Verkleidung vs. Naked Das muß kesseln in den Ohren

Unverkleidete Motorräder sind mega in, unmenschlich und aerdynamisch betrachtet kompletter Unfug: Ein invernalischer Sturm tobt wenige Millimeter neben den Ohren, der Fahrtwind drückt einem das Helmvisier an die Nase, und mit den Fingern krallt man sich am Lenker fest, um nicht rückwärts vom Bock zu kippen.Die Stirnfläche, die man zum Beispiel auf einem Naked-Bike in die Atmosphäre stanzt, ist zwar in etwa nur genausogroß wie auf einem verkleideten Motorrad gleichen Hubraums, der cw-Wert durch die Verwirbelungen an den vielen Ecken und Kanten aber deutlich schlechter. Schon bei 160 km/h und sitzendem Fahrer wird das Vorderrad um fast 25 Kilogramm »leichter«. Für 200 km/h benötigt der aufrechte Bandit-Treiber theoretisch 88 PS, in der Praxis biegt es wahrscheinlich bei 199 km/h schon die Lenkerenden nach hinten. Liegend sinkt der Luftwiderstand enorm, so daß für diese Marke auch 20 PS weniger ausreichen.Auf einem vollverkleideten Reisedampfer wie der BMW R 1100 RT hat die Haltung des Fahrers kaum Auswirkungen auf den Topspeed. Im cw-Wert mit sitzendem Fahrer schlägt der Boxer sogar die beiden Superbikes und die Yamaha YZF - samt Koffer und Topcase. Ohne Koffer und Topcase sinkt sein cw-Wert sogar auf 0,520. Nur die wuchtige Verkleidung bremst ihn ein: Mit einer Stirnfläche von knapp einem Quadratmeter muß er gegen den Fahrtwind antreten, was ihm bei 200 km/h 84 PS abverlangt.Die Idee ist zwar recht pfiffig, mit der vom Ölkühler kommenden warmen Abluft die Finger des BMW-Treibers zu wärmen, aber effektiv funktioniert sie nicht. Eine am Kühllufteintritt eingeleitete Rauchfahne bestätigt die von MOTORRAD-Testern bereits gemachte Erfahrung mit R 1100 RT: Der Abstand zwischen Hand und Luftaustritt ist zu groß, die Wärme geht vorher verloren.

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