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Aprilia RS4 125, Honda CBF 125, KTM 125 Duke, Yamaha MT-125 und YZF-R 125 125er im Vergleichstest

Wenn über-40-jährige große Jungs mit 125ern auf Testfahrt gehen, kann das schnell peinlich werden – Mann ist halt keine 16 mehr. Oder aber es wird äußerst unterhaltsam, wie in dieser Geschichte. Denn diese fünf Achtelliter-Maschinen sind unglaublich erwachsen.

Es gibt nicht viele Gründe, sich zu wünschen, wieder 16 Jahre alt zu sein. Im Gegenteil: Pickel, Stress mit den Alten und in der Schule, keine Freundin und kein Geld.

Wer allerdings das aktuelle 125er-Angebot sichtet, träumt vielleicht doch davon, wieder Teenager zu sein; denn nie zuvor war die Szene bunter und besser. Mit Aprilia RS4 125, Honda CBF 125, KTM 125 Duke, Yamaha MT-125 und Yamaha YZF-R 125 gingen fünf sehr unterschiedliche Kandidaten auf Testtour. Und ein Modell erklomm sogar den Pinneberg.

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Foto: Biebricher
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, vier Ventile, Bohrung x Hub 58,0 x 47,0 mm, 124 cm³, 11,0 kW (15 PS) bei 10 500/min, 11 Nm bei 8000/min.
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, vier Ventile, Bohrung x Hub 58,0 x 47,0 mm, 124 cm³, 11,0 kW (15 PS) bei 10 500/min, 11 Nm bei 8000/min.

Aprilia RS4 125

Die bildschöne Aprilia RS4 125 startete ihre überaus erfolgreiche Karriere 1993 als bissige Zweitakt-Rakete, seit 2011 steckt ein wassergekühlter Vierventil-Viertakter im völlig überdimensionierten Hightech-Fahrwerk. Am grundsätzlichen Charakter des mit leichtem Übergewicht kämpfenden Sportlers hat sich fast nichts geändert: Der Motor braucht Drehzahlen, das nutzbare Drehzahlband ist eher schmal. Mäßige Beschleunigungs- und traurige Durchzugswerte sind die Strafe. Doch eine Top-Ergonomie entschädigt dafür. Auf keiner anderen 125er sitzen auch groß gewachsene Sportfreunde besser, keine wirkt in allen Dimensionen erwachsener.

Technische Daten

Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, vier Ventile, Bohrung x Hub 58,0 x 47,0 mm, 124 cm³, 11,0 kW (15 PS) bei 10 500/min, 11 Nm bei 8000/min, Einspritz­anlage, Sechsganggetriebe, Kettenantrieb; Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-­Gabel, Ø 41 mm, Reifen v/h: 100/80 ZR 17 und 130/70 ZR 17, Scheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Scheibenbremse hinten, Ø 218 mm, Radstand 1350 mm, Lenkkopfwinkel 65,0 Grad, Nachlauf 94 mm, Federweg vorn/hinten 110/122 mm, Sitzhöhe 830 mm*, Gewicht vollgetankt 148 kg*, Zuladung 177 kg*, Tankinhalt 14,5 l, Service-Intervalle 6000 km; 0–80 km/h in 11,4 sek*, 50–80 km/h in 17,3 sek*, Höchstgeschwindigkeit 110/120 km/h*, Verbrauch Landstraße 3,6 Liter/100 km*; Preis 4490 Euro¹.

*MOTORRAD-Messung; ¹ inkl. Nebenkosten

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Foto: Biebricher
Honda CBF 125.
Honda CBF 125.

Honda CBF 125

Dem Leichtgewicht merkt man sehr deutlich an, dass es in erster Linie als Fortbewegungsmittel für den südostasiatischen Massenmarkt entwickelt wurde. Was kein Nachteil sein muss, denn was eine vierköpfige Familie plus Schwein und Federvieh zuverlässig durch den Dschungel bringt, macht auch im westeuropäischen Pendlerverkehr eine gute Figur. Der sehr sparsame Viertakt-Single reizt das Leistungslimit von 15 PS zwar nicht aus, überzeugt aber durch eine gelungene Abstimmung und perfekt passende Getriebeübersetzung. Die sehr aufrechte Sitzposition ist auch noch nach Stunden bequem, und das Platzangebot ist üppig. Die Federelemente sind für eine sportlichere Gangart zwar gnadenlos unterdämpft, miesen Landstraßenbelag stecken sie im Cruising-Modus aber bestens weg. Topcase drauf und damit täglich bequem und günstig zur Schule oder Arbeit gondeln – dafür ist die rustikal-sympathische Honda CBF 125 wie gemacht.

Technische Daten

Luftgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, zwei Ventile, Bohrung x Hub 52,4 x 57,8 mm, 125 cm³, 8,3 kW (11 PS) bei 8000/min, 11 Nm bei 6250/min, Einspritz­anlage, Fünfganggetriebe, Kettenantrieb; Zentralrohrrahmen aus Stahl, Telegabel, Ø 30 mm, Reifen v/h: 800/100-17 und 100/00-17, Scheibenbremse vorn, Ø 240 mm, Trommelbremse hinten, Ø 130 mm, Radstand 1270 mm, Lenkkopfwinkel 64,5 Grad, Nachlauf 89 mm, Federweg vorn/hinten 115/87 mm, Sitzhöhe* 800 mm, Gewicht vollgetankt 130 kg*, Zuladung 178 kg*, Tankinhalt 13,0 l, Service-Intervalle 4000 km; 0–80 km/h in 12,7 sek*, 50–80 km/h in 12,1 sek*, Höchstgeschwindigkeit 104/108 km/h*, Verbrauch Landstraße 2,8 Liter/100 km*; Preis 2590 Euro zzgl. 185 Euro NK.

*MOTORRAD-Messung

Foto: Biebricher
KTM 125 Duke.
KTM 125 Duke.

KTM 125 Duke

Es gibt sehr viele gute Gründe, warum die in Indien produzierte KTM 125 Duke seit ihrem Debüt 2011 zu den absoluten Bestsellern der Achtelliter-Klasse gehört. Ihr kultivierter, kräftiger und drehfreudiger Motor ist einer davon. Ausgeprägte Handlichkeit und ein superstabiles Fahrwerk sowie wertige Verarbeitung sind weitere. Mit einem Detail sticht sie aber
aus dem 125er-Angebot besonders heraus: dem serienmäßigen ABS, ein Novum in dieser Klasse. Der Blockierverhinderer regelt zwar etwas grob, was Motorrad-Frischlinge in haarigen Situationen aber herzlich egal sein dürfte – auf der KTM 125 Duke bleibt man auch dann noch bequem aufrecht sitzen, wenn sich andere Maschinen bereits in die Waagerechte verabschieden. Allein das dürfte für viele schon Grund genug sein, sich mit der auch ansonsten üppig ausgestatteten Maschine etwas genauer zu befassen.

Technische Daten

Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, vier Ventile, Bohrung x Hub 58,0 x 47,2 mm, 125 cm³, 11,3 kW (15 PS) bei 10 500/min, 12 Nm bei 8000/min, Einspritz­anlage, Sechsganggetriebe, Kettenantrieb; Gitterrohrrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, Reifen v/h: 110/70 ZR 17 und 150/60 ZR 17, Scheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Scheibenbremse hinten, Ø 230 mm, ABS, Radstand 1361 mm, Lenkkopfwinkel 65,0 Grad, Nachlauf 100 mm, Federweg vorn/hinten 150/150 mm, Sitzhöhe 800 mm*, Gewicht vollgetankt 137 kg*, Zuladung 145 kg*, Tankinhalt 11,0 l, Service-Intervalle 7500 km; 0–80 km/h in 9,9 sek*, 50–80 km/h in 14,2 sek*, Höchstgeschwindigkeit 114/120 km/h*, Verbrauch Landstraße 3,0 Liter/100 km*; Preis 4245 Euro plus 200 Euro NK.

*MOTORRAD-Messung

Foto: Biebricher
Yamaha MT-125.
Yamaha MT-125.

Yamaha MT-125 und YZF-R 125

Die beiden Schwestern sind technisch nahezu baugleich, in beiden sorgen perfekt abgestimmte und kräftige Motoren für sehr gute Fahrleistungen. Und in beiden Modellen garantieren stabile Fahrwerke und knackige Bremsen, dass die Leistung auch bestens genutzt werden kann. Das Platzangebot ist gut, auf der Yamaha YZF-R 125 müssen sich auch lange Menschen nicht zu sehr zusammenfalten. Und die saubequeme Sitzposition auf der Yamaha MT-125 ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Die äußerst dynamische Verpackung der YZF-R 125 mag den Nachwuchs noch etwas mehr anmachen, im direkten Vergleich ist die MT-125 aber die noch etwas bessere 125er. Was einen plausiblen Grund hat: Sollte es einen mal zufällig nach Helgoland verschlagen, lässt sich die MT-125 dort viel bequemer schieben. Weniger Masse, höherer Lenker – alles klar?

Technische Daten Yamaha MT-125

Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, vier Ventile, Bohrung x Hub 52,0 x 58,6 mm, 124 cm³, 11,0 kW (15 PS) bei 9000/min, 12 Nm bei 8000/min, Einspritz­anlage, Sechsganggetriebe, Kettenantrieb; Brückenrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Ø 41 mm, Reifen v/h: 100/80-17 und 130/70-17, Scheibenbremse vorn, Ø 292 mm, Scheibenbremse hinten, Ø 230 mm, Radstand 1355 mm, Lenkkopfwinkel 65,0 Grad, Nachlauf 89 mm, Federweg vorn/hinten 130/114 mm, Sitzhöhe 830 mm*, Gewicht vollgetankt 139 kg*, Zuladung 191 kg*, Tankinhalt 11,5 l, Service-Intervalle 6000 km; 0–80 km/h in 9,4 sek*, 50–80 km/h in 12,8 sek*, Höchstgeschwindigkeit 120/121 km/h*, Verbrauch Landstraße 2,8 Liter/100 km*; Preis 4095 Euro plus 150 Euro NK.

Foto: Biebricher
Yamaha YZF-R 125.
Yamaha YZF-R 125.

Technische Daten Yamaha YZF-R 125

Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, vier Ventile, Bohrung x Hub 52,0 x 58,6 mm, 124 cm³, 11,0 kW (15 PS) bei 9000/min, 12 Nm bei 8000/min, Einspritz­anlage, Sechsganggetriebe, Kettenantrieb; Brückenrahmen aus Stahl, Upside­down-Gabel, Ø 41 mm, Reifen v/h: 100/80-17 und 130/70-17, Scheibenbremse vorn, Ø 292 mm, Scheibenbremse hinten, Ø 230 mm, Radstand 1355 mm, Lenkkopfwinkel 65,0 Grad, Nachlauf 89 mm, Federweg vorn/hinten 130/114 mm, Sitzhöhe 830 mm*, Gewicht vollgetankt 141 kg*, Zuladung 189 kg*, Tank­inhalt 11,5 l, Service-Intervalle 6000 km; 0–80 km/h in 9,2 sek*, 50–80 km/h in 12,7 sek*, Höchstgeschwindigkeit 120/126 km/h*, Verbrauch Landstr. 3,3 Liter/100 km*; Preis 4350 Euro plus 150 Euro NK.

*MOTORRAD-Messung

Foto: Biebricher
Mit der Yamaha MT-125 geht’s am einfachsten auf den immerhin 61,3 Meter hohen Pinneberg, die höchste Erhebung Helgolands und des gleichnamigen Landkreises.
Mit der Yamaha MT-125 geht’s am einfachsten auf den immerhin 61,3 Meter hohen Pinneberg, die höchste Erhebung Helgolands und des gleichnamigen Landkreises.

Fazit

Mit der Yamaha MT-125 geht’s am einfachsten auf den immerhin 61,3 Meter hohen Pinneberg, die höchste Erhebung Helgolands und des gleichnamigen Landkreises. Das ist das Ergebnis des ersten geschobenen Vergleichstests der MOTORRAD-­Geschichte. Doch auch im Fahrbetrieb überzeugt die Yamaha-Neuheit vollauf. Was auch fürs Schwestermodell Yamaha YZF-R 125 und die KTM Duke 125 gilt – damit kann man nicht viel verkehrt machen. Aprilia und Honda sind dagegen Fälle für Spezialisten: Die Aprilia RS4 125 verlangt nach einer extrem aktiven Gashand; die Honda CBF 125 macht in sich ruhende Pragmatiker glücklich.

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