gripstarken Asphalt und Schlaglochpisten, alles in einem atemberaubenden Wechsel.

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Handlichkeit, Durchzug und Federungsreserven

Ein perfekter Schauplatz also für das ­Alpen-Masters, das dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert und von Zeitschriften in aller Welt eifrig gedruckt wird. Bei dem Mega-Test treten 20 Motorräder in ­Vierergruppen gegeneinander an. Start-berechtigt sind komplett neue oder jüngst überarbeitete Motorräder sowie ältere Maschinen, die noch nicht dabei waren. Die Sieger der fünf Gruppen qualifizieren sich fürs Finale, wo dann der Alpenkönig gekürt wird: jenes Motorrad, das die vielfältigen Anforderungen am besten meistert.

Dazu gehört einiges, denn der Testtrupp ist erst zufrieden, wenn Maschinen und Menschen an ihre Grenzen stoßen. Testchef Gert Thöle etwa treibt Bremsanlagen gern bis zum Glühen, Tester Karsten Schwers lässt das Hinterrad beim Stoppie steil nach oben steigen. Und Beladungs­experte Rainer Froberg steigt meist erst dann ab, wenn beim Schräglagentest die Blechteile Funken sprühen.

Das bei MOTORRAD übliche Testver­fahren wird für das Alpen-Masters speziell auf die Berge abgestimmt. In den Mittelpunkt rücken Kriterien wie Handlichkeit, Durchzug und Federungsreserven, während Höchstgeschwindigkeit oder Garantie nicht bewertet werden, weil sie im Alpenkarussell ohne Bedeutung sind. Ergänzend kommen spezielle Tests hinzu.

Auf den folgenden Seiten startet der zweite Teil der diesjährigen Gruppenphase mit den Kategorien Adventure, Fun und Touring. Im ersten Teil (MRD 15/2014) traten bereits die beiden Gruppen Beginner und Power an. Dabei setzten sich nicht unbedingt die stärksten Modelle durch, sondern mit der Honda NC 750 X und der BMW S 1000 R jeweils unkomplizierte Charaktere. Denn auf dicke Muckis kommt es in den Dolomiten weniger an, vielmehr zählen Pfiffigkeit und stimmige Konzepte. Das ist in den bleichen Bergen nicht anders als im wirklichen Leben.

Alle Tests vom Alpen Masters 2014

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Foto:
Die Teststrecke.
Die Teststrecke.

Die Teststrecke

Auf nur 100 Kilometern führt die Testrunde über gleich vier Gipfel; ein eindrücklicher Beleg dafür, in welch stürmischem Rhythmus sich Berg- und Talbahnen in den Dolomiten abwechseln. Es geht los im bekannten Wintersportort Canazei in der italienischen Region Trentino am Fuße von Sella, Pordoi und Langkofel. Genauer Startpunkt ist das diesjährige Basislager des Alpen-Masters, das motorradfreundliche Viersterne-Hotel „La Cacciatora“ im Ortsteil Alba (1). Zum Warmfahren dienen die entspannten, weiten Kurven hinauf zum Fedaia-Pass (2). Hinter der Passhöhe warten die ersten Herausforderungen, denn steile Gefällstrecken und schnelle, aber leider oft rutschige Kehren führen Richtung Tal. Kurz darauf folgt der erste Messpunkt (3) mit 15 Prozent Steigung (Durchzug) respek­tive Gefälle (Bremsen). Hinter dem Örtchen Sottoguda mit seinen riesigen Figuren aus Schmiedeeisen klettert eine schmale, kaum mehr als einspurige Passage gen Falzarego-Pass (4). Dessen Passhöhe bleibt rechts liegen, wir biegen unmittelbar vorher links ab zum Passo di Valparola. Vor einem regelrecht dramatischen Gipfelpanorama finden hier die Durchzugsmessungen in 2000 Metern Höhe statt (5). Die alles andere als lang-weilige Abfahrt führt zur einzigen langen Geraden auf der Teststrecke und weiter nach Corvara (6). Über den unspektakulären Passo di Campolongo (7) erreichen wir den Pordoi (8), dessen 60 kühn in den Fels gehauene Kehren uns regelrecht zurück nach Canazei katapultieren und zum Schönsten gehören, was die Alpen bieten können.

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