Yamaha TRX 850

Wenn Yamaha einen Fehler mit der TRX gemacht hat, dann war es der, sie damals - als das Projekt quasi noch in den Windeln lag - in Rot mit weißem Rahmen zu präsentieren: »Was für eine schamlose Kopie«, schrien die Ducatisti und wiegelten das Volk gegen den »Möchtegern« auf. In Grün oder Blau wäre das nicht passiert.Trotz aller Anfeindungen aber haben sich 1996 immerhin 1630 Leute hierzulande auf die TRX eingelassen. Und die dürfen sich jetzt zufrieden zurücklehnen, in Anbetracht dessen, daß ihre Maschine in diesem Test für den Oscar in Sachen Handling nominiert wurde. Denn keine - auch keine VTR - läßt sich so lässig um die Ecken werfen. Nicht zuletzt ein Verdienst des schmalen Hinterradpneus.Wie schön TRX fahren allerdings sein kann, zeigt sich erst nach der Umbereifung vom serienmäßigen Michelin Macadam 90 X auf den bewährten Pirelli MTR 01/02. Von da an stimmt auch das Feedback. Der Pirelli vermittelt einen viel direkteren Kontakt zwischen Mensch, Maschine und Fahrbahn, außerdem besitzt er wesentlich mehr Haftung. Was jetzt noch fehlt, sind härtere Gabelfedern, damit dieses nervöse Gestucker auf holprigen Strecken ein Ende hat.Der Motor, einziger Parallel-Twin in diesem Feld, will fleißiger gedreht und geschaltet werden als die V2-Konkurrenz. Zwar kann er - wie die anderen - auch sämtliche Situation im Fünften oder Sechsten regeln, doch bei untertouriger Fahrweise wirkt er ein bißchen fad. Seinen durchaus kernigen Charakter offenbart er erst, wenn man vorsätzlich einen Gang tiefer einlegt als nötig. Und keine Bange: Der Verbrauch liegt dann immer noch mindestens eineinhalb Liter unter dem einer TL 1000 - bei gleichem Tempo versteht sich.Wer sich dem Leistungsdruck entziehen kann, findet in der TRX einen soliden Sport-Tourer, mit kommoder Sitzposition, gutem Windschutz und liebenswerten Ecken und Kanten. Abgesehen von denen am Sitzpolster, die auf Dauer ganz miese Eindrücke hinterlassen.

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