Technik im Vergleich

Honda setzt bei der CBR 600 RR wie auch schon beim Vorgängermodell auf die Schwingen-Konstruktion der MotoGP-RC 211 V, Baujahr 2005, als Unit Pro-Link bezeichnet.
Dabei stützt sich das obere Auge des Federbeins nicht am Rahmen, sondern am Oberzug der Schwinge ab. Dieser Trick erlaubt es, auf die
bei der konventionellen Anordnung notwendige massive und schwere Federbeinaufnahme am Rahmen zu verzichten. Die Kraft wird über den Drehpunkt der Umlenkhebel unter dem Motor
und der Schwingenachse ins Fahrwerk eingeleitet. Ein weiterer Vorteil: Der Tank lässt sich im Bereich des Federbeins kompakter platzieren, was der Massenkonzentration und somit der Handlichkeit zugute kommt.
Bereits von der 1000er-Firebalde bekannt ist
der Lenkungsdämpfer mit der Bezeichnung HESD (Honda Elektronic Steering Damper). Dabei handelt es sich um einen Drehflügeldämpfer, in dem ein Flügelsegment vom Hydrauliköl abgebremst wird. Dieser Widerstand wird je
nach Fahrgeschwindigkeit über ein elektromagnetisches Ventil gesteuert: geringe Dämpfung bei geringem Tempo, starke Dämpfkraft bei hohem Tempo. Womit das lästige Kippeln, das manche konventionelle Hubkolben-Dämpfer bei Schritt-
geschwindigkeit verursachen, entfällt.
Yamaha geht mit dem YCC T (Yamaha Chip
Controlled Throttle) in die Vollen. Die Gaszüge betätigen nicht mehr direkt die Drosselklappen, sondern ein Drehpotentiometer, das das Signal
an einen extrem reaktionsschnellen Servomotor weiterleitet, der über einen Zahnradantrieb die Drosselklappen betätigt. Eine mechanische
Absicherung sorgt dafür, dass die Elektronik
nicht mehr Gas geben kann, als der Fahrer vorgibt. Auch diese Technologie stammt aus der MotoGP-Maschine, der YZR-M1.
Gabel und Federbein lassen sich an der Yamaha in der Druckstufendämpfung, also beim Einfedern, im Low- und Highspeed-Bereich getrennt
abstimmen. Mit Lowspeed werden langsame Federbewegungen (etwa 0,1 bis 0,3 m/s) über
ein Nadelventil gedämpft, darüber setzt der Highspeed-Bereich ein, in dem der mit Federstahlplättchen (Shims) belegte Kolben die Dämpfung regelt. Beim Test mit den steifen Bridgestone
BT 002 Racing-Reifen auf dem welligen, holprigen Kurs in Calafat konnte so die Lowspeed-Druckstufendämpfung in der Gabel fünf Klicks zurückgenommen werden, ohne dass sich Kurven- oder Bremsstabilität verschlechterten.
Ebenfalls aus dem Rennsport stammt die Anti-Hopping-Kupplung der Yamaha YZF-R6. Um zu verhindern,
dass das entlastete Hinterrad beim Anbremsen durch die Spitzen der Motorbremswirkung zu stempeln und springen beginnt, reduziert ein Mechanismus aus mehreren Rampen die Kraft der Kupplungsfedern, mit
dem Resultat, dass die Kupplung leicht durchrutscht und die unerwünschten Drehmomentspitzen kappt. So bleibt die Maschine beim Bremsvorgang stabil und sicher zu beherrschen. Erst wenn der Motor das Hinterrad wieder antreibt, rutschen die Rampen in ihre
ursprüngliche Position zurück, die Kupplungsfedern werden wieder vorgespannt.

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