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Preis-Leistungs-Sieger der 1000-Punkte-Wertung Einser-Kandidaten

Mit größtem Lob haben die Yamaha MT-07, Honda CB 500 F und Triumph Street Triple die Preis-Leistungs-Prüfung in der 1000-Punkte-Wertung von MOTORRAD absolviert. Außer den glorreichen Drei gibt es noch 45 weitere Maschinen mit einer Eins vor dem Komma. Wir stellen einige herausragende Vertreter vor.

Die Yamaha MT-07, die Honda CB 500 F und die Triumph Street Triple sind die Motorräder mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Neben ihrer Eigenschaft als Spitzenreiter repräsentieren sie aber auch die Mehrheit der 48 Einser-Kandidaten in dieser Disziplin. Sie stammen aus der Mittelklasse der Straßenmotorräder, besitzen zwischen 500 und 750 cm³ Hubraum und kosten zwischen 5600 und 9000 Euro – 28 der 48 Motorräder bleiben in diesem Bereich.

Als Gründe für die Überlegenheit der Mittelklasse beim Kriterium Preis-Leistungs-Verhältnis lässt sich zunächst die simple Tatsache anführen, dass es nach oben immer enger wird. Ein schon sehr gutes Motorrad noch besser zu machen, erfordert einen überproportional hohen Aufwand in der Entwicklung, den Tests und bei der Qualität der Komponenten. Das wird dann auch überproportional teuer. Und obwohl die MOTORRAD-1000-Punkte-Wertung vom Alltagsbetrieb geprägt ist, schaffen selbst wunderbar alltagstaugliche, aber kostspielige Motorräder wie die BMW R 1200 R (705 Punkte) oder die Suzuki V-Strom 1000 (671 Punkte) gerade einmal die Note 1,93. Ganz zu schweigen von hochkarätigen Spezialisten wie einer Ducati 1199 Panigale, die außer bei Rennen kaum Chancen hat, ihre herausragenden Fähigkeiten in Punktegewinne umzumünzen.

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Produktplaner bieten die Bikes bewusst zu einem Kampfpreis an

Selbst der scheinbaren Ausnahme von dieser Regel, der BMW S 1000 R mit stolzen 730 Punkten, gelingt ihre Note 1,69 vor allem deshalb, weil die Produktplaner sie bewusst zu einem Kampfpreis anbieten. Das mag bei 12.800 Euro Grundpreis plus 1700 Euro für Sport- und Dynamikpaket ziemlich abgehoben klingen, gewinnt aber im Vergleich mit der BMW S 1000 RR an Plausibilität. Denn die kostet schon in Grundausstattung 16.100 Euro, erringt aber selbst mit zusätzlichen Features weniger Punkte als die R.

Die BMW S 1000 RR verweist aber auf einen zweiten wichtigen Grund für die Überlegenheit der Mittelklasse: die Psychologie der Preisgestaltung. Eine 1000er oder gar 1200er lässt sich nun einmal teurer verkaufen als eine 600er, deshalb langen die Hersteller hier meist richtig zu. In der preissensiblen Mittelklasse von 500 bis etwa 800 Kubikzentimeter halten sie sich dagegen zurück und verzichten zugunsten potenziell höherer Verkaufszahlen auf das eine oder andere Zehntelprozent an Rendite.

Weil in diesem Segment besonders viele Kunden zu gewinnen sind, von denen einige später vielleicht auf höherpreisige Motorräder umsteigen, lassen sich die Kosten auf mehr verkaufte Einheiten und teilweise auf das Marketingbudget umlegen. Das stärkt die „Eigenschaftskomponente“ der Preis-Leistungs-Note. Zugespitzt formuliert: Die Motorräder sind besser als teuer.

Wie die Eigenschaftswertung, der Preis und die Kosten der Sonderausstattungen zu einer Note verrechnet werden, wird zumindest teilweise in einem Kasten auf der folgenden Doppelseite erklärt. Mit einer einfachen Division Preis durch Punktzahl ist es längst nicht mehr getan. Da die Preise verschiedener Motorräder leicht um das Fünffache variieren können, die Punktzahl aber nicht, galt es, Korrekturfaktoren einzubauen. Zum Glück steckt die Formel heute gebrauchsfertig in einer Tabellenkalkulation.

