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Reiseenduro-Vergleich - großes Finale BMW R 1200 GS im Vergleichstest

Man darf nicht mehr aus Eimern saufen, deutscher Filterkaffee ist von den meisten Karten verschwunden. Mallorca beeindruckt auf dem Motorrad mehr als im Ballermann. Erst recht zum Finale des großen Reiseenduro-Vergleichstests.

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Die ersten beiden Etappen des größten MOTORRAD-Reiseenduro-Vergleichstests der letzten Jahre liegen hinter den neun Maschinen. Dass sich das Feld der Multitools mittlerweile derart vergrößert und aufgespalten hat, liegt nicht zuletzt an der Attraktivität dieses Motorrad-Segments. Kontinuierlich steigende Marktanteile forcieren den Entwicklungsaufwand der Hersteller.

Großes Finale mit allen neun aktuellen Reiseenduros.
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Fünf kräftig renovierte Reiseenduros

Mit der BMW R 1200 GS, der Ducati Multistrada, der KTM 1190 Adventure, Triumph Tiger 1050 Sport und ihrer Schwester, der Tiger Explorer XC, wurden für diese Saison immerhin fünf der Zweirad-SUV kräftig renoviert oder ganz neu konstruiert. Zudem geben dieser Kategorie auch neu -ausgerichtete Konzepte einen Schub. Die Triumph Tiger 1050 Sport, die Kawasaki Versys 1000 und - entgegen aller Marketing-Bemühungen - auch die Ducati Multistrada 1200 S Touring bekennen sich mit 17-Zoll-Vorderrädern eindeutig zum in der Praxis ohnehin vorherrschenden Asphalteinsatz.

Mit unterschiedlichem Erfolg. Die eher sportlich denn universell ausgerichteten Kawasaki Versys 1000 und Triumph Tiger 1050 Sport büßen in der zusammengefassten MOTORRAD-1000-Punkte-Wertung für ihren Mut zur Lücke mit den roten Laternen. Die aufwendig entwickelte, sorgsam ausgestattete und für das Jahr 2013 mit Skyhook-Fahrwerk und Doppelzündung modifizierte Ducati Multistrada 1200 S landete dagegen mit Platz drei hinter den von Grund auf neu entwickelten BMW R 1200 GS und KTM 1190 Adventure auf dem Siegerpodest. Nur knapp geschlagen geben muss sich die mit Speichenrädern und diversem Zubehör aufgerüstete Triumph Explorer XC auf Rang 4. Gefolgt von dem für dieses Jahr unveränderten Quartett aus Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré, Honda Crosstourer, Kawasaki Versys 1000 und Moto Guzzi Stelvio.

Foto: Künstle

Doch ändern sich die Kräfteverhältnisse, wenn weder Garantie noch Inspektionsintervalle oder Messwerte zählen? Wenn ausschließlich die Kernkompetenzen dieser Maschinen, die Reise-, Landstraßen- und Offroad-Qualitäten in den Fokus rücken? Und diese Fähigkeiten in einem, den jeweiligen Ergebnissen hinterlegten Kriterienkatalog bewertet werden? Eine Tour nach Mallorca soll die Antwort geben. Wobei der Deutschen liebste Ferieninsel zunächst selbst für eine Überraschung sorgt. Die Vielfalt, welche die knapp 400 Kilometer lange Runde gerade aus der Sicht des Motorradfahrers zu bieten hat, überwältigt. Nach dem Einrollen auf den zumindest in der Vorsaison verkehrsarmen Straßen des Südens euphorisiert das Fahrerlebnis im nördlichen Teil Mallorcas, dem Tramuntana-Gebirge, geradezu.

Die oft sehr gut asphaltierten Auf- und Abstiege - beispielsweise nach Sa Calobra, rund um den Puig Major oder die stetig an- und absteigende Küstenstraße in Richtung Westen - vermischen alpines Fahrgefühl mit mediterraner Optik. Einzige Einschränkung: Heerscharen von Rennradfahrern - es sollen zwischen März und Mai um die 100.000 sein - erfordern Rücksichtnahme und wache Sinne. Was übrigens nicht nur für Touren auf Mallorca gelten sollte. In diesem Sinne: Vamos, Amigos - auf geht’s!

Alle Teile des Reiseenduro-Vergleichstest 2013

Reise-Wertung

Der Weg ist das Ziel? Nicht zuletzt die ausgeprägten Reisequalitäten haben mit zur Popularität des Reiseenduro-Segments beigetragen. In der Tat stehen die Langstreckenqualitäten der Reiseenduros kaum hinter denen spezialisierter Tourer zurück.

Hoffentlich stimmt der Wetterbericht. Ab morgen soll es schön werden – auf Mallorca. Hier, kurz vor Orange, orakelt auch der ­beschwörende Name der südfranzösischen Autobahn keine Besserung herbei. Denn auf der Autoroute du Soleil, der Autobahn der Sonne, regnet es. Seit Stunden sehen wir kaum mehr als die Gischt der Lkws, hocken regungslos mit eingezogenem Genick auf den Reiseenduros. Wobei, es hätte schlimmer kommen können. Zum Beispiel auf Sportlern, Naked Bikes oder Cruisern. Wenn der Fahrtwind unablässig am Helm zerrt, versucht, die Nässe durch jede noch so kleine Pore der Fahranzüge zu drücken, und peu à peu die Wärme aus dem Körper zieht.

Foto: Künstle

Windschutz, Wetterschutz

Im Vergleich dazu fühlen wir uns auf den Reiseenduros so kuschelig wie auf großen Tourern. Die aufragenden Scheiben der mächtigen Maschinen parieren die Tiefdruck-Attacken mit Bravour. Wer kann, hat die Schilder in der höchsten Position arretiert. Klaus auf der für dieses Jahr kräftig überarbeiteten Triumph Tiger 1050 Sport besitzt die schlechtesten Karten. Trotz Tourenscheibe (Aufpreis: 219 Euro) hält die Front der Triumph Tiger 1050 Sport nur das Gröbste fern. Und schützende Handschalen kosten noch mal 99 Euro Aufpreis.

