05.05.2010 Von: Sebastian Lang
Erschienen in: 03/ 2010 PS

Vergleichstest: Honda CB 1000 R, Yamaha FZ1, Triumph Speed Triple, Kawasaki Z 1000 Große Naked Bikes im Vergleich

Bei ihrer Premiere im Dezember 2009 bezeichnete Kawasaki die Z 1000 als "Wolf im Wolfspelz". Nun stellt sich Frau Wolf der Konkurrenz. Kann sie sich gegen Honda CB 1000 R, Triumph Speed Triple und Yamaha FZ1 behaupten?
In diesem Artikel: Honda CB 1000 RYamaha FZ1Triumph Speed TripleKawasaki Z 1000

Naked Bike Vergleichstest

Die vier Großen im Vergleich: Honda CB 1000 R, Triumph Speed Triple, Yamaha FZ 1 ABS, Kawasaki Z 1000.  

Foto: jkuenstle.de  

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Kawasaki baut eigentlich schöne Motorräder, aber das hier gehört definitiv nicht dazu." Die Begeisterung von PS-Praktikantin Iris über das Design der neuen Kawasaki Z 1000 hält sich in Grenzen. Bullig, tief geduckt, mit allerlei polarisierenden Plastikapplikationen und aggressiver Frontmaske trifft das japanische Kult-Naked Bike nicht jedermanns Geschmack. Besonders das Sitzpolster in Schlangenlederoptik, das Kawasaki bei der braunen Farbvariante der Z verbaut, empfindet der durchschnittliche Mitteleuropäer als gewöhnungsbedürftig. Die Designer legten offensichtlich viel Wert darauf, ihren neuesten Wurf deutlich vom Rest der Naked Bikes abzuheben.

Doch nicht nur optisch legte sich Kawasaki mächtig ins Zeug, um den "Wolf im Wolfspelz" von der Konkurrenz - und nicht zuletzt der glücklosen Vorgängerin - zu distanzieren. Eigens für die Z entwickelten die Japaner einen 1043 cm³ großen Reihenvierzylinder, der deutlich langhubiger ausfällt, als das auf dem Triebwerk der ZX-9R basierende Pendant des bisherigen Modells. Neben 13 PS mehr Spitzenleistung soll vor allem ein für Naked Bikes taugliches Drehmoment bei niedrigen und mittleren Drehzahlen generiert werden.

Ob das reicht, um die etablierte Naked Bike-Konkurrenz aus dem Revier zu vertreiben? Honda CB 1000 R, Triumph Speed Triple und Yamaha FZ1 ABS stehen für den ersten Schlagabtausch bereit - alle drei für 2010 leicht überarbeitet. Am geringsten fallen die Änderungen bei der Honda aus. Die CB 1000 R startet technisch unverändert ins Jahr 2010, neu ist lediglich die dunkelrote Farbvariante Pearl Siena Red, für die Honda jedoch 200 Euro Aufpreis verlangt. Ducati lässt grüßen.

Die Yamaha-Ingenieure ließen die Basis des unverkleideten R1-Pendants FZ1 abgesehen von einem neuen, nun komplett schwarzen Endtopf ebenfalls unverändert. Stattdessen machten sie sich am Mapping zu schaffen, um dem Vierzylinder bei mittleren Drehzahlen mehr Leistung zu entlocken. Ein sinnvoller Eingriff: Das 150 PS starke Naked Bike ließ es bislang bei Drehzahlen unter 7000/min sehr gemütlich angehen, um ab dieser Marke plötzlich loszuspurten wie von der Tarantel gestochen.

Diese Unart ist Triumphs Straßenkönigin Speed Triple fremd. Der Motor, seit 2005 weitgehend unverändert, verwöhnt bereits ab Leerlaufdrehzahl mit reichlich Schmalz und tollem Sound. Wenig überraschend deshalb, dass sich die Briten bei der Modellpflege der Speedy statt des Motors das Fahrwerk zur Brust nahmen. So erhielten Gabel und Federbein für eine bessere Fahrzeugbalance neue Innereien, hinten soll zudem eine weichere Feder für mehr Fahrkomfort sorgen.

Honda CB 1000 R, Triumph Speed Triple, Yamaha FZ 1 ABS, Kawasaki Z 1000

Die Kawasaki Z 1000 behält die Nase vorn.  

Foto: jkuenstle.de  

Kann die Speed Triple so modifiziert die Naked Bike-Krone erobern? Auf einer südfranzösischen Passstraße müssen die vier Kontrahentinnen zeigen, was in ihnen steckt. Den Anfang macht die Kawasaki. Startknopf, erster Gang, los geht‘s. Ab dem ersten Meter hängt die Z 1000 gierig am Gas und spurtet davon. Untermalt von betörendem Fauchen aus der Airbox hebt der Wolf kurz das Vorderrad, klettert mit ungeheurer Kraft die Drehzahlleiter empor und zündet bei 7000/min den Nachbrenner. Was für eine Vorstellung. So muss eine Kawasaki fahren und klingen! Ein kurzer Zug am Kupplungshebel, im leichtgängigen Getriebe den zweiten Gang eingelegt und schon ist die Z aus dem Blickfeld ihrer drei Spielgefährten verschwunden.

Woher kommt diese Kraft? Zum einen vom starken, großen Motor, der, wie vom Hersteller propagiert, tatsächlich zwischen 4000 und 7000/min über deutlich mehr Drehmoment verfügt als das bisherige Triebwerk, zum anderen jedoch auch von der kurzen Übersetzung des neuen Modells. Bei 100 km/h dreht die Z bereits 4500/min, bei 120 km/h 5500/min. Für lange Autobahnetappen ein Ärgernis, auf engen Landsträßchen perfekt. Die gelungene Übersetzung spiegelt sich auch in den Durchzugswerten wider, wo die Kawa mit 8,2 Sekunden von 50 bis 150 km/h den Konkurrentinnen zwischen 0,8 und 2,3 Sekunden aufbrennt. Die einzigen Kritikpunkte des neuen Z 1000-Triebwerks betreffen die etwas harte Gasannahme bei sehr engen Erste-Gang-Kehren, den recht rauen Motorlauf, der über Rasten und Lenker permanent leichte Vibrationen an den Piloten weiterleitet und den mit 15 Litern knapp bemessenen Tank.

Die FZ1 hat sich zwischenzeitlich von der ersten Schockstarre angesichts des beeindruckenden Antritts der Kawa erholt und setzt zum Gegenschlag an. Zweiter Gang, Gas angelegt und ... nichts passiert. Im Zeitlupentempo nähert sich der Drehzahlmesser der 7000er-Marke, erwacht dort plötzlich zum Leben und reisst den Piloten mit roher Gewalt und adrenalinfördernden Sportmotorbrüllen nach vorne. Neues Mapping? Bessere Fahrbarkeit? War da nicht etwas? Ein späterer Blick auf die Leistungskurven der neuen und alten FZ1 löst das Rätsel. Tatsächlich übersteigt die Leistungskurve des 2010er Modells die der Vorgängerin - allerdings erst ab 7000/min. Darunter unterscheiden sich die beiden kaum. In Zusammenspiel mit der langen Gesamtübersetzung fehlt es so auch der neuen FZ1 auf der Landstraße im mittleren Drehzahlbereich an Punch, was sich nicht zuletzt an den schlechtesten Durchzugswerten im Test zeigt. Da nutzt es ihr auch nichts, dass ihre Maximalleistung mit 150 PS deutlich über der Konkurrenz liegt und der Sound bei hohen Drehzahlen richtig anmacht. Weitere Kritik gilt der elektronisch geregelten Gasannahme. Das YCC-T setzt Gasbefehle leicht verzögert um und nervt darüber hinaus beim Gasanlegen nach längeren Schiebephasen durch sehr hartes Ansprechverhalten.

Honda CB 1000 R, Triumph Speed Triple, Yamaha FZ 1 ABS, Kawasaki Z 1000

Auf französichen Passstraßen müssen die vier beweisen was sie können.  

Foto: jkuenstle.de  

Während der Yamaha-Pilot noch mit der richtigen Gangwahl kämpft, brummt mit sonorem Dreizylinderbruddeln die Speed Triple an ihm vorbei. Nach wie vor ist das 1050er Triebwerk eine Wucht. Lineare Leistung von Leerlauf bis Begrenzer, Druck in allen Lebenslagen, ordentliches Ansprechverhalten - nicht umsonst heimste die Speedy in der Vergangenheit einen Testsieg nach dem anderen ein. Wenn nur das Getriebe nicht wäre. Bereits in den vorhergehenden Tests ärgerte die große Triumph mit einem etwas hakigem Getriebe, dieses Mal fällt es jedoch besonders widerspenstig aus. Vor allem beim Runterschalten wehrt sich die Engländerin stur gegen den Gangwechsel und lässt sich nur mit Zwischengas und großem Kraftaufwand zur nächst niedrigeren Gangstufe bewegen. Liebe Triumph-Leute: Bitte nehmt Euch bei der nächsten Modellpflege mal das Getriebe vor.

Die CB 1000 R zeigt, wie es besser geht. Butterweich und ohne jeglichen Kraftaufwand folgt die Honda den Schaltwünschen des Piloten. Auch in allen anderen Belangen verhält sich der Honda-Motor absolut problemlos. Sehr linear, mit weichem Leistungseinsatz dreht die CB hoch, äußert sich kaum hörbar der Außenwelt. Understatement pur. Zwischen den Charakterbikes von Kawasaki, Triumph und Yamaha wirkt die CB 1000 R trotz peppiger Optik, Einarmschwinge, neuer Lackierung und den zweitbesten Durchzugswerten fast etwas langweilig.


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Immerhin setzt die Honda beim Fahrwerk Akzente: Das Handling der roten Japanerin überzeugt auf ganzer Linie. Völlig mühelos wieselt sie durch die engen Ecken und Kehren der südfranzösischen Passstraße, läuft dennoch stabil durch die Kurven und vermittelt dem Piloten das Gefühl, eher auf einer 600er als auf einer 1000er zu sitzen. Weitere Pluspunkte gibt es für die Bremse. Das Combined ABS funktioniert hervorragend, Druckpunkt und Dosierbarkeit der Nissin Anlage überzeugen ebenfalls - auch wenn die Handkraft der Bremse etwas höher liegt als bei den drei Konkurrentinnen. Gabel und Federbein sind eher komfortabel ausgelegt, vertragen aber auch sportliche Fahrweise. Allerdings spricht das Federbein der Honda etwas holprig und unsensibel an.

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