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Foto: fact/Joachim Schahl
1. Yamaha MT-07: Preis-Leistungsnote 1,0. Sie gewann nicht nur auf Anhieb die Herzen der Fahrer, sondern auch den ersten Vergleichstest.
1. Yamaha MT-07: Preis-Leistungsnote 1,0. Sie gewann nicht nur auf Anhieb die Herzen der Fahrer, sondern auch den ersten Vergleichstest.

Die besten Drei

Was hebt die besten drei aus der Gruppe von 45 anderen Motorrädern mit sehr guter Preis-Leistungs-Note heraus? Zunächst der überaus günstige Preis, mit dem vor allem die Yamaha und die Honda glänzen. Daneben fällt auf, wie beharrlich die Champions in insgesamt 43 Einzelkriterien Punkte sammeln, darunter solche wie Handlichkeit, Kurvenstabilität und Federungskomfort, die in einem einzelnen Motorrad wirklich nicht leicht zu harmonisieren sind.

Wegen ihrer hochwertigen Federelemente hat die Street Triple hier die Nase vorn, punktet aber noch fleißiger durch ihren sensationellen Dreizylindermotor. Andererseits treibt der den Preis in Höhe, ebenso wie die hohe Qualität von Gabel und Federbein. So demonstriert die Triumph im Vergleich zur zweitplatzierten Honda die Arithmetik der Preis-Leistungs-Formel: 59 Punkte mehr sind mit rund 3050 Euro Mehrpreis einen kleinen Tick zu teuer bezahlt. Das kostet 0,06 Notenwerte, aufgerundet ein Zehntel.

Von der Siegerin, der Yamaha MT-07, wurde die lange bewährte Formel erstmals gesprengt. In Relation zu den anderen beiden Bikes auf dem Siegertreppchen büßt sie auf die punktstarke Triumph nur 23 Zähler ein und kostet nur 405 Euro mehr als die Honda, die günstigste des Trios. Das ergibt streng nach Formel die sagenhafte Note 0,63. Wie bei Zeugnissen am Ende eines Schuljahres schneidet die MOTORRAD-Wertung aber bei 1,0 ab, am anderen Ende des Spektrums wird sie ab 4,0 gedeckelt. Wenn allerdings noch ein oder zwei Motorräder von der Art der MT-07 auftauchen, werden die MOTORRAD-Mathematiker ihre Formel überarbeiten.

MOTORRAD-Punktewertung

 Maximale Punktzahl    Honda CB 500 F     Triumph Street Triple    Yamaha MT-07
Motor 250120181167
Fahrwerk250165174162
Alltag250143144140
Sicherheit150104106106
Kosten100796572
Gesamtwertung1000611670647
Preis in Euro559086405995
Preis-Leistungs-Note    1,01,01,10,6
Foto: fact/Joachim Schahl
26. Honda VFR 800 F: Preis-Leistungsnote 1,6. Ein Blick auf die Motorenwertung zeigt, was mit 1000 cm³ gehen würde. Sonst ist alles gut.
26. Honda VFR 800 F: Preis-Leistungsnote 1,6. Ein Blick auf die Motorenwertung zeigt, was mit 1000 cm³ gehen würde. Sonst ist alles gut.

Gleiche Note, unterschiedliche Preise/Punkte

Was ist besser? Viele Punkte oder ein günstiger Preis? Im Fall der Honda VFR 800 F und der Kawasaki Ninja 300 ist die Antwort eindeutig: „Ja“. Denn obwohl die beiden mit 688 zu 569 Punkten um 119 Zähler zugunsten der Honda auseinanderliegen und mit 11.990 zu 5595 um 6395 Euro zugunsten der kleinen Kawasaki, unterscheiden sich ihre Preis-Leistungs-Noten nur in der zweiten Stelle hinter dem Komma.

Die Kawasaki punktet in der Fahrwerkswertung überraschend stark. Sie erhält hier zwar 23 Punkte weniger als die Honda, diese bietet aber auch ein außergewöhnlich gutes Fahrwerk, das nur von Sportlern mit feinsten Komponenten getoppt wird. Abgesehen vom überdämpften Federbein verfügt die Ninja 300 also auch nach absoluten Maßstäben über Fahrwerksqualitäten, die einem teureren Motorrad gut anstehen würden. Und die Honda würde mit einem durchzugsstärkeren Motor wohl die 700-Punkte-Marke überspringen und sich in die vordere Hälfte der Einser-Kandidaten katapultieren.
Die BMW S 1000 R ist mit 730 Zählern der fleißigste Punktesammler unter den Einser-Kandidaten. Sie schafft dies aber nur mittels zweier Ausstattungspakete, die ihren Preis auf insgesamt 14.500 Euro treiben. Darunter das semiaktive Fahrwerk, das viel zur sensationellen Fahrwerkswertung beiträgt.

MOTORRAD-Punktewertung


Maximale Punktzahl    
BMW S 1000 R   
Honda VFR 800 F    
Kawasaki Ninja 300
Motor
250
212
157
104
Fahrwerk
250
208
183
158
Alltag
250
140
171
126
Sicherheit
150
116
113
101
Kosten
100
54
64
73
Gesamtwertung
1000
730
688
562
Preis in Euro

14.500*
11.990
5590
Preis-Leistungs-Note   
1,0
1,7
1,6
1,6

*inkl. Zusatzausstattung

Foto: fact/Joachim Schahl
4. Suzuki DL 650 V-Strom: Preis-Leistungsnote 1,1. Schon seit vielen Jahren gefällt sie als feine Kombination von guten Eigenschaften und günstigem Preis.
4. Suzuki DL 650 V-Strom: Preis-Leistungsnote 1,1. Schon seit vielen Jahren gefällt sie als feine Kombination von guten Eigenschaften und günstigem Preis.

Die Top-Enduros

Außer der Suzuki V-Strom 650 haben es Enduros offensichtlich nicht leicht, in der Preis-Leistungs-Note mit den Straßenmaschinen mitzuhalten. Die enduresken Motorräder, die nach der Suzuki am weitesten vorn stehen, sind eigentlich verkappte Straßenmaschinen. Etwa eine Honda NC 700 X und ihre Nachfolgerin Honda NC 750 X, die geringfügig teurer, aber nicht gleichermaßen besser ist. Oder die Zweizylinder-Supermoto Ducati Hypermotard. Sie glänzt mit ihrem von einem Straßensportler abgeleiteten Motor und schneidet im Fahrwerkskapitel ordentlich ab.

Die Honda NC 700 X kostet 400 Euro mehr als die CBR 500 S, ihre Nachfolgerin NC 750 X sogar 900 Euro. Große Reiseenduros vom Kaliber einer KTM 1190 Adventure oder Triumph Tiger Explorer bleiben in der Hubraum-Preis-Falle (siehe Einleitung) hängen und können ihre preistreibenden Ausstattungen nicht ganz durch ihre ausgezeichneten Eigenschaftswertungen kompensieren. Aus diesem Grund ist BMW hier mit der BMW F 700 GS vertreten und nicht mit der R 1200 GS.

MOTORRAD-Punktewertung


Maximale Punktzahl
BMW F 700 GS
Ducati Hypermotard
Honda NC 700 X
Suzuki V-Strom 650
Motor
250
116
178
104
138
Fahrwerk
250
165
165
163
170
Alltag
250
169
142
555
171
Sicherheit
150
108
114
106
111
Kosten
100
77
61
79
69
Gesamtwertung
1000
635
662
607
659
Preis in Euro

8850
11.390
6490
8390
Preis-Leistungs-Note
1,0
1,6
1,8
1,2
1,1
Foto: fact/Joachim Schahl
8. Yamaha MT-09: Preis-Leistungsnote 1,2. Die hochmoderne Yamaha bringt gute Qualität und günstige Fertigung in Einklang.
8. Yamaha MT-09: Preis-Leistungsnote 1,2. Die hochmoderne Yamaha bringt gute Qualität und günstige Fertigung in Einklang.

Viel Hubraum, gute Note

Wie bereits in der Einleitung festgestellt: Die meisten der Preis-Leistungs-Profis entstammen mittleren Hubraumklassen. Umso bemerkenswerter sind die Honda CBF 1000 F und Yamaha MT-09, bei denen die Hersteller offensichtlich der Versuchung widerstanden haben, sich das größere, prestigeträchtige Hubvolumen allzu teuer bezahlen zu lassen.

MOTORRAD-Punktewertung


Maximale Punktzahl    
Honda CBF 1000 F     
Yamaha MT-09
Motor
250
180
181
Fahrwerk
250
166
166
Alltag
250
167
131
Sicherheit
150
102
108
Kosten
100
57
62
Gesamtwertung
1000
672
648
Preis in Euro

8850
8295
Preis-Leistungs-Note   
1,0
1,6
1,2
Foto: fact/Joachim Schahl
25. Triumph Daytona 675: Preis-Leistungsnote 1,6. Motor und Fahrwerk 
phänomenal, Alltag na ja. Die Daytona ist stark auf die Rennstrecke fokussiert.
25. Triumph Daytona 675: Preis-Leistungsnote 1,6. Motor und Fahrwerk phänomenal, Alltag na ja. Die Daytona ist stark auf die Rennstrecke fokussiert.

Die besten Supersportler

Sie sind der Inbegriff dessen, was gut und teuer ist. Und sie sind meist nicht besonders alltagstauglich. Nur diese beiden Supersportler schaffen es ins Mittelfeld der Einser-Kandidaten. Die Triumph Daytona 675, weil sie so gut ist und noch unter 13.000 Euro bleibt, die altbewährte Suzuki GSX-R 600, weil sie eine solide Leistung für unter 12.000 Euro bietet.

MOTORRAD-Punktewertung


Maximale Punktzahl   
Suzuki GSX-R 600   
Triumph Daytona 675
Motor
250
192
198
Fahrwerk
250
198
200
Alltag
250
134
125
Sicherheit
150
93
111
Kosten
100
53
57
Gesamtwertung
1000
670
691
Preis in Euro

11.990
12.800
Preis-Leistungs-Note   
1,0
1,8
1,6
Foto: MOTORRAD

Berechnung der Preis-Leistungsnote

Wie kommt es zur Preis-Leistungs-Note? Bis Ende 2006 hat MOTORRAD eine Punktzahl für das Preis-Leistungs-Verhältnis vergeben. Für den Quotienten aus der Eigenschaftswertung (erreichte Gesamtpunktzahl) und dem Fahrzeugpreis wurden bis zu 40 Punkte vergeben. Sie flossen in die 1000-Punkte-Wertung ein. Doch dieser Ansatz bevorzugte preisgüns­tige Motorräder über Gebühr, weil die Fahrzeugpreise zwischen 5000 Euro und über 25.000 Euro liegen können, die Gesamtpunktzahl aber meist zwischen 400 und 770 Punkten spielt. Mehr Sinn macht deshalb eine reine Bewertung der Eigenschaften unabhängig vom Preis – die 1000-Punkte-Wertung – in Kombination mit einer zusätzlichen Preis-Leistungs-­Note. Das Ziel war, günstigen und guten Motorrädern eine ähnliche Preis-Leistungs-Note zu geben, wie sehr guten Maschinen, die aber etwas teurer sind.

Zunächst stellte die MOTORRAD-Testabteilung Fahrzeuge aus den unterschiedlichen Kategorien zusammen und verlieh ihnen gemäß ihrer Gesamtpunktzahl und ihres Preises eine vorläufige Preis-Leistungs-Note. Als nach langen Diskussionen alle Motorräder in eine sinnvolle Rangfolge gebracht waren, wurde diese in eine komplexe mathematische Gleichung gefasst, nach der seither die Preis-Leistungs-Note berechnet wird. Vereinfachend ausgedrückt, können zwei Motorräder die gleiche Preis-Leistungs-Note erhalten, wenn eines von ihnen 1000 Euro teurer ist, aber auch etwa 18 Punkte mehr erreicht. Damit ist das Verhältnis von sehr gut und teuer, gut und günstig besser ausgewogen als zuvor, trotzdem bleibt ein leichter Vorteil für die guten und günstigen Motorräder bestehen. Als Ansporn für die Hersteller.

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