Riesenslalom

Das Zauberwort, das friedliche Stammtischrunden zum lautstarken Basar der Meinung kippt: Handling. Was ist da denn nun wirklich dran? Um den Vermutungen ein Ende zu setzen, hat MOTORRAD einen Handling-Parcour installiert. Eine rund 300 Meter lange, mit Pylonen gespickte Messstrecke, die von Stoppuhr und Lichtschranke überwacht, keine Ausreden mehr zulässt. Motorräder, die hier mit mehr als 100 km/h hindurchwedeln, dabei stabil und mit rasiermesserscharfer Lenkpräzision keinen Zentimeter Platz verschenken, gehören überwiegend zur Gattung der Supersportler. Die subjektiven Eindrücke des Testfahrers werden in zwei Teile gesplittet: zum einen wird die Lenkkraft bewertet, die in erster Linie aus der Fahrwerksgeometrie, den Kreiselkräften und dem Gewicht respektive Schwerpunktslage resultiert. Breite Lenker, etwa bei Enduros, haben hier natürlich klare Vorteile.Doch die leichtgänigste Lenkung nützt nichts, wenn die Lenkbewegungen nur verzögert übertragen werden. Jetzt schlägt die Stunde der Sportler. Torrsionssteife Telegabeln, lenkpräzise Sportreifen mit handlicher, spitzer Kontur und ein straff gefedertes und gedämpftes Chassis sind die Grundlage dafür, dass der Testpilot beim Reißen und Zerren das Bike zielgenau durch den Parcours fädelt, ohne die Pylonen umzukegeln. Deshalb ist es für die Top-Test-Mannschaft kein Wunder, dass Ducatis 998 wie an der Schnur gezogen und ohne nervige Schaukelei den höchsten Speed hinbrennt und nur im engen, einer Serpentine ähnlichen Wendepunkt Zeit verliert. Hondas Federgewicht Fireblade erreicht zwar eine geringere Höchstgeschwindigkeit, markiert aber, bedingt durch die einfache Handhabung beim Wendepunkt, unter dem Strich die Bestzeit. Wacker auch die Neuner von Kawasaki: zweitbeste Zeit, kein Problem im engen Streckenteil und viel Speed – das waren schon immer die Stärken der Grünen. Erstaunlich die Triumph, die trotz höchstem Gesamtgewicht zackig daherwedelt, zwar tief in den progressiven Federbereich absackt, mit viel Dämpfung jedoch ausreichend stabil bleibt. Und die fahrstabile Suzuki? Verfügt hier, wie im richtigen Leben, über das schlechteste Handling. Was zu einem geringen Teil auch auf den nicht einstellbaren, schwergängigen Lenkungsdämpfer zurückzuführen ist. Und so werden die bereits im Testprotokoll ermittelten Punkte für »Handling« durch den Parcours endgültig bestätigt. Werner Koch

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