Sven auf der Kawasaki Versys 1000 leidet ebenfalls. Die mit zwei Rändelschrauben nur im Stand hochfahrbare Originalscheibe fällt recht klein aus, ein Nachrüstschild ist nicht erhältlich, Handschalen auch nicht. Ein Glück, dass Karsten auf der Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré Worldcrosser und Winfried auf der Honda Crosstourer die Scheiben schon vorab in der höchsten Stellung montiert haben. Zwar mussten sie umständlich mit Werkzeug hantieren, doch vor allem der hohe Nachrüstschild der Honda Crosstourer (159 Euro) überzeugt. Genauso wie der Rest der Neuner-Gruppe. Ob hinter der Tourenscheibe der KTM 1190 Adventure (119 Euro), dem Windabweiser der Moto Guzzi Stelvio 1200 8V oder dem auf den ersten Blick zierlich wirkenden Schild der Ducati Multistrada 1200 S Touring – hinter ­allen dreien sitzt es sich gut geschützt.

Foto: Künstle

Sitzkomfort, Spritverbrauch

Am breitesten grinsen dürfen aber Helmut und Stefan auf der BMW R 1200 GS und der Triumph Tiger Explorer XC. Der Windschutz der BMW R 1200 GS ist gelungen und kann – wie derjenige der Ducati Multistrada 1200 S – während der Fahrt mit einer Hand kinderleicht justiert werden, während der Arbeitsplatz auf der Triumph Tiger Explorer XC den Orkan ebenso effektiv einbremst. Oder sagen wir den Regen. Denn es prasselt nach wie vor wie aus Kübeln. Nicht zu ändern. Goutieren wir einfach den Komfort, den uns diese Maschinen bieten. Allein die Sitze. Kuschelig, schnuckelig.

Deluxe-Sessel bietet das Quartett aus der BMW R 1200 GS, der Moto Guzzi Stelvio, der Triumph Explorer XC und der Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré. Nicht zu hart, nicht zu weich, nicht zu breit, nicht zu schmal. Geeignet für die unendlichen Ritte. Fast genauso weit reicht der Komfort auch in den Sätteln der Honda Crosstourer und Kawasaki Versys 1000, während die Polsterung der Ducati Multistrada 1200 S und der KTM 1190 Adventure etwas spartanischer ausfiel. Beide würden mit Zubehör-Sitzbänken (Ducati: 201/126 Euro, KTM: je 237 Euro) wahrscheinlich mehr Flauschigkeit bieten. Nur der Fahrer der Triumph Tiger 1050 Sport muss sich wieder bescheiden. Der enge Kniewinkel passt zum sportlichen Eckenwetz, aber nicht für die Autobahn.

Seinem Passagier geht’s nicht viel besser. Beifahrer residieren am allerliebsten auf dem generösen Pullman-Soziussitz der Moto Guzzi Stelvio 1200 8V. Eventuell lassen sie sich noch von den kommoden Polstern der BMW R 1200 GS und der Triumph Tiger Explorer XC locken oder geben sich vielleicht mit dem Beifahrersitz der kaum weniger komfortablen Honda Crosstourer, Kawasaki Versys 1000 und Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré zufrieden. Gegenüber so viel Opulenz verlieren selbst die grundsätzlich geräumigen, aber strafferen Sozius-Sitzgelegenheiten der Ducati Multistrada 1200 S Touring und KTM 1190 Adventure etwas an Reiz.

Winnie sticht mit der Honda Crosstourer an der Gruppe vorbei nach vorn. Das Signal zum Tanken. Der Spritstopp hat auch was Gutes. Es ist für ein paar Minuten trocken. Und was sich jetzt andeutet, wird die Verbrauchsmessung am Ende der Mallorca-Tour bestätigen: Im Vergleich zur standardisierten, moderat gefahrenen MOTORRAD-Verbrauchsrunde genehmigen sich die Motoren mit Beladung und unter stetig wechselnden Fahrbedingungen gut einen Liter mehr Sprit auf 100 Kilometer. Die Relationen bleiben trotzdem gewahrt. Am genügsamsten zeigt sich die BMW R 1200 GS mit 5,9 Litern, am durstigsten die Honda Crosstourer mit 6,9 Litern Verbrauch. In Sachen Reichweite setzt die Moto Guzzi Stelvio 1200 8V mit ihrem riesigen 32-Liter-Spritfass dennoch einen einsamen Rekord: 478 Kilometer!

Hauptständer für die Kettenpflege

Bevor wir die Motorräder abbocken, ein kurzer Check. Die Antriebsketten der Ducati Multistrada 1200 S, Kawasaki Versys 1000, KTM 1190 Adventure und Triumph Tiger 1050 Sport sind vom Regen blitzblank gewaschen. Stefan auf der Triumph Explorer XC wirft als Kardan-Fan dem Quartett nur einen mitleidigen Blick zu. Wir wissen, was er denkt. Zudem passt an die Kawasaki Versys 1000 wegen des ­Auspuffsammlers nicht einmal ein Hauptständer, an der Honda Crosstourer, der KTM 1190 Adventure und der Triumph Tiger 1050 Sport kostet er Nachschlag.

Foto: fact

Sitzhöhe, Handling im Stadtverkehr, Koffervolumen

Wir tauschen die Motorräder. Erstaunlich, wie spürbar sich jeder Zentimeter Sitzhöhe auswirkt. Während es – trotz der in der Höhe justierbaren Sitzbänke von BMW R 1200 GS, KTM 1190 Adventure, Moto Guzzi Stelvio 1200 8V, Triumph Tiger Explorer XC und Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré Worldcrosser – bei der Mehrzahl der hochbeinigen Riesen-Offroader für den Aufstieg einen Schuss Sportlichkeit braucht, fühlen sich die nur zwei Zentimeter niedrigeren Ducati Multistrada 1200 S, Kawasaki Versys 1000 und Triumph Tiger 1050 Sport im Vergleich zum Rest wie Minibikes an.

Nur noch ein paar Kilometer bis zum Fährhafen in Barcelona. Der Verkehr quetscht sich durch die katalanische Metropole, und wir uns zwischen den Autoschlangen hindurch. Abermals zählt jeder Zentimeter, diesmal in der Breite. Mit der Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré bleibt am meisten Sicherheitsabstand. Nur 90 Zentimeter breit sind ihre Koffer, reichen mit 61 Litern Inhalt aber auch nur für das schmale Urlaubsgepäck.

