Spezial Streetfighter

Sind sie zu stark, bist du zu schwach.

Bad Man, Bade Blade, Street Killer - drei respekteinflößende Namen, die letztlich für ein und dasselbe stehen: Streetfighter auf Basis der Honda CBR 900. Doch warum ein Motorrad umbauen, das für seine guten Qualitäten bekannt ist? Weil die CBR genau aus diesem Grund mittlerweile an jeder Straßenecke zu sehen ist und man gerne etwas Einzigartiges sein Eigen nennen möchte, ist ein Argument. Oder man ist auf die Nase gefallen, hat die schönen Verkleidungsteile seines Sportlers in der Botanik verteilt und macht nun aus der Not eine Tugend. Statt der teuren Originalteile wird preiswerter Ersatz aus dem Zubehörhandel montiert und dabei gleich noch deutlich an Individualität gewonnen.Eine dieser typischen Unfall-Geburten von Streetfightern ist die Bad Man. Sie ist ein waschechter Eigenbau. In den Rahmen einer Frontschaden-CBR baute die Firma Luleb eine Upside-down-Gabel einer Suzuki GSX-R 750 ein. Räder und Bremsanlage stammen ebenfalls von Suzukis Supersportler. Da für den Gesetzgeber jetzt die Firma Luleb als Hersteller fungiert, sind Typenschild und Rahmennummer geändert. Eigene Wege geht die Bad Man auch bei der Anlenkung des hinteren Federbeins. Die Originalhebel der Umlenkung wurden durch längere Bauteile ersetzt, wodurch das Heck weiter angehoben wird. Darüber hinaus kennzeichnen den Luleb-Umbau die klassischen optischen Merkmale eines Streetfighters: breiter Superbike-Lenker, Doppelscheinwerfer mit winziger, aus Alu-Blech handgedengelter Cockpitverkleidung, Solohöcker und Brüllrohr in Form einer wackelig montierten Shark-Auspuffanlage. Die Serieninstrumente mußten einem digitalen Infocenter der Firma Tellert-Elektronik weichen. Dieses kann zwar neben den üblichen Werten noch jede Menge zusätzlicher Informationen wie Öltemperatur oder aktuelle Gangstufe anzeigen, ist aber leider nur sehr schlecht abzulesen und dadurch extrem gewöhnungsbedürftig. Neben den optischen Gags protzt die Bad Man noch mit einer Bearbeitung des Zylinderkopfs. Die kostet jedoch nicht nur Geld, sondern den bewährten CBR-Motor auch ein halbes Dutzend Pferdstärken. Von den ursprünglich 124 PS einer offenen Serien-CBR ließen sich auf dem MOTORRAD-Prüfstand lediglich noch 118 ermitteln.Über mangelnde Leistung braucht sich im Fahrbertrieb allerdings niemand zu beklagen. Trotz des Rückwärts-Tunings bleibt genug Power, damit die Luleb-CBR beim Beschleunigen brav Männchen macht. Und schnell genug ist sie auch, denn bei einer Höchstgeschwindigkeit von 229 km/h hat der windgebeutelte Fahrer sowieso nur noch recht wenig Spaß.Der will leider auch auf der Landstraße nicht so richtig aufkommen. Je schlechter der Fahrbahnzustand, um so bockiger benimmt sich die Bad Man. Durch die längeren Umlenkhebel am Federbein versteift sich das Heck zu sehr, und die ansonsten sensibel ansprechende GSX-R-Gabel scheint für ein Leichtgewicht wie die CBR 900 ebenfalls zu straff abgestimmt zu sein. So teilt die Luleb-Honda auf welliger Bahn hinten harte Schläge aus und zuckt dabei vorn nervös mit dem Lenker.Die zweite Variation zum Thema CBR-Umbau kommt von Metisse und präsentiert sich noch kompromißloser. Offene 39er Keihin CR- Flachschiebervergaser, Racing-Auspuffanlage, selbsttragendes Kohlefaserheck, Verbundräder, Sechskolben-Bremsanlage von Billet und jede Menge eloxierter Alu-Schrauben sowie Karbon-Teile. Alles in allem stecken rund 18 000 Mark im Dragfighter von Metisse. Das Basismotorrad nicht eingerechnet, versteht sich.Die Sache mit dem TÜV nimmt die Firma Metisse nicht ganz so ernst. Weder Vergaser noch Auspuff sind zulassungfähig. Doch da diese Bauteile immer wieder der Wunsch der Kundschaft sind, werden sie auch montiert - auf eigenes Risiko, darauf weist Metisse natürlich potentielle Interessenten hin.Für den hohen Preis der Illegalität erkauft sich der Metisse-Kunde in der Tat ein kraftstrotzendes Feuerzeug. 135 PS zaubert die Dragfighter auf die Prüfstandsrolle und überrascht durch eine sensationell gute Abstimmung der heiklen Flachschiebervergaser. Das laute, nervige Klappern der Schieber im Standgas ist schnell vergessen, denn ohne das typische Verschlucken im unteren Drehzahlbereich nimmt der Motor Gas an. Oberhalb von 6000 Umdrehungen reagiert das Triebwerk bissig wie ein Rennmotor auf die kleinste Zuckung der rechten Hand. Begleitet wird das Ganze von einem schon fast peinlichen Lärm aus der Krawalltüte. Für gesetzestreue und rücksichtsvollere Biker hält Metisse einen zulassungfähigen Viper-Endtopf mit ABE bereit.Fahrwerksseitig macht die Dragfighter einen recht ordentlichen Eindruck. Schlechte Straßen sorgen zwar auch bei ihr aufgrund des leicht werdenden Vorderrads für dieses bedrohliche Zucken im Lenker, aber wenigstens bietet das Original-Sitzpolster der CBR die Bequemlichkeit, die die sportlich straff ausgelegten Serien-Federelemente verweigern. Etwas merkwürdig fällt die Kröpfung des extrem flachen Lenkers aus, die dem Fahrer eine verkrampfte Arm- und unbequeme Sitzhaltung aufzwingt. Die sauber gefräste Fußrastenanlage ist ebenfalls nicht sehr geschickt montiert, da der rechte Fuß kaum seinen vorgesehenen Platz findet.Auch Sinn und Zweck der Umrüstung auf die 1590 Mark teure Billet-Bremsanlage bleibt verborgen. Sie bringt jedenfalls wie die meisten technischen Veränderungen keinerlei Vorteil. Das Original ist der Nachrüstanlage in allen Bereichen überlegen.Die Weisheit, daß die CBR 900 eine verdammt gute Basis ist, hat sich offensichtlich der Besitzer des driiten Streetfighters zunutze gemacht. Seine Street Killer ist eine teils in Eigenarbeit und mit Zubehör der Firma Big Bike aufgerüstete CBR. Fahrwerk, Räder, Bremsen und Fußrastenanlage sind allessamt Originalteile. Und auch vom Motor hat man die Finger gelassen, obgleich hier ebenfalls ein offenes Racing-Rohr für die gebührende akustische Untermalung beim Auftritt vor der Eisdiele sorgt.Viel weiter sollte die sonntägliche Ausfahrt auch nicht gehen, will man sich nicht einer unnötigen Selbstkasteiung aussetzen. Der montierte Big Bike-Höcker macht aus der braven CBR ein bitterböses Foltergerät. Die winzige, miserabel gepolsterte Sitzmulde läßt keinerlei Bewegungsfreiheit mehr zu. Überfährt man(n) in dieser Preßpassung auch nur den kleinsten Kanaldeckel, weiß man(n), wie hart so ein Tank zu den Weichteilen sein kann. Wem in dieser Situation bei einem lässige Wheelie der Gang herausspringt und das Vorderrad schlagartig herunterkracht, der braucht sich über Familienplanung bald keine Gedanken mehr zu machen.Den optischen Schwerpunkt setzt bei der Street Killer neben der extrem kurzen Sitzbank die aufwendige Airbrush-Lackierung auf Tank, Cockpitverkleidung und Stummelheck. Auf einen kleinen Bugspoiler wurde dafür verzichtet. Weniger aufwendig ist die Halterung für die Serien-Instrumente im Cockpit. Die lausig verschraubten Alu-Bleche sind schon nach wenigen hundert Testkilometern einfach abgebrochen.Stellt sich die Frage, ob ein echter Streetfighter überhaupt zum Fahren gebaut wird. Denn die drei Testkandidaten können alles nur schlechter als das Original, die CBR 900 RR - außer wichtig aussehen und ordentlich Krach schlagen. Darin sind sie tatsächlich echt stark.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote