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Yamaha SR 400 und Mash Five Hundred im Test Im Keller des Leistungsdiagramms

Der Vergleichstest von Yamaha SR 400 und Mash Five Hundred ist eine Betrachtung vom unteren Ende der Leistungskurve - und ein Kontrastprogramm zum derzeit grassierenden Leistungsexzess.

Man muss nicht zwingend der Askese huldigen, um dem seit einigen Jahren grassierenden Leistungsexzess nicht nur im Motorradbereich zumindest skeptisch gegenüberzustehen. Manch einer fragt sich nach dem tieferen Sinn, wenn auf der einen Seite des Flures Ingenieure mit großem Aufwand bis zu 200 PS Literleistung in ein Motorrad bauen, und auf der gegenüberliegenden Seite Informatiker mit genau dem gleichen Aufwand diese Leistung mit allerlei elektronischen Helferlein auch für Normalsterbliche fahrbar machen müssen. Ein Paradoxon, von dem unsere beiden Testkandidatinnen meilenweit entfernt sind.

Wer wissen will, wie sich Motorradfahren vor 30 oder 40 Jahren angefühlt haben muss, ist mit den beiden Eintöpfen Yamaha SR 400 und Mash Five Hundred bestens bedient. Fangen wir mit der Yamaha an. 1978 erschienen, verkörperte sie schon damals nicht gerade die Speerspitze der Motorradtechnik. Im Gegenteil. Mit einem Zylinder, selbstverständlich luftgekühlt, zwei Ventilen, ohne E-Starter und sonstigem Schnickschnack, das Ganze verpackt in ein schon damals klassisches Outfit, war sie unbeabsichtigt die erste Vertreterin der Retro-Welle. Dessen ungeachtet verkaufte sie sich in Deutschland zigtausendfach und blieb weitestgehend unverändert bis 1999 im Programm.

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Yamaha SR 400 wird heute noch angekickt

Die aktuelle Yamaha SR 400 hat 2014 bereits 166 Käufer gefunden und ist ihrer Großmutter wie aus den Kühlrippen geschnitten, wenngleich sie nunmehr mit 400 Kubik anstelle des halben Liters Hubraum auskommen muss und eine Einspritzung den Vergaser ersetzt hat. Der Grund für die Hubraumbeschneidung liegt in der japanischen Führerscheinregelung, denn in ihrem Heimatland ist die SR ununterbrochen bis heute im Programm. Wer jemals mit einer alten SR gefahren ist, fühlt sich auf der neuen sofort zu Hause. Schalter, Instrumente, Sitzposition – alles wie gehabt. Und da bis heute der E-Starter fehlt, ist Kicken angesagt. Die Horror-Storys von durch zurückschlagende Kolben gebrochenen Waden und dergleichen mehr waren schon damals Geschichten, die stets nur dem Schwippschwager eines Bekannten eines Bekannten zu Ohren gekommen waren. Dennoch kann sie auch heute noch bei unbedarften Tretern für rote Köpfe sorgen. Dabei hilft ein wenig Gespür für die Materie, den Einzylinder zum Leben zu erwecken: Kickstarter langsam treten, bis der Widerstand erheblich zunimmt, Dekohebel ziehen, noch ein wenig durchtreten – und dann mit Schmackes drauf. Und? Läuft! Dank Einspritzung kalt wie warm stets zuverlässig und mit konstantem Leerlauf.

Von dem satten Einzylinderschlag der Vergangenheit, der einem noch im Ohr hängt, ist leider nur ein müdes Prötteln übrig geblieben. Müde ist leider auch die ­bezeichnende Eigenschaft des Motors. 24 PS sind per se nicht die Welt, und wenn sie so blutarm dargereicht werden wie bei der Yamaha SR 400, hängt der Fahrspaß stark von der gewählten Strecke ab. Merke: Je kleiner, kurviger und verkehrsärmer, desto besser. Der Single fühlt sich zwischen 2500 und 6000/min am wohlsten, dann halten sich die Vi­brationen und der Verbrauch mit 3,6 Litern in Grenzen. Die Schwierigkeiten beginnen, sobald sich Steigungen oder langsamere Verkehrsteilnehmer in den Weg stellen.

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Stolze 5800 Euro gegen 3995 Euro Kaufpreis

Von wegen Dampfhammer! Sobald Leistung gefordert ist, muss erbarmungslos ­gedreht und geschaltet werden. Zwar ent­wickelt der Single ab 6000/min ansatzweise etwas wie Biss, bei 7000 ist aber schon wieder Feierabend. Zudem entspricht die Dreherei definitiv nicht dem Wesen derYamaha SR 400. Immerhin arbeitet die Fünfgang-Schaltbox leichtgängig und präzise. Dafür lässt sich die Yamaha dank ebenso schmaler wie klassisch anmutender Metzeler ME 55-Bereifung kinderleicht abwinkeln. Bei zügiger Gangart kommt aber das recht weich abgestimmte Fahrwerk schnell an seine Grenzen, zudem schraddeln früh die Rasten über den Asphalt. Dafür überzeugt die Bremse mit guter Wirkung bei überschaubarem Krafteinsatz.

Der Verarbeitung und Wertigkeit merkt man die Routine der bis dato 35-jährigen Bauzeit an. Der Preis der Yamaha SR 400 ist mit knapp 5800 Euro ein stolzer, und so wenden wir uns der Mash Five Hundred zu, die für rund zwei Drittel, nämlich 3995 Euro, zu haben ist. Puristen könnten die These aufstellen, dass dieses Bike eine Ansammlung von Unstimmigkeiten ist: Der Markeninhaber betont das Französische an der Mash, obwohl sie aus China kommt. Auf den Seiten­deckeln steht Five Hundred, der Hubraum beträgt aber nur 397 cm³. Das Design bedient sich inklusive Tankpads und Krüm­merführung ungeniert der alten Meriden-Triumph-Twins aus den 1960er-Jahren, ­obwohl der Antrieb von einem Einkolben-Triebwerk erfolgt, welches wiederum den Honda RVFC-Motoren mit radial angeordneten Ventilen zum Verwechseln ähnlich sieht.

Arg passive Sitzposition auf der Mash Five Hundred

Der Pragmatiker hingegen orientiert sich primär am Praktischen und ist erst einmal erfreut. Die Proportionen stimmen, und die einzelnen Bauteile sowie Kleinigkeiten wie Schweißnähte können bei der Mash Five Hun­dred auch auf den zweiten Blick bestehen. Nicht nur die verchromten Schutzbleche, nein auch die Seitendeckel bestehen aus leibhaftigem Blech. Zudem gibt es ab Werk einen Gepäckträger.

Beim Aufsitzen erhält die Freude einen ersten Dämpfer: Aus der Kombination aus hohem und weit nach hinten reichendem Lenker und ebenso hohen und relativ weit vorne liegenden Fußrasten ergibt sich eine gewöhnungsbedürftige, arg passive Sitzposition, die durch das schwache Polster der Sitzbank zudem noch schnell auf den Steiß und somit aufs Gemüt drückt. Dafür erfreut sich der Pragmatiker am E-Starter, der den Single primär zum Leben erweckt. Der ebenfalls vorhandene Kickstarter dient nur als Back-up. Was stört, ist, dass der Motor beim Ausklappen des Seitenständers selbst im Leerlauf ausgeht. Laufen lassen im Stand ist also nicht. Die Alternative Hauptständer scheidet mangels vorhandener Aufnahmen aus. Dafür gibt es den mittlerweile vom Aussterben bedrohten Lichtschalter noch. Allerdings kümmert er sich – man lese und staune – um die Instrumentenbeleuchtung. Ausschließlich!

Beide Motorräder ohne ABS

Doch sobald der Single läuft, treten diese Dinge in den Hintergrund. Den beiden schlanken Schalldämpfern entweicht ein hörbares, doch nicht unangenehmes Bollern, das unter Last von einem vernehm­baren Röhren aus dem Luftfilterkasten unterstützt wird. Im Vergleich zur Yamaha SR 400 geriert sich die Mash Five Hundred nachgerade als Sportskanone. Ab 3000/min legt sich der Single so gut er kann ins Zeug, zwischen 5000 und 7500/min spielt die Musik – danach wird es zäh. Bei 8700/min hat der Dreh­zahlbegrenzer ein Einsehen, laut Ins­trument gäbe es hier noch Luft für 1300 ­zusätzliche Umdrehungen. Im Cruising-­Modus spielt das keine Rolle. Mit 3,3 Litern gibt sich die Mash recht sparsam.

Trotz 19-Zoll-Vorderrad wuselt sie durchaus willig durchs Winkelwerk, wenngleich die Kendo-Reifen nicht das ganz große Vertrauen aufkommen lassen. Das Fahrwerk wartet besonders hinten mit straffer Federung und lascher Dämpfung auf, weswegen kurze, harte Stöße wie zum Beispiel bei Kanaldeckeln ungebremst ins Rückenmark gehen. Die Bremse operiert zwar deut­­lich stumpfer und mit höheren Bedienkräften als die der Yamaha SR 400, ist aber jederzeit Herrin der Lage. Wie bei der SR gibt es auch hier kein ABS.

Resümee

Zeit für ein Resümee: Aufgrund ihrer wertigeren Anmutung und ihrer in sich ­geschlossenen Stimmigkeit darf die Yamaha SR 400 für sich in Anspruch nehmen, das bessere ­Motorrad zu sein. Das, welches mehr Spaß macht, ist ohne Zweifel aufgrund des deutlich lebendigeren Motors dieMash Five Hundred. Und ­solange nicht die Gefahr besteht, mit den Kumpels auf ihren 48-PS-„Raketen“ mithalten zu müssen gilt durchaus: Ein Wochenend mit Sonnenschein und dann mit dir die Straß allein, mehr brauch ich nicht zum Glücklichsein. Wochenend und Sonnenschein.

Foto:

Leistungsmessung

Die Kurven im Diagramm zeigen es deutlich: Die Yamaha SR 400 ist der Traktor der beiden Eintöpfe. Dank großer Schwungmasse läuft der Zwei­ventiler bereits ab 2000 Touren rund und willig, Drehfreude ist seine Domäne aber nicht. Der Anstieg der Leistung erfolgt genauso flach, wie der Motor müde ist. Der Mash-Single mit vier Ventilen ist da aus anderem Holz geschnitzt bzw. Aluminium gegossen. Von 3000 bis 7000/min geht er voller Lebens- und Drehfreude seiner Arbeit nach, spart dabei aber nicht mit Vibrationen. Was dieses Diagramm, das die Kurbelwellenleis­tung darstellt, nicht zeigt: Bei 90 km/h hat die Mash Five Hundred rund 10 PS mehr am Hinterrad als die Yamaha SR 400.

Daten und Messwerte

Motor

 Mash Five HundredYamaha SR 400
BauartEinzylinder-Viertakt-Motor     Einzylinder-Viertakt-Motor
Einspritzung1 x 32 mm1 x 34 mm
KupplungMehrscheiben-
Ölbadkupplung
Mehrscheiben-
Ölbadkupplung
Bohrung x Hub        85,0 x 70,0 mm87,0 x 67,2 mm
Hubraum397 cm³399 cm³
Verdichtungk. A.8,5 : 1
Leistung20,0 kW (27 PS)
bei 7000/min
17,1 kW (23 PS)
bei 6500/min
Drehmoment30 Nm bei 5500/min27 Nm bei 3000/min

Fahrwerk

 Mash Five HundredYamaha SR 400
RahmenRohrrahmen aus StahlRohrrahmen aus Stahl
GabelTelegabel, Ø 35 mmTelegabel, Ø 35 mm
Bremsen vorne/hinten      Ø 280/180 mmØ 298/150 mm
Räderk. A.1.85 x 18; 2.15 x 18
Reifen100/90 19; 130/70 B 18    90/100 18; 110/90 18
BereifungKenda Cruiser S/TMetzeler Perfect ME 77

Maße + Gewicht

 Mash Five Hundred        Yamaha SR 400
Radstand1420 mm1410 mm
Lenkkopfwinkel62,0 Grad63,0 Grad
Nachlaufk. A.111 mm
Federweg vorne/hinten      120/70 mm150/125 mm
Sitzhöhe¹810 mm780 mm
Gewicht vollgetankt¹166 kg174 kg
Zuladung¹144 kg150 kg
Tankinhalt/Reserve13,0 Liter12,0 Liter
Service-Intervallek. A.10000 km
Preis3995 Euro5795 Euro
Nebenkostenk. A.180 Euro

MOTORRAD-Messwerte

 Mash Five Hundred      Yamaha SR 400
Höchstgeschwindigkeit130 km/h128 km/h
Beschleunigung
0–100 km/h9,5 sek11,0 sek
Durchzug
60–100 km/h9,8 sek11,3 sek
Verbrauch Landstraße/100 km      3,3 Liter Super3,6 Liter Super
Reichweite Landstraße394 km333 km

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