Am sperrigsten zeigt sich die ­Triumph Tiger 1050 Sport. Die ungute Kombination breiteste Koffer (106 Zentimeter) und kleinstes Fassungsvermögen (56 Liter) ­demonstriert wieder einmal: Reisen sind einfach nicht die Stärke der Triumph Tiger 1050 Sport. Eher schon die der Honda Crosstourer, KTM 1190 Adventure und Moto Guzzi Stelvio 1200, die mit riesigen – im Fall der Honda Crosstourer und KTM 1190 Adventure dennoch schmalen – Koffern brillieren. Übrigens: Die Moto Guzzi Stelvio 1200 wurde für den Test ohne Koffer ausgeliefert, die ­Erfahrungen mit ihnen von früheren ­MOTORRAD-Tests übernommen.

Einfach ­genial: die um jeweils 55 Millimeter ausfahrbaren Variokoffer der BMW R 1200 GS. An- und abgebaut sind die Boxen heutzutage bei allen Systemen im Handumdrehen. Nur die ­Verriegelung der Yamaha-Koffer geriet ­umständlich und hakelig. Serienmäßig mitgeliefert werden die für ­diese Motorrad-Spezies eigentlich unabdingbaren Staukästen übrigens nur an der Ducati Multistrada. Die Zuschläge sind teilweise beträchtlich.

Wir reihen uns zwischen Wohnmobilen und Lkws in der Warteschlange für die Fähre ein. Klar ist: Die Stärken des eher sportlich orientierten Trios aus Ducati, Kawasaki und der Triumph Explorer liegen nicht auf der langen Tour. Hier erstaunt die Moto Guzzi Stelvio 1200 (großes Gepäckvolumen, riesige Reichweite, guter Wetterschutz), überzeugt die Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré (erstklassiger Sitzkomfort, reaktionsarmer Kardan), brilliert die Honda Crosstourer (bulliger ­Motor, viel Stauraum), fasziniert die KTM 1190 Adventure (große Koffer, spurstabiles Fahrwerk), bleibt sich die Triumph Tiger Explorer XC treu (seidenweicher Motor, gelungener Windschutz) und setzt sich letztlich doch die BMW R 1200 GS durch (Abstimmbarkeit ESA-Fahrwerk, wertiges Gepäcksystem, eindrucksvolle Fahrstabilität). Es hat aufgehört zu regnen. Ein Fingerzeig von Petrus? Hoffentlich.

Reise-Wertung
1. BMW R 1200 GS
2. Triumph Tiger Explorer XC
3. KTM 1190 Adventure
4. Honda Crosstourer
4. Moto Guzzi Stelvio 1200 8V
4. Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré Worldcrosser
7. Ducati Multistrada 1200 S Touring
8. Kawasaki Versys 1000
9. Triumph Tiger 1050 Sport

Alle Teile des Reiseenduro-Vergleichstest 2013

Foto: Künstle

Offroad-Wertung, Gewichte

Wo der Asphalt endet, ist für Reiseenduros noch lange nicht Schluss. Geländetauglichkeit ist auch ein wichtiges Element zur Universalität dieser großen Motorräder. Was geht mit den Dickschiffen? Und vor allem mit welchem?

Knarzend senkt sich die Ausfahrrampe der Fähre. Hinter den Hafengebäuden sehen wir bereits die imposante Kathedrale von Palma de Mallorca hervorragen. Offensichtlich war es doch ein Zeichen von Petrus gestern Abend. Keine Wolke am Himmel, ein warmer Wind – Punktlandung. Doch wo genau? Johannes Pfaff könnte Bescheid wissen. Sven, unser Power-Urlauber, kennt den deutschen Besitzer einer Motorradvermietung auf Mallorca. Kurs Südost. 40 Minuten später fallen wir bei Mallorquin Bikes in Felanitx ein. Besitzer ­Johannes ist zwar von den Socken, doch ab sofort haben wir einen Fremdenführer.

Wollt ihr gleich ins Gelände? Bevor wir Nein sagen können, biegt Johannes mit ­seiner BMW F 800 GS auf einen Feldweg ab. Wir folgen und sinnieren. Was darf solchen Schlachtrössern abseits der Straße überhaupt zugemutet werden? Mindestens sieben Zentner schwer, wenigstens 12000 Euro teuer – keine Parameter, die zum Ausflug in den Sandkasten animieren. Trotzdem: Heerscharen von Globetrottern haben bewiesen, was mit diesen Reiseenduros im Gelände möglich ist. Johannes kennt das Netz der hiesigen Schotterwege wie das Blumenbeet in seinem Vorgarten. Doch müssen die Grenzen so schnell ausgelotet werden? Der Boden ist steinig. Wer nicht aufpasst, dem wirft ein Felsbrocken das Vorderrad schnell aus der Spur. Stehend fahren verschafft bessere Übersicht.

Sofort fällt der schlanke Knieschluss der BMW R 1200 GS und der Yamaha XT 1200 Z Super Téneré auf. Überhaupt kommt die Super Ténéré dem Fahrgefühl eines Rallye-Motorrads am nächsten. Schön austariert und neutral positioniert der Worldcrosser seinen Piloten. Ob Ex-Dakar-Sieger Peterhansel bei der Entwicklung Probe gesessen hat? Mag sein, der muss ja auch selten abstützen. Wir schon. Bereits bei der geringsten Schlagseite sind die Big Bikes nur noch mit viel Kraft zu halten. Oder gar nicht mehr. Winfried auf der Honda Crosstourer, Sebastian auf der Moto Guzzi Stelvio 1200 und Stefan auf der Triumph Tiger Explorer wird allein beim Gedanken daran mulmig. Stattliche 40 Kilogramm liegen zwischen den drei mit rund 290 Kilogramm (inklusive Koffern) Schwersten und den drei Leichtesten, der Kawasaki Versys 1000 (250 kg), der KTM 1190 Adventure (252 kg) und dem Modellathleten Ducati Multistrada 1200 S (245 kg).

Foto: Künstle

Bodenfreiheit, Steinschlagschutz, Federwege

Der Weg verjüngt sich zu einem schmalen, von Steinstufen durchsetzten Pfad. Ratsch – Metall auf Stein klingt nicht gut. Die Triumph Tiger und die Kawasaki schrappen mit den Auspuffsammlern über die Felskanten. Auch die Ducati klatscht früh auf Grund. Fluch der 17-Zoll-Räder – und der konzeptionellen Ausrichtung. Mit Dreck haben Kawasaki Versys 1000 und Triumph Tiger 1050 Sport eben wenig am Hut. Und auch die Ducati Multistrada 1200 S Touring fühlt sich trotz aller Marketing-Bemühungen und „Enduro“-Abstimmungsmöglichkeiten des elektronischen Fahrwerks auf solchen Pisten unwohl. Einen Motorschutz haben alle drei sowieso nicht. Wie auch die Honda Crosstourer , die – wie die Moto Guzzi Stelvio – selbst hier mit ihren Pfunden zu kämpfen hat. Sie müssen neidlos das Feld für das Spitzenquartett aus BMW R 1200 GS, KTM 1190 Adventure, Triumph Explorer und Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré freigeben. Ausreichend Bodenfreiheit (Rekordhalter: BMW mit 20 Zentimetern) und stabile Motorschutzplatten aus Alu (bei KTM nur als Nachrüstteil für 247 Euro) deuten an, wer’s im Gelände ernst meint. Ob’s für den Holperstreckeneinsatz die gegenüber Gussrädern ausgeprägtere ­Elastizität von Speichenrädern unbedingt braucht? Wer weiß. Die artgerechte Optik spricht auf jeden Fall für die allesamt schlauchlosen Drahtspeichenräder.

Besagte Vierergruppe hat eine Lücke gerissen. Wir warten auf die Nachzügler, kontrollieren die Fahrwerksabstimmung. Denn BMW R 1200 GS, KTM 1190 Adventure und Ducati Multistrada 1200 gehen in Sachen Elektronik in die Vollen, lassen Dämpfung, Ansprechverhalten und sogar Motorleistung per Knopfdruck anpassen. Korrekt, die Displays zeigen den Enduro-Modus.

Weiter geht’s. Die Orientierung haben wir längst verloren. Johannes nicht. Noch immer holpern wir unablässig hinter ihm über mallorquinische Karrenwege. Zusehends separiert sich auch die Führungsriege. Der Explorer und der Super Ténéré fällt es im direkten Vergleich immer schwerer, ihre Masse zu kaschieren. Relativ früh schlagen die komfortabel abgestimmten Federelemente bei Kanten durch. Es braucht ­etwas Zurückhaltung und Vorausschau für den Geländeritt. Bei der Yamaha XT 1200 Z Super Ténérße weniger, bei der Triumph Tiger 1050 Sport mehr. Die BMW R 1200 GS (260 kg) und die nochmals acht Kilo leichtere KTM 1190 Adventure arbeiten sich deutlich weniger durch die Federwege, schaukeln sich auch durch Mulden geringer auf. Vor allem das Dynamic ESA der BMW R 1200 GS brilliert, hält das Motorrad auffallend ­homogen ausbalanciert und bietet zudem – vor allem an der Gabel – größere Durchschlagsreserven als die KTM 1190 Adventure.

Foto: Künstle

Elektronische Helfer, ABS

Zurück zur Elektronik: Deren mäßigender Eingriff auf das Ansprechverhalten oder die Leistungsentfaltung der Motoren darf gerade bei diesem Duo nicht überschätzt werden. Der Schlupf, den die Bits und Bytes zulassen, reicht, um ängstliche Naturen ins Schwitzen zu bringen und versierten Piloten mit den spritzigen Motoren Offroad-Spaß zu bereiten. Übrigens: Mit dem optionalen Enduro Pro-Stecker bietet BMW für die R 1200 GS eine noch aggressivere Abstimmung an. Doch die ist nur für Stollenbereifung vorgesehen und wurde nicht getestet.

Die Zivilisation hat uns wieder. Ein Wegweiser „Cala Torta“ führt uns eine verfallene Straße zum Strand hinab. Querrinnen zwingen immer wieder zum heftigen Abbremsen. Dank ABS kein Problem. Die Zeiten, in denen desorientierte Blockierverhinderer nach solchen Bodenwellen in Panik gerieten und Ross mit Reiter ungebremst in die Büsche schickten, sind längst vorbei. Was die aktuellen Systeme im Gelände leisten ist phänomenal. Selbst Profis werden eine Vierteltonne Reiseenduro auf Schotter ohne ABS nicht früher zum Stehen bringen. Sicherer schon gar nicht. Zumal die Entwicklung voranschreitet. Denn mit BMW, Ducati und KTM erzielten genau die drei Hersteller die besten Werte, die an ihren Maschinen die neueste ABS-Technik einsetzen.

Johannes grinst. Er hat gut lachen mit den Stollenreifen auf seiner BMW F 800 GS. Schieben die Softenduro-Pneus auf festem Lehm noch ordentlich voran, bringen die kurzen Sandstücke oder schmierige Wasserdurchfahrten die Pellen blitzartig an ihre Grenzen. Vortrieb und Seitenführung fallen in solchen Situationen auf null. Schwacher Trost: Nun hat auch die neue BMW R 1200 GS – wie alle anderen Maschinen außer der Moto Guzzi Stelvio 1200 und der Triumph Tiger Explorer – für den Fall eines Falles ein abschraubbares Rahmenheck.

Uns tropft der Schweiß aus den Helmen. Zumindest auf trockenem Terrain ermöglichen diese Ungetüme im Gelände durchaus anspruchsvolle Ritte. Nur die 17-Zoll-Liga­ (Kawasaki Verys 1000, Triumph Tiger 1050 Sport, Ducati Multistrada 1200 S) muss relativ früh passen. Die Gewichtigen (Honda Crosstourer, Moto Guzzi Stelvio 1200, Triumph Tiger Explorer, Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré) müssen trotz ordentlicher Auftritte einfach ihren Pfunden Tribut zollen. Letztlich geht das Spitzenduell zwischen BMW und KTM abseits des Asphalts zugunsten der Bayerin aus. Das ­Dynamic ESA hält die BMW R 1200 GS in jeder Situation ­gekonnt in Balance und bietet erstaunliche Reserven; die Ausgewogenheit des Boxers, besonders bei moderatem Tempo, ist ohnehin legendär. Kein Beinbruch: Hardcore-Offroader wissen sich leicht zu trösten – mit der KTM 1190 Adventure R.

Offroad-Wertung
1. BMW R 1200 GS
2. KTM 1190 Adventure
3. Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré Worldcrosser
4. Triumph Tiger Explorer XC
5. Ducati Multistrada 1200 S Touring
6. Moto Guzzi Stelvio 1200 8V
7. Honda Crosstourer
8. Kawasaki Versys 1000
9. Triumph Tiger 1050 Sport

Alle Teile des Reiseenduro-Vergleichstest 2013

Foto: Künstle

Landstraßen-Wertung, Reifen

Der Geist des Motorradfahrens besteht aus dem gepflegten Kurventwist – möglichst weit abseits der Verkehrsströme. Mit langhubigen Federungen, druckvollen Motoren und neutralem Handling haben die Reiseenduros beste Anlagen für den Spaß auf der Landstraße.

Jede Menge Rennradfahrer. Wir wussten, dass Mallorca als Mekka des Radsports gilt. Doch diese Dimension hätte keiner von uns erwartet. Zig, nein Hunderte von Radlern schrauben sich mit uns die Auffahrt zum Mirador del Mal Pas hoch. Glatter Asphalt und tolle Ausblicke locken – und für uns motorisierte Biker die Chance auf prickelnde Schräglagen. Nicht hektisch werden. Auf diesem Bilderbuch-Asphalt kann ja jeder angasen. Nur wenige Kilometer weiter Richtung Cap Formentor wird die Straße holpriger. Die Radler fahren auf ihren hart aufgepumpten Reifen Schlangenlinien um die Schlaglöcher. Reiseenduros spielen gerade hier ihre üppigen Federwege aus.

Von Hektik ließe sich Sebastian auf der Moto Guzzi Stelvio ohnehin nicht anstecken. Denn asphaltierte Unbill jeder Art prallt an der massigen Italienerin wirkungslos ab. Sauber und unbeeindruckt zieht sie ihre Bahn, revanchiert sich für ihre mäßige Schräglagenfreiheit mit guten Bremsen, ­ordentlicher Rückmeldung, mäßigen Kardanreaktionen und eben der ihr eigenen Souveränität.

Während die Honda Crosstourer gerade hier Mühe hat, die Contenance zu bewahren. Die mit dem längsten Radstand und flachsten Lenkwinkel genetisch eigentlich vorgegebene Ruhe vereiteln der Honda Crosstourer die dicken Speckröllchen, die weiche Federung und die schwache Dämpfung des ­Federbeins.

Auch ohne Hightech à la BMW R 1200 GS, Ducati Multistrada 1200 S oder KTM 1190 Adventure bügelt das Fahrwerk der Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré restlos alles flach. Beeindruckend. Erst recht, weil auch der ohne technischen Schnickschnack wie Momentabstützung konstruierte Kardanantrieb ­völlig reaktionsfrei seinen Job erledigt, die Neutralität der mit 150er-Reifen schmal ­besohlten Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré zusätzlich ­unterstützt. Einziges Manko: Der Metzeler Tourance EXP fühlt sich am Vorderrad schwammig an, ­vermittelt eine diffuse Rückmeldung.

Und benimmt sich in dieser Beziehung trotzdem noch besser als sein Markenkollege auf der Triumph Tiger Explorer. Die ebenfalls Tourance EXP-bereifte Front der Triumph Tiger Explorer walkt undefiniert durch die zerfurchten Kurven, betont das stattliche Gewicht der XC noch mehr. Wenigstens rettet der schmale hintere 150er-Reifen ihr Handling.

Die Triumph Tiger 1050 Sport hingegen schlingert über Verwerfungen, als ­würde die harte Brandung des nahen Mittelmeers an ihre Flanken klatschen. An den Reifendimensionen kann’s kaum liegen. Die Triumph Tiger 1050 Sport rollt wie die Kawasaki Versys 1000 ebenfalls auf einem 180er-Hinterreifen, die Ducati Multistrada 1200 S gar auf einem 190er – und beide tun das deutlich unaufgeregter. Immerhin steckt die Federung ordentlich was weg und filtert das Geholpere sensibel.

Foto: Künstle

Kurvenverhalten

Der Leuchtturm des Cap Formentor lugt schon hinter den Felsformationen hervor. Allmählich ebbt auch der Radlerstrom ab. Gut so, denn mit der BMW R 1200 GS, der Ducati Multistrada 1200 S, der Kawasaki Versys 1000 und der KTM 1190 Adventure lässt sich ein zügigerer Rhythmus anschlagen. Wie mit dem Zirkel geschlagen stechen die vier durch die Schwünge.

Vor allem die unscheinbare Kawasaki Versys 1000 überrascht. Mit tollem Gefühl fürs Vorderrad findet die Kawasaki Versys 1000 präzise die Spur, lässt sich locker abklappen. Die komfortable Federung nimmt den Asphaltverwerfungen die Spitzen.

Bravourös biegt auch die KTM 1190 Adventure um die Ecken. Zwar einen Tick weniger aggressiv und weniger handlich als die Kawa, doch krallt sich die Österreicherin vertrauenserweckend in den rauen Teer. Sicher hilft – wie bei der Ducati Multistrada 1200 S und der BMW R 1200 GS – auch der schnelle Druck aufs Elektronikknöpfchen. Der Street-Modus öffnet die Dämpfung von Gabel und Federbein, lässt die Räder dem Holperbelag leichter folgen. Kein Aufschaukeln, kein Pumpen, einfach gut.

Nach Kritik von MOTORRAD in Heft 4/2013 an der unkommoden Abstimmung des elektronischen sogenannten Skyhook-Fahrwerks am Vorserienmodell rehabilitiert sich die nun der Serienversion entsprechen­de Ducati Multistrada 1200 S mit weicherer Auslegung. Dass sie auch im Touring-Modus noch immer auf der sportlichen Seite federt und dämpft, nimmt ihr trotzdem keiner krumm. Im Gegenteil. Die Ducati Multistrada 1200 S sticht messerscharf in die Kehren, klappt als leichteste aller hubraumstarken Reiseenduros mit einem bloßen Schenkeldruck ab, zieht unter Zug messerscharf ihre Spur.

Narrensicher sucht auch die BMW R 1200 GS ihre Linie. Ob auf Zug, beim Dahinrollen oder auf der Bremse, das nun in den Road-Modus gezappte Dynamic ESA hält die BMW R 1200 GS auch auf der Landstraße immer erstklassig austariert. Abbiegen, die Linie treffen – ein Kinderspiel.

Ein Erinnerungsfoto vor dem Leuchtturm und ab geht’s Richtung Tramuntana-Gebirge. Nach 30 Minuten winden wir uns den ersten Pass, den Coll de Sa Bataia, hoch. Von riesigen Steinblöcken und mediterraner Flora gesäumte Kurven reihen sich in ­allen erdenklichen Radien aneinander. Ein Traum.

Und wieder lässt sich die Moto Guzzi Stelvio 1200 nicht aus der Ruhe bringen. Kurz über 2000 Touren packt der V2 sanft schüttelnd an, drückt sich unaufgeregt durchs Drehzahlband, ­fordert beim Schalten eine kurze Gedenkpause und ergänzt insgesamt die mächtige Aura dieser Landschaft.

In der Ruhe liegt auch für die Honda Crosstourer die Kraft. Druckvoll und kultiviert schiebt der 76-Grad-Vau-Vier an, lässt nur in engen Kurven beim Lastwechsel seinen Kardanantrieb leise klacken. Tadellos: die fein dosierbare Verbundbremse.

Nach ihrem gelungenen Auftritt in Sachen Fahrwerk, übrigens mit den besten Bremsen von allen, bleibt die Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré gerade hier etwas schuldig. Der in den unteren drei Gängen gedrosselte Motor zieht nur träge aus den Kehren. Dass es erheblich besser ginge, beweisen überarbeitete Steuergeräte, die der Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré im mittleren Drehzahlbereich um bis zu 20 PS zurückgeben.

Auf dem topfebenen Asphalt setzt sich endlich auch einmal die Triumph Tiger 1050 Sport in Szene. Die Kombination aus sportlich-scharfen Bremsen und dem harmonisch einsetzenden, gerade im Bereich um 4000/min erstarkten Dreizylinder rehabilitiert die bei der Anreise und auf der Holperpiste am Cap Formentor enttäuschende Britin. Wohl davon animiert, wirft sich auch ihre Schwester Triumph Tiger Explorer in die Brust. Geschmeidig spricht der dicke Drilling auf den Befehl am E-Gas an, schiebt wie ein Elektromotor mit minimalen Lastwechselreaktionen verzögerungsfrei und mit gemessenen 131 PS kraftvoll voran.

Wir biegen nach Sa Calobra ab. Zwölf Kilometer und 730 Höhenmeter stürzt sich die Straße vom Coll dels Reis bis auf Meereshöhe hinab. Die Nus de sa Corbata, eine einem Krawattenknoten nachempfundene 270-Grad-Kurve, und Serpentinen alpinen Ausmaßes schüren unsere Begeisterung.

Toll, wie flink sich die Kawasaki Versys 1000 durch die Kurven oben windet, mit ihrem Vierzylinder dieses in diesem Segment rare Motorenkonzept wieder ins rechte Licht rückt. Vibrationsarm, druckvoll und drehfreudig, zeigt sich der Versys-Antrieb in jeder Situation souverän und aufgeschlossen.

Unkompliziert gibt sich auch die KTM 1190 Adventure. Trotz immenser Spitzenleistung – gemessenen 147 PS – schmeichelt der 75-Grad-V2 zunächst mit sanftem, kinderleicht zu beherrschendem Antritt, um ab Drehzahlmitte die Ärmel gewaltig hochzukrempeln. Herrlich, diese selbstbewusste Kombination aus Sanftmut und Stärke.

Es sei denn, man steht auf ­weniger zurückhaltende Auftritte. Im Klartext: auf Ducati Multistrada 1200 S. Selbstbewusst arbeitet der L-Twin aus Bologna schon kurz nach 3000 Touren auf sein mit 145 PS fast gleich großes Leistungspotenzial hin, drückt so machtvoll wie kein Zweiter in dieser Riege voran. Selbst für gewöhnlich zurückhaltende Naturen animiert dieser Treibsatz zum hemmungslosen Aufreißen, untermauert in jedem Moment die angeborene Kurvengier dieser Italienerin. Wer so was mag, prego.

Wer nicht, fährt eben BMW. So hieß es früher. Nur: Spätestens mit der neuen BMW R 1200 GS hat diese Erfahrung endgültig ausgedient. Spritzig marschiert der 126 PS starke, wassergekühlte Boxer los, schnalzt fast Ducati-like die Drehzahlleiter hoch, zeigt sich ­munter und frech. Zudem lässt sich die Münchnerin durch den Nickausgleich des Telelevers mühelos zusammenbremsen, beschwingt durch die Kehren wedeln und entscheidet – trotz aller Stärken der Kawasaki Versys 1000, KTM 1190 Adventure und Ducati Multistrada 1200 S – mit einem insgesamt höchst homogenen Gesamtauftritt auch die Landstraßen-Wertung für sich.

Noch einmal genießen wir die Dauerschräglage in der Krawattenkurve, biegen dann in Richtung Westen ab. 120 Kilometer verschlungene Berg- und Talstrecken mit 2600 Höhenmetern liegen noch vor uns. Mallorca – ein Paradies für Rennradler? Für Motorradfahrer erst recht.

Landstraßen-Wertung
1. BMW R 1200 GS
2. Ducati Multistrada 1200 S Touring
2. KTM 1190 Adventure
4. Kawasaki Versys 1000
5. Triumph Tiger 1050 Sport
5. Triumph Tiger Explorer XC
7. Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré Worldcrosser
8. Honda Crosstourer
9. Moto Guzzi Stelvio 1200 8V

Alle Teile des Reiseenduro-Vergleichstest 2013

Foto: Künstle

Fazit

Noch beim letztjährigen Finale des Reiseenduro-Vergleichstests teilten sich die ­Hersteller die Gruppensiege. Die Triumph ­Explorer dominierte das Reise-Ranking, die Ducati Multistrada 1200 S Pikes Peak die LandstraßenWertung und die KTM 990 Adventure die Offroad-Rangliste. Den Gesamtsieg holte die BMW R 1200 GS Rallye – mit drei zweiten Rängen.

An der Nachfolgerin der bisherigen BMW R 1200 GS haben die Münchner gezielt gefeilt. Mit wesentlich verbessertem ESA, Windschutz und Sitzkomfort schob sich die Bayerin in der Reise-Wertung an der Triumph vorbei, mit dem spritzigen Motor, agilem Handling und breit gefächerter Fahrwerksabstimmung in der Landstraßen-Wertung auch an der Ducati. Obendrein hat im Offroad-Segment KTM den Bajuwaren mit der konzeptionell völlig geänderten Basisversion der KTM 1190 Adventure das Feld überlassen. Auch wenn’s noch so langweilig klingen mag: Dreimal Platz 1 ergibt erst recht den Gesamtsieg.

Trotzdem: Gerade die tollen Auftritte der KTM 1190 Adventure und der Triumph Tiger Explorer beweisen, dass Universalität nach wie vor die wichtigste Rolle im Reiseenduro-Segment spielt. Und dass mit der sportlichen Österreicherin und der touristischen Britin letztlich auch zwei technisch völlig unterschiedliche Alternativen zur BMW R 1200 GS in den Startlöchern stehen. Für Fahrer, die den Boxer nicht mögen.

MOTORRAD-Gesamtergebnis

1. BMW R 1200 GS
Reise: Platz 1
Offroad: Platz 1
Landstraße: Platz 1
Die enorme Universalität der neuen GS sucht ihresgleichen. Die BMW R 1200 GS legt die Latte im Reiseenduro-Segment neu auf – und zwar so hoch wie selten zuvor. 

Foto: MOTORRAD

2. KTM 1190 Adventure
Reise: Platz 3
Offroad: Platz 2
Landstraße: Platz 2
Mit ausgewogenem Konzept holt KTM 1190 Adventure die Silbermedaille. Ein toller Einstand der neuen Adventure.

3. Triumph Tiger Explorer XC
Reise: Platz 2
Offroad: Platz 4
Landstraße: Platz 5
Mit ausgeprägten Reisequalitäten erreicht die Triumph Tiger Explorer XC Rang 3 im Vergleich.

Alle Teile des Reiseenduro-Vergleichstest 2013

Foto: Künstle

Daten zu BMW, Ducati und Honda

BMW R 1200 GSDucati Multistrada
1200 S Touring
Honda Crosstourer
ABSzweistufig
(abschaltbar)
dreistufig
(abschaltbar)
einstufig
(nicht abschaltbar)
Koffersystem inkl. Kofferhalter830 €x1330 €³
Fassungsvermögen pro Koffer (l./r.)30-39/20-29Liter28/28 Liter39/35 Liter
Gewicht Koffer (l./r.(6,7/6,8 kg3,4/4,6 kg4,3/4,1 kg
Kofferbreite970/860 mm960 mm940 mm
Innentasche (Set)180 €130 €99 €
Topcase inkl. Träger/Volumen450 €/25-35 Liter706 €/48 Liter773 €/32-39 Liter
Einschlüsselsystem35 €xx
Gepäckbrückex207 €x
Gepäckhakenxxx
Stürzbügel300 €240 €318 €
Motorschutzx--
Staufach in Verkleidung-x-
Höhenverstellbare Scheibestufenlosstufenloszweifach mit
Werkzeug
Tourenscheibe-160 €159 €³
Verstellbare Sitzhöhezweistufig--
Verstellbare Lenkerposition---
Hauptständerxx228 €³
Weitenverstellbare Brems- und
Kupplungshebel
x/xx/xx/x
Verstellbare Federbasis hintenelektronisch¹elektronischstufenlos per
Handrad
Elektronisch einstellbares Fahrwerk755 €¹x-
Heizgriffe/Sitzheizung200 €¹/-x/-331 €/-
Zweiter Tageskilometerzählerxxx
Verbraucheranzeige/Restreichweitex/xx/xx/x
Benzinuhrxxx
Reifenluftdruckkontrolle210 €xx
Ganganzeigexxx
Ölstandsanzeigeelektronisch*
oder Schauglas
SchauglasSchauglas
Außen-/Motortemperaturx/xx/xx/x
Bordsteckdosexx98 €
Zeituhrxxx
LeuchtweitenregulierungHandradelektrischStellrad
Automatische Stabilitätskontrolle
(ASC)
zweistufig
(abschaltbar)²/
300 €
fünfstufig
(abschaltbar)
einstufig
(abschaltbar)
TempomatAktiv-Paket²--
Wegfahrsperrexxx
Navigationssystem675 €--

x = serienmäßige Ausstattung
*nur in Verbindung mit Bordcomputer; ¹enthalten im Touring-Paket (1420 Euro), bestehend aus elektronisch einstellbarem Fahrwerk, Kofferhalter, Abgasanlage verchromt, Heizgriffen, Bordcomputer, Vorbe­reitung für Navigationssystem, LED-Blinker und Handschutz; ²enthalten im Aktiv-Paket (800 Euro), bestehend aus ASC, Tagfahrlicht und Temporegelung; ³enthalten im Travel-Paket (1367 Euro), bestehend aus Koffersatz, Hauptständer und hohem Windschild

Alle Teile des Reiseenduro-Vergleichstest 2013

Foto: Künstle

Daten zu Kawasaki, KTM und Moto Guzzi

 Kawasaki Versys 1000
KTM 1190 Adventure
Moto Guzzi Stelvio 1200 8V
ABS
einstufig
(nicht abschaltbar)
zweistufig
(abschaltbar)
einstufig
(abschaltbar)
Koffersystem inkl. Kofferhalter
715 €¹891 €714 €
Fassungsvermögen pro Koffer (l./r.)
35/35 Liter42/31 Liter37/37 Liter
Gewicht Koffer (l./r.(
3,8/3,8 kg7,2/7,1 Liter4,7/4,6 kg
Kofferbreite
1040 mm980 mm1050 mm
Innentasche (Set)
62 €99 €119 €
Topcase inkl. Träger/Volumen
241 €¹/47 Liter445 €/42 Liter399 €/38 Liter
Einschlüsselsystem
xx-
Gepäckbrücke
xxx
Gepäckhaken
xx-
Stürzbügel
204 €247 €250 €
Motorschutz
-247 €x
Staufach in Verkleidung
-x-
Höhenverstellbare Scheibe
stufentlos ohne
Werkzeug
xstufenlos ohne Werkzeug
Tourenscheibe
-119 €236 €
Verstellbare Sitzhöhe
-x-
Verstellbare Lenkerposition
-x-
Hauptständer
-Elektronik-Paketx
Weitenverstellbare Brems- und
Kupplungshebel
x/-x/xx/x
Verstellbare Federbasis hinten
stufenlos per
Handrad
elektronisch²stufenlos per Hand
Elektronisch einstellbares Fahrwerk
-800 €²-
Heizgriffe/Sitzheizung
238 €/-197³/2 x 237 €231 €/-
Zweiter Tageskilometerzähler
xxx
Verbraucheranzeige/Restreichweite
x/xx/xx/x
Benzinuhr
xxx
Reifenluftdruckkontrolle
-Elektronik-Paket²-
Ganganzeige
-x-
Ölstandsanzeige
SchauglasSchauglasPeilstab
Außen-/Motortemperatur
x/xx/xx/-
Bordsteckdose
94 €xx
Zeituhr
xxx
Leuchtweitenregulierung
mit Werkzeugmit Werkzeugmit Werkzeug
Automatische Stabilitätskontrolle
(ASC)
dreistufig
(abschaltbar)
zweistufig
(abschaltbar)
einstufig (abschaltbar)
Tempomat
---
Wegfahrsperre
xxx
Navigationssystem
---

x = serienmäßige Ausstattung
*nur in Verbindung mit Bordcomputer; ¹enthalten im Grand-Tourismus-Modell (12995 Euro); ²enthalten im Elektronik-Paket (800 Euro), bestehend aus elektronisch einstellbarem Fahrwerk, Reifen­luftdrucküber­wachung und Hauptständer; ³enthalten in der XC-Version

Alle Teile des Reiseenduro-Vergleichstest 2013

Foto: Künstle

Daten zu Triumph und Yamaha

 Triumph Tiger
Explorer XC
Triumph Tiger
1050 Sport
Yamaha XT 1200 Z Super
Ténéré Worldcrosser
ABS
einstufig
(abschaltbar)
einstufig
(abschaltbar)
einstufig
(nicht abschaltbar)
Koffersystem inkl. Kofferhalter
759 €1165 €877 €
Fassungsvermögen pro Koffer (l./r.)
37/25 Liter31/24,5 Liter29/32 Liter
Gewicht Koffer (l./r.(
6,9/6,3 kg6,9/6,5 Liter5,5/5,5 kg
Kofferbreite
960 mm1060 mm900 mm
Innentasche (Set)
125 €109 €90 €
Topcase inkl. Träger/Volumen
614 €/35 Liter673 €/55 Liter383 €/30 Liter
Einschlüsselsystem
xxx
Gepäckbrücke
x205 €x
Gepäckhaken
xxx
Stürzbügel
239 €¹215 €328 €
Motorschutz
x-x
Staufach in Verkleidung
---
Höhenverstellbare Scheibe
fünffach
ohne Werkzeug
-zweifach mit Werkzeug
Tourenscheibe
145 €219 €163 €
Verstellbare Sitzhöhe
zweistufig-zweistufig
Verstellbare Lenkerposition
x--
Hauptständer
x225 €x
Weitenverstellbare Brems- und
Kupplungshebel
x/xx/-x/x
Verstellbare Federbasis hinten
stufenlos
per Handrad
stufenlos
mit Werkzeug
stufenlos per Handrad
Elektronisch einstellbares Fahrwerk
---
Heizgriffe/Sitzheizung
189/319 €205 €/-394 €/-
Zweiter Tageskilometerzähler
xxx
Verbraucheranzeige/Restreichweite
x/xx/xx/ab Reserve
Benzinuhr
xxx
Reifenluftdruckkontrolle
175 €--
Ganganzeige
x--
Ölstandsanzeige
SchauglasPeilstabSchauglas
Außen-/Motortemperatur
x/x-/xx/x
Bordsteckdose
29 €29 €x
Zeituhr
xxx
Leuchtweitenregulierung
mit Werkzeugmit Werkzeugmit Werkzeug
Automatische Stabilitätskontrolle
(ASC)
zweistufig
(abschaltbar)
-zweistufig (abschaltbar)
Tempomat
x--
Wegfahrsperre
xxx
Navigationssystem
---

x = serienmäßige Ausstattung
*nur in Verbindung mit Bordcomputer; ¹enthalten in der XC-Version

Alle Teile des Reiseenduro-Vergleichstest 2013

Foto: MOTORRAD, MairDumont

ABS im Gelände

Eins steht fest: Wer behauptet, eine Vierteltonne Reiseenduro auf Schotter ohne elektrische Assistenz besser zu verzögern als mit einem modernen ABS, der irrt. BMW, Ducati und KTM bieten in ihren Fahrmodi auch Offroad-ABS-Abstimmungen an. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Das in diesem Modus nicht geregelte Hinterrad bringt der KTM jedoch keinen Vorteil.

Bremsweg auf Schotter 60-0 km/h

BMW R 1200 GS, Road-Modus27,5 m
BMW R 1200 GS, Enduro-Modus26,5 m
Ducati Multistrada 1200 S Touring, Touring-Modus32,5 m
Ducati Multistrada 1200 S Touring, Enduro-Modus27,5 m
KTM 1190 Adventure, Street-Modus28,9 m
KTM 1190 Adventure, Offroad-Modus29,0 m
Honda Crosstourer29,8 m
Kawasaki Versys 10030,4 m
Triumph Tiger 1050 Sport32,1 m
Triumph Tiger Explorer XC32,8 m
Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré Worldcrosser33,5 m
Moto Guzzi Stelvio 1200 8v36,9 m

Motorräder mieten in Mallorca

Hand aufs Herz: Mit dem Motorrad per Achse nach Mallorca zu fahren ist im Zeitalter von Billigfliegern teuer und zeitaufwendig. Zudem bietet die 100 mal 80 Kilometer große Insel trotz aller begeisternden Passstraßen nicht genug Strecken, um längere Zeit Abwechslung zu bieten. Ein heißer Tipp für den Motorrad-Trip im Urlaub: die Motorradvermietung von Johannes und Anke Pfaff (www.mallorquin-bikes.de) in Felanitx. Das Schwarzwälder Ehepaar verleiht 40 gut gewartete und aktuelle BMW-Maschinen (F 650/800/1200 GS) und bietet zudem geführte Straßen- und auch Offroad-Touren an.

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