PS am Hinterrad

Und noch ein paar Kurven. Im Gegensatz zu der bei MOTORRAD üblichen Dar-
stellung, welche die Leistung an der Kupplung drehzahlabhängig visualisiert, zeigen nebenstehende Kurven die Leistung am Hinterrad
im letzten Gang über der Geschwindigkeit.
Der Unterschied ist eklatant. Während nämlich bei der drehzahlabhängigen Darstellung sowohl die Leistungs- als auch die
Drehmomentkurven weit auseinanderdriften, rücken sie abhängig von der Geschwindigkeit plötzlich eng zusammen. Für die Fahrleis-
tungen spielt neben der Motorleistung die
Gesamtübersetzung und das Gewicht eine
entscheidende Rolle. Je nachdem, ob ein
Motorrad auf möglichst gute Durchzugswerte, eine möglichst hohe Endgeschwindigkeit
oder einen günstigen Verbrauch ausgelegt
ist, können sich sehr unterschiedliche Kurven ergeben. Meist versuchen die Hersteller den besten Kompromiss zu finden.
Beispiel BMW: Die Geschwindigkeit, bei der die maximale Hinterradleistung anliegt,
ist fast identisch mit der Höchstgeschwindigkeit. Eine derart ausgelegte Übersetzung sorgt
zudem für entsprechend gute Durchzugswerte. Der Wermutstropfen ist allerdings ein recht hohes Drehzahlniveau, das sich naturgemäß negativ auf den Verbrauch auswirkt. Außerdem dreht die R 1200 GS bergab oder bei Rückenwind in den Drehzahlbegrenzer.
Das kann der Suzuki GSX 1400 nicht
passieren. Die läuft theoretisch nämlich erst bei 307 km/h in den Begrenzer. Und auch von der maximalen Hinterradleistung, die auf dem Prüfstand bei 237 km/h anliegt, bleibt sie in der Realität unter Einwirkung der tatsächlichen Fahrwiderstände deutlich entfernt. Eine so
gewählte Übersetzung senkt zwar die Drehzahl und den Verbrauch, mindert aber die prinzipielle Überlegenheit, die der Hubraumvorteil des GSX-1400-Antriebs verspricht.
Besonders deutlich zeigt sich dies daran, dass übersetzungsbereinigt die Hinterradleistung der BMW zwischen gut 90 und
160 km/h sogar über der Suzuki-Kurve liegt, während bei dem herkömmlichen Leistungsdiagramm die Suzuki mit deutlichem Vorsprung vor der BMW rangiert. Das schlägt
sich in der Durchzugsmessung nieder.
Denn dort nimmt die kürzer übersetzte und
zudem leichtere R 1200 GS der ellenlang
übersetzten und schwereren GSX 1400
zwischen 100 und 140 km/h zwei Zehntel
Sekunden ab. Und selbst die Kawasaki Z 750 mit geringerem Hubraum, aber auch weniger Gewicht und einer gelungenen Übersetzung schlägt sie sich im Durchzug wacker.

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