Premiere: Yamaha FZ8 und Fazer8 Yamahas neue Mittelklasse im Test

Die angegraute FZ6 geht in Rente, die FZ1 ist in vielen Belangen zu speziell. Deshalb gibt es die FZ jetzt auch mit 800 cm3. PS durfte schon einmal aufsitzen und war von der Achterbahn-Fahrt durchaus angetan.

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Mit der FZ-Reihe hatte PS immer so seine Probleme. Die kleine FZ6 sorgte mit ihrem schwachbrüstigen Motor für wenig Begeisterung. Ähnliches gilt für die große FZ1, die mit dem umgemodelten R1-Triebwerk ebenfalls beim Durchzug enttäuscht und unter 7000/min einfach keine Lust verbreitet. Und jetzt eine FZ8? Die Mischung also aus Not und Elend? Ganz klar: Nein! Gerade der Motor, dessen Basis von der FZ1 stammt und der unter anderem mit einem anderen Zylinderkopf und längeren Ansaugtrichtern bestückt wurde, steht dankenswerter Weise nicht in dieser FZ-Tradi-tion. Sauber nimmt die 8er nämlich das Gas an, gleitet nahezu lastwechselfrei vom Schiebe- hinüber in den Zugbetrieb und befördert die Fuhre schon ab 3000/min brauchbar vorwärts. Wirklich toll macht der Vierzylinder seine Sache zwischen 4500 und 8000/min, also genau in dem Bereich, der auf Landstraßen so viel Spaß macht. Druck ist hier ständig vorhanden, ein Leistungsloch nicht auszumachen. Die leichten Vibrationen, die am oberen Ende dieses Fun-Modus einsetzen, an dem auch das maximale Drehmoment anliegt, lassen sich locker wegstecken. Und weiter geht's im Drehzahlband, mitten hinein in die Attacken-Region, in der noch genügend Power lauert, um den ganz wilden Ritt aufzunehmen. Das sollen 106 PS sein? Fühlt sich nach mehr an. Bei 12 000/min ist schließlich Schluss, kappt der Begrenzer alle weiteren Ambitionen. Schon knapp 500 Umdrehungen früher ist das nahende Ende durch nachlassende Power spürbar. Aber das ist insgesamt genau der Charakter, den so ein Motorrad braucht.

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Bei den Hörnern gepackt, unterstützt die aktive Sitzposition auf der nackten FZ sportliche Ambitionen. Die Bremse ist dem ebenso gewachsen. Ohne den ganz forschen Biss verzögern die vier Kolben pro Seite verlässlich und stets souverän. Beim ersten Ritt rund um Marseille war das ABS (in Deutschland ist das ABS an der 8er obligatorisch) nicht montiert - insofern gibt es dazu im entsprechenden PS-Vergleichstest noch Klärungsbedarf.

Wollen wir jetzt aber mal einlenken?
Wir wollen! Das Handling ist toll. Mühelos lässt sich die 216 Kilogramm schwere FZ8 abwinkeln und schön übers Vorderrad um die Kurve führen. Ein agiler Hüpfer ist sie geworden, prima wirft sie sich von einer in die nächste Kurve. Der 180er-Hinterreifen ist dafür genau der richtige. Zielgenau führt die Yamaha außerdem hin zum gewünschten Kurvenausgang. Da braucht es keine fahrerische Finesse, und so vermittelt sie das Flair eines echten Spielzeugs, da ist für jeden Fahrertyp etwas dabei. Die Stabilität stimmt ebenfalls. Nervös wirkt sie in keinem Moment. Hier noch etwas zur Bereifung: Selbst bei Korrekturen mit dem Bremshebel in Schräglage stellt sich die FZ nicht bockig auf. Der serienmäßige Bridgestone BT 021 harmoniert tadellos mit der 8er. Sportliche Attribute liefert auch die Sitzbank, die recht knackig ausgefallen ist und engagierten Popoeinsatz erlaubt, ohne den Allerwertesten auf langen Ausfahrten deshalb allzu früh zu malträtieren.

Kommen wir zum Fahrwerk: Im lockeren Wedelmodus macht das Federbein einen ordentlichen Job, lässt nur bei kräftig holprigem Belag schon erahnen, dass eine allzu heftige Gangart die softe Dämpfung etwas in Verlegenheit bringt. Gleiches gilt für die Front, die sich bei brutalen Anbremsern recht schnell abduckt, ansonsten aber gut anspricht und ausreichend gedämpft ist. Das muss der FZ8-Liebhaber so auch hinnehmen, denn außer der Vorspannung lässt ihm die Dämpfung keine Wahlmöglichkeiten. Aber wie angemessen die Abstimmung bei der nackten 8er trotzdem ist, zeigt ein Umstieg auf die Fazer8 mit der Halbschale. Zwar sollen laut Angaben der Yamaha-Verantwortlichen bei der Präsentation in ihr die gleichen Dämpfer stecken, aber das gut vier Kilogramm schwerere Motorrad wirkt an der Gabel und vor allem am baugleichen Heck deutlich weicher, weshalb die Fazer8 bei ähnlicher Gangart spürbar mehr Unruhe in der Fuhre zu verkraften hat. Zudem nimmt der andere Lenker viel vom fahraktiven Feeling, das die Nackte so spritzig erscheinen lässt. Die Fazer8 muss deshalb mehr als die Alltagsvariante mit Ausflug-Qualitäten gegenüber der aggressiveren Nackt-Acht gesehen werden.

FAZIT:
Aufschlag gelungen! Besonders die FZ8 bereichert das Segment im oberen Mittelklasse-Feld um ein attraktives Naked Bike mit sportlichem Charakter. Der Motor ist das ganz große Plus. Der Preis von 8500 Euro geht voll in Ordnung. Für 300 Euro Aufpreis gibt es die Fazer8 mit Halbschale als touristischere Variante. Beide Modelle stehen der Yamaha-Modellpalette jedenfalls gut zu Gesicht.

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Foto: Yamaha

Technische Daten

ANTRIEB:
Vierzylinder-Reihenmotor, 4 Ventile/Zylinder, 78 kW (106 PS) bei 10000/min, 82 Nm bei 8000/min, 779 cm3, Bohrung/Hub: 68,0/ 53,6 mm, Verdichtung: 12:1, Zünd-/Einspritzan-lage, 35-mm-Drosselklappen, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, 6-Gang-Getriebe, G-Kat

FAHRWERK:
Leichtmetall-Brückenrahmen, Lenkkopfwinkel: 65 Grad, Nachlauf: 109 mm, Radstand: 1460 mm, Ø Gabelinnenrohr: 43 mm, Federweg v./h.: 130/130 mm

RÄDER und BREMSEN:
Leichtmetall-Gussräder, 3,5 x 17"/5.50 x 17", Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 180/55 ZR 17, 310-mm-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Festsätteln vorn, 267-mm-Einzelscheibenbremse mit Einkolben-Schwimmsattel hinten

GEWICHT (betankt inkl. ABS): 216/220 kg*,
Tankinhalt: 17 Liter Super (davon Reserve: k. A.)

GRUNDPREIS: 8495/8795 Euro (zzgl. Nk)


*Werksangabe

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