Tracktest: KTM RC8 R, Serie und IDM-Superbike Original und Superbike

Sie kam und hatte sofort Erfolg: Die KTM-RC8 R war unter Stefan Nebel in ihrer ersten Saison gut für den IDM-Vizetitel bei den Superbikes. Ein Ver- gleich mit der Basismaschine lässt erahnen, warum.

Foto: fact
Rennmechaniker zu beobachten, die ihren Job beherrschen, ist faszinierend. Weil ihnen ihre Arbeit so selbstverständlich von der Hand zu gehen scheint wie einer Schwalbe das Fliegen. Und wegen ihrer nie nachlassenden Akribie. Nach jeder Viertelstunde, die "ihr" Motorrad im Einsatz war, wird geputzt, geschaut, geprüft, gepflegt, als hätte es eben ein 24-Stunden-Rennen absolviert. Selbst wenn sie eine Pause einlegen, lassen sie ihr Baby nicht aus den Augen. Bereit, sofort zum Werkzeug zu greifen, wenn doch eine gelockerte Schraube oder ein gebrochener Sicherungsdraht zum Vorschein kommt. Timo Dinkel und Manuel Strell vom KTM Superbike Team Germany gehören zu diesen stillen Helden. Wer aus ihren Händen das IDM-Superbike von Stefan Nebel entgegennimmt, braucht nichts zu kontrollieren außer der eigenen Atmung. Und er sollte sein Möglichstes tun, ihnen das edle Stück wieder heil zurück zu bringen. Das ist gar nicht so schwer: Die IDM-KTM mag noch so furchterregend laut aus ihrem ungedämpften Auspuff brüllen, sie ist doch wunderbar einfach und angenehm zu fahren. Solange man mit ihr keine Rennen gewinnen muss. Kupplung und Bremse lassen sich mit wenig Kraft betätigen, einzig die Schaltung arbeitet etwas knochig. Das Wichtigste sind aber die Lenkeigenschaften, die Balance, das Handling. IDM-Vizemeister Stefan Nebel ist keiner von den Fahrern, die ein bestimmtes Abstimmungsmerkmal bis ins Extrem betonen. Keine extraharte Gabel für Spätestbremser, keine superstraffe Zugstufe hinten zur Milderung von Highsidern, keine nervöse Fahrwerksgeometrie.
Anzeige
Foto: fact
Wunderbar ausbalanciert steht sein Motorrad auf den Rädern, lenkt homogen über den ganzen Schräglagenbereich, wirkt weder träge noch kippelig. Der Charakter der Basismaschine schlägt hier voll durch, nur dass die austrainierte IDM-KTM mit ihren 170 Kilogramm plus Benzin sich spürbar flinker bewegt. Wäre sie nicht so laut, dass sie Fensterscheiben eindrücken könnte, es wäre kein Problem, sie in der Stadt oder auf der Landstraße zu bewegen. Okay, mit dem Gasgriff muss man schon besonnen umgehen. Auch auf der Rennstrecke und trotz Traktionskontrolle.
Anzeige
Foto: fact
Zum einen vollziehen sich die Lastwechsel zackig, wie das so üblich ist bei Profis, die genau einmal pro Kurve das Gas aufziehen und dann bis zur nächsten offen lassen. Zum anderen geht die 1195er ab etwa 7500/min mit voll aufgerissenen Klappen dermaßen ab, dass die Spielübersicht ungeübter Piloten nicht mehr hinterherkommt. Wer sich nicht ausreichend Gewöhnungszeit zugesteht, bleibt weit unter den eigenen Möglichkeiten, ganz zu schweigen von denen der Profis, macht vor lauter Angst, zu spät dran zu sein, alles zu früh. Bremsen zum Beispiel. Das ist auf Nebels Motorrad sowieso speziell. Hinten bremst er per Daumendruck, kann also in Links- und Rechtskurven gleichermaßen feinfühlig das Tempo dosieren. Per Fußbremshebel aktiviert, ist die hintere Bremse zu bissig, darum hätte der Berichterstatter gern eine längere Einheit mit der Daumenbremse gefahren. Warum nur hatten die Mechaniker dafür nicht genug Sprit eingefüllt?

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel