Vergleichstest: 250er-Enduros Kawasaki KLX 250 gegen Yamaha WR 250 R

Nicht jeder, der gerne Enduro fährt, will in Bestzeit durchs Unterholz preschen oder gar an Wettbewerben teilnehmen. Mit diesen beiden 250er-Enduros darf man es auch mal ruhiger angehen lassen.

Foto: jkuenstle.de
Endurofahrer, die ihrem Hobby ohne sportlichen Ambitionen nachgehen, sind mit der radikalen Auslegung reiner Wettbewerbsenduros schnell überfordert. Und besonders bei weniger geübten Freizeit-Piloten verursacht zu viel Leistung eher Stress denn Fahrspaß.

Da bieten sich die hier vorgestellten Enduros als gemäßigte Alternativen an. Besonders die Kawasaki KLX 250 kommt Geländeneulingen entgegen. Im Vergleich zur Yamaha wirkt die Grüne deutlich zierlicher, schon die mit 900 um 40 Millimeter geringere Sitzhöhe schafft Vertrauen. Die Ergonomie ist insgesamt weniger sportorientiert als bei der Yamaha. Das fängt bei der Sitzbank an, die nicht so spartanisch ausgefallen ist, wenngleich man auch auf der Kawa nach spätestens einer Stunde gern mal im Stehen fährt. Der stählerne Doppelschleifenrahmen trägt vorn eine 43er-Upside-down-Gabel mit Druckstufenverstellung und hinten eine Aluminium-Zweiarmschwinge die sich mittels Umlenkung und voll einstellbarem Federbein am Rahmen abstützt. Insgesamt ist die Abstimmung sehr weich geraten, was für genuss-orientierte Ausritte ab seits der Straße absolut in Ordnung geht. Bei härterer Belastung sowie höherem Tempo kommt die Kawa jedoch schnell an ihre Grenzen. Für gelegentliche Ausflüge auf die Cross-Strecke gibt es geeigneteres Material. Die WR zum Beispiel. Zum einen sind ihre Federwege mit jeweils 270 Millimetern um 15 (vorn) bzw. 30 (hinten) länger, zum anderen ist die Abstimmung des bis auf die Federbasis der Upside-down-Gabel voll einstellbaren Fahrwerks deutlich straffer. Der Rahmen ist ebenfalls als Doppelschleife ausgeführt, besteht aber aus Aluminium und steckt auch sportlichen Einsatz im Gelände locker weg.

Der entscheidende und letztendlich charakterbildende Unterschied zwischen Kawasaki und Yamaha liegt im Antrieb. Obwohl von der Papierform her recht ähnlich, unterscheiden sich die beiden Singles stark. Beide atmen über vier Ventile, die von jeweils zwei obenliegenden Nockenwellen via Tassenstößel betätigt werden. Eine Einspritzung mit 34 (Kawa) bzw. 38 Millimetern (Yamaha) Saugrohrdurchmesser ist für die Versorgung zuständig. Entsorgt werden die Abgase bei Kawa über eine komplett aus Edelstahl gefertigte Auspuffanlage, bei der Yamaha muss herkömmlicher Stahl genügen. Die Kraft wird über ein Sechsganggetriebe ans Hinterrad weitergeleitet.
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Foto: jkuenstle.de
Doch während bei der KLX der Hub 61,2 Millimeter beträgt, sind es bei der WR nur 53,6 Millimeter. Die WR ist also deutlich kurzhubiger ausgelegt, was sie in punkto Drehfreude und Leistungsabgabe in eine höhere Liga katapultiert.

Die Zahlen sprechen für sich: Kawasaki gibt 22 PS bei 7700 Umdrehungen an, Yamaha deren 31 bei 10000 Umdrehungen. Beim Drehmoment sind die Unterschiede nicht ganz so krass, es steht 21 Nm bei 7000 zu 24 Nm bei 8000 Umdrehungen. In der Praxis heißt das, dass die Grüne gegen die Weiße bei den Fahrleistungen keine Sonne sieht. Bei der Höchstgeschwindigkeit steht es 105 zu 130 km/h, bei der Beschleunigung von null auf 100 km/h braucht die Kawa mit 17,6 Sekunden 10,4 länger als die Yamaha. Beim Verbrauch liegen sie mit 3,4 (Kawa) bzw. 3,5 Litern Normal gleichauf. Um flott voran zu kommen, muss die Yamaha einerseits energischer gedreht werden als die Kawasaki. Andererseits kann sie der voll ausgequetschten Kawa immer locker folgen. Beide Hüpfer werden von jeweils einer Bremsscheibe in Vorder- und Hinterrad zuverlässig verzögert, wobei die Yamaha hier mit geringeren Bedienkräften und besserer Transparenz punkten kann.

Mit einem Gewicht von vollgetankt unter 140 Kilogramm sind beide Enduros noch durchaus für den Transport auf der Hecktraverse eines Wohnmobils tauglich, wo sie auf langen Strecken auch am besten aufgehoben sind. Der Transport von Beifahrern ist bei beiden zwar grundsätzlich möglich, aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse aber nur (Körper-)Kontaktfreudigen zu empfehlen.
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Foto: jkuenstle.de
In der Ausstattung unterscheiden sich die beiden Kontrahentinnen nur wenig, die digitalen Cockpits zeigen jeweils nur das Nötigste, hier wie dort sind die Spiegelausleger ziemlich kurz geraten. Die Kawasaki hat neben der bereits erwähnten Edelstahl-Auspuffanlage noch ein kleines Werkzeugtäschchen auf dem hinteren Kotflügel zu bieten. Zudem leuchtet ihr Scheinwerfer die Straße nachts etwas besser aus, ein Flutlicht ist aber auch das nicht. Dafür hat die Yamaha insgesamt eine etwas bessere Wertanmutung und verlangt zudem nur alle 10000 Kilometer (Kawasaki 6000) nach einer Werkstatt.

Bislang spricht also einiges für die Yamaha, doch die große Stunde der Kawasaki kommt beim Bezahlen. Mit 4895 Euro ist sie deutlich von der 5000-Euro-Schwelle entfernt, während die Yamaha mit 6650 Euro in einer Liga spielt, in der schon ausgewachsene Vierzylinder zu haben sind. Eine Yamaha XJ6 Diversion aus demselben Haus kostet zum Beispiel gerade mal 45 Euro mehr. Fazit: Die Kawasaki eignet sich für Leute, die in erster Linie einen günstigen, unkomplizierten und wendigen Untersatz suchen und die abseits der Straße mehr in Richtung Endurowandern denn Crosspiste tendieren. Die Yamaha dagegen ist insgesamt sportlicher und aggressiver und steckt auch Offroad-Einsätze deutlich besser weg als die Kawasaki. Dafür muss man allerdings auch tief in die Tasche langen.
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Technische Daten Kawasaki KLX 250

Motor:
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, eine Ausgleichswelle, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 34 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Kette, Sekundärübersetzung 42:14.
Bohrung x Hub 72,0 x 61,2 mm
Hubraum 249 cm3
Verdichtungsverhältnis 11:1
Nennleistung 16,0 kW (22 PS) bei 7500/min
Max. Drehmoment 21 Nm bei 7000/min

Fahrwerk:
Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, verstellbare Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Scheibenbremse vorn, Ø 250 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 240 mm, Einkolben-Schwimmsattel.
Speichenräder mit Alu-Felgen 1.60 x 21; 2.15 x 18
Reifen 3.00-21; 4.60-18
Bereifung im Test Dunlop D 605

Maße und Gewichte:

Radstand 1430 mm, Lenkkopfwinkel 63,5 Grad, Nachlauf 105 mm, Federweg v/h 255/230 mm, Sitzhöhe* 900 mm, Gewicht vollgetankt* 138 kg, Zuladung* 181 kg, Tankinhalt 7,7 Liter.
Garantie zwei Jahre
Service-Intervalle 6000 km
Farben Grün
Preis 4895 Euro
Nebenkosten zirka 180 Euro *MOTORRAD-Messungen
Foto: jkuenstle.de

Technische Daten Yamaha WR 250 R

Motor:
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile, Tassenstößel, Trockensumpfschmierung, Einspritzung, Ø 38 mm, Lichtmaschine 350 W, Batterie 12 V/6 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 43:13.
Bohrung x Hub 77,0 x 53,6 mm
Hubraum 250 cm3
Verdichtungsverhältnis 11,8:1
Nennleistung 22,6 kW (31 PS) bei 10000/min
Max. Drehmoment 24 Nm bei 8000/min

Fahrwerk:
Doppelschleifenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, Ø 46 mm, verstellbare Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Scheibenbremse vorn, Ø 250 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 230 mm, Einkolben-Schwimmsattel.
Speichenräder mit Alu-Felgen 1.60 x 21; 2.15 x 18
Reifen 80/100 R 21; 120/80 R 18
Bereifung im Test Bridgestone TW 301/302

Maße und Gewichte:
Radstand 1420 mm, Lenkkopfwinkel 64,0 Grad, Nachlauf 111 mm, Federweg v/h 270/270 mm, Sitzhöhe* 940 mm, Gewicht vollgetankt* 136 kg, Tankinhalt 7,6 Liter.
Garantie zwei Jahre
Service-Intervalle 10000 km
Farben Blau/Weiß
Preis 6650 Euro
Nebenkosten zirka 170 Euro *MOTORRAD-Messungen
Zeichnung: Archiv

MOTORRAD-Messungen

Der Unterschied zwischen den Leistungskurven sieht nicht nur dramatisch aus, er fühlt sich in der Praxis auch genau so an. Dort, wo der Kawa langsam die Luft ausgeht, fängt die Yamaha an, sich wohl zu fühlen und die Muskeln spielen zu lassen. Höchstgeschwindigkeit (Herstellerangabe)
 Hersteller Km/h
 Kawasaki 105
 Yamaha 130


Beschleunigung

 Hersteller 0-100 km/h
 Kawasaki 7,2 sek
 Yamaha 17,6 sek


Durchzug
 Hersteller 60-100 km/h
 Kawasaki 9,2 sek
 Yamaha 17,5 sek


Kraftstoffverbrauch (Landstraße)
 Hersteller Liter/100 Km
 Kawasaki Normal 3,4
 Yamaha Normal 3,5


Theoretische Reichweite (Landstraße)

 Hersteller Km
 Kawasaki 217
 Yamaha 226
Foto: jkuenstle.de

MOTORRAD-Testergebnis

Platz 1: Yamaha WR 250 R
Funktional hat sich die Yamaha den ersten Preis redlich verdient. Sie ist schneller, stärker, straffer und spritziger. Das lässt sie sich aber auch teuer bezahlen.

Platz 2: Kawasaki KLX 250
Sie nur auf Preis und Sitzhöhe zu reduzieren (beides niedrig), wird der Kawa nicht gerecht. Als flotter City-Hüpfer oder beim gemütlichen Enduro-Wandern macht sie eine gute Figur.

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