Erschienen in: 10/ 2015 PS

Zehn Motorräder im Nordschleifen-Test

Groß angelegtes Höllenfahrtskommando

Zehn Motorräder karrten wir an die Nordschleife, um eine Frage zu klären: Welches Bike hat die besten Gene für die spektakulärste und anspruchsvollste Strecke der Welt?

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Mit zehn scharfen Eisen wagten wir uns in die Grüne Hölle, um eine Frage zu klären: Welche Maschine hat die besten Gene für die spektakulärste und anspruchsvollste Strecke der Welt? Mitten in der Eifel ...

Bildergalerie: Aprilia RSV4 RR, BMW S 1000 RR, BMW S 1000 XR, Ducati 1299 Panigale S, Kawasaki Ninja H2, KTM 1290 Super Duke R, MV Agusta Brutale 1090 RR, Suzuki GSX-S 1000 F, Triumph Daytona 675 und Yamaha YZF-R1M im Nordschleifen-Test.   44 Bilder

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aus PS 10/2015
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Kesselchen, Brünnchen, Karussell, kleiner Pflanzgarten, Schwalbenschwanz – viele der unterschiedlichen Streckenabschnitte der knapp 21 Kilometer langen Nordschleife klingen so niedlich und verspielt, dass Unbedarfte an eine Kinderrätselrallye im Grünen denken könnten. Und auch bei Begriffen wie Fuchsröhre, Adenauer Forst, Hohe Acht oder Döttinger Höhe denkt man sich nichts Arges. Klingt nach entspanntem Wandern in der Natur mit Einkehrmöglichkeit. De facto aber ist die Nordschleife die spektakulärste und anspruchsvollste Rennstrecke der Welt. Und gefährlich. Das ahnt man, wenn man in der Früh im Hotel die Augen öffnet und draußen im Hof gleich ein großes, feuerfarbenes Transparent mit dem poesievollen Slogan sieht: „Fahr zur Hölle!“

Wir hatten zehn Maschinen mit, und wir waren zu zehnt. Der Vergleich mit der Black Pearl von Johnny Depp drängte sich auf. Unter dem souveränen Kommando von Käpt’n Jacko stach die PS, also die Pearl Sport, in die raue See, in die Hölle des Westens. Die Koordination von zehn scharfen Waffen und zehn irren Piraten verlangt nach viel Erfahrung mit mörderischen Wellen. „Wenn man auf der Nordschleife fliegt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich weh tut, sehr hoch. Es gibt keine Auslaufzonen. Ohne sehr gute Streckenkenntnis und einer entsprechend sauberen, flüssigen Linie ist man hier auf verlorenem Posten“, erklärt Jacko und legt einen richtungsweisenden Spruch nach: „You have to ride it not to race it.“

Viel Leistung, gutes Fahrwerk, beste Technik

Der Käpt’n spricht von großer Faszination, aber auch großem Respekt und flüstert sogar kurz noch das phonetisch ergreifende Wort „Muffensausen“, ehe er zu den wirklich scharfen Waffen rät: „Hier auf der Nordschleife braucht man viel Leistung, man braucht ein sehr gutes Fahrwerk und die beste verfügbare Technik. Man muss der Maschine in allen Belangen vertrauen können. Ich würde zu einem 200-PS-Supersportler greifen.“

Initiiert hat den Crossover-Test der junge Wilde in der Redaktion. Im Gespräch ist Tobi ein zurückhaltender, freundlicher Mensch, am Eisen wird er zum entfesselt Tobenden. Als er die Panigale brachial brüllend aus dem Klostertal in Richtung Karussell wheelen lässt, erinnere ich mich an sein Statement vor dem Start: „Angst habe ich hier keine. Respekt ist vorhanden, aber der Spaß überwiegt. Die Nordschleife macht einfach süchtig. 21 Kilometer auf und ab durch den Wald. Hohe Geschwindigkeit. Viele Kurven kann man nicht einsehen. Es ist unheimlich spannend. Und dazu dieser Mythos!“