Vergleichstest: Hubraumstarke Naked Bikes Hubraum statt Verkleidung: Große Naked Bikes im Vergleich
Nach einem famosen Debüt stellt sich die Speed Triple erneut der Konkurrenz. Kann sie sich im Kampf um die Naked-Bike-Krone gegen Benelli TnT 160 R, Honda CB 1000 R und MV Agusta Brutale 1090 RR durchsetzen?
In diesem Artikel:
MV Agusta Brutale 1090 RR, Honda CB 1000 R, Triumph Speed Triple, Benelli TnT R 160
Vergleichstest: Hubraumstarke Naked Bikes Teil 1
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Die ersten warmen Sonnenstrahlen kündigen den Frühling an und wecken den Biker im Mann aus seinem Winterschlaf. Zeit, die Vernunft einzumotten und sich den schönen Seiten des Lebens hinzugeben.
Und schöne Seiten haben die Benelli TnT 160 R, Hondas CB 1000 R, die neue Triumph Speed Triple und MVs Naked Bike Brutale 1090 RR mehr als genug zu bieten. Bereits im Stand verwöhnen die vier die Augen des Betrachters.
Benelli TnT 160 R
Die Benelli fällt auf: Als einziges Bike im Test trägt sie ihr Hinterrad zwischen Gitterrohr statt an einer Einarmschwinge. Auch der Rest der Italienerin präsentiert sich eigenständig. Markanter Underseat-Endtopf, aggressive Frontmaske im Insektenlook, die beiden seitlich angebrachten Kühler, versteckt hinter ausladenden Kunststoffhutzen: Genuss auf eine ganz eigene Art. Ob das Ding genauso wild fährt, wie es aussieht? Ausprobieren!
Die Sitzposition entspricht schon mal nicht der Erwartung. Überraschend kommod, mit entspanntem Kniewinkel empfängt die Benelli ihren Piloten, lediglich das harte Sitzpolster lässt Böses erahnen. Der Druck auf den Startknopf. Wütend bellt die Benelli den Piloten mehrmals kurz an und rasselt nervös mit der Trockenkupplung, bevor ihr 1131 Kubikzentimeter großer Reihendreizylinder endgültig zum Leben erwacht.
Barsch die Kupplung: schwergängig und mit schlecht fühlbarem Schleifpunkt, verlangt beim Anfahren Konzentration. Die Drehzahlnadel passiert die 3000er-Marke. Ein kurzer Zug am Gasgriff - meine Herrn, hat dieses Mädchen Temperament! Mit der Gewalt einer hungrigen Tigerin hechtet die TnT nach vorne, schnorchelt, schnaubt und zieht dem Reiter die Arme lang. Erst mal langsam kennenlernen? Fehlanzeige! Die Benelli geht gleich voll zur Sache. Erst bei 8500/min versiegt der ungestüme Vorwärtsdrang etwas.
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TnT R 160
Naked Bike
Die Alltagsqualitäten leiden unter der temperamentvollen Abstimmung des Triples. Unter 3000/min ruckelt das Triebwerk spürbar, zudem stören die deutlichen Lastwechsel.
Die Bremse passt ins Bild. Der Mix aus radialer Pumpe, Wave-Scheiben und Brembo-Zangen geht sportlich-aggressiv zu Werke, lässt sich aber prima dosieren. Schattenparker und Warmduscher mögen ein ABS vermissen, doch für diese Klientel ist die Benelli ohnehin die falsche Wahl. Trotz der sportlichen Bremse lässt sich die Benelli nicht ohne Weiteres punktgenau verzögern. Das Hinterrad rattert beim Bremsen und versaut so manchmal den Einlenkpunkt.
Beim harten Ankern auf fiesen Bodenwellen bekommt auch die Gabel Probleme. Trotz straffer Abstimmung schlägt die TnT-Forke dann durch. Auf glattgebügelten Pisten fühlt sich die wilde Italienerin dagegen pudelwohl. Stoisch durcheilt sie weite Bögen, liegt satt und liefert dank der sportlich abgestimmten Federelemente transparentes Feedback. Da verzeiht man ihr, dass sie am Kurvenein- und Ausgang etwas Zug am breiten Lenker braucht, um auf Kurs zu bleiben - trotz handlingfreundlicher Michelin Pilot Power.
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Honda CB 1000 R
Die CB 1000 R ist das glatte Gegenteil. Mit frechem, ansprechendem Äußeren, aber ohne wirklich aus dem Rahmen zu fallen, macht sie es jedem recht. Eine Honda eben.
Draufsitzen, wohlfühlen, losfahren. Alles geht selbstverständlich, alles wirkt auf Anhieb vertraut. Die Leistung entfaltet sich nahezu linear, was die CB im Vergleich zur feurigen Benelli im Drehzahlkeller recht schwächlich erscheinen lässt. Rein messtechnisch sind die Durchzugswerte dank kurzer Übersetzung besser als bei der viel stärkeren Benelli.
Bei zackiger Fahrweise sind deshalb hohe Drehzahlen gefragt - was die Japanerin gar nicht hondalike mit deutlich spürbaren Vibrationen quittiert. Auch in Sachen Lastwechsel ist die Hondaweste nicht blütenrein. Mit einem deutlichen Ruck geht die Honda ans Gas. Dafür ist das Ansprechverhalten vorbildlich. Jeden Dreh am Gasgriff setzt die Honda perfekt dosierbar in Vortrieb um.
Die wahre Stärke der CB ist jedoch der Kurventanz. Mühelos lässt sie sich von einer Schräglage in die nächste werfen, durchwieselt flink wie eine 600er enge Wechselkurven und folgt spielerisch jeglichen Richtungswünschen ihres Fahrers. Verantwortlich für dieses über-raschend agile Handling ist vor allem der im Vergleich zur Konkurrenz schmalere 180er-Hinterreifen.
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Bei allzu heftiger Kurvenjagd bremst das etwas soft abgestimmte Fahrwerk den sportlichen Eifer des Piloten wieder ein. Gabel und Federbein sind sehr komfortabel abgestimmt. In Verbindung mit der weichen Sitzbank genießt der Pilot auf fiesen Holperstrecken zwar sofa-gleichen Komfort, extrem gefahren kommt aber viel Bewegung in die Honda. Bei harten Bodenwellen in Schräglage setzen zudem die langen Angstnippel der recht weit vorn und oben montierten Rasten auf. Auch leidet das Feedback unter der weichen Abstimmung. Die CB informiert ihren Reiter nur sehr verwässert über die Gripverhältnisse an den etwas antiquierten Bridgestone BT 015.
Zumindest beim Bremsen ist dies jedoch nicht weiter dramatisch. Das ABS funktioniert sehr gut, regelt sportlich spät und schützt zuverlässig vor hinterhältigen Vorderradrutschern. Fein dosierbar lässt sich die CB auf der Landstraße so perfekt und punktgenau zu-sammenstauchen. Schön, wenn Bravsein so viel Spaß macht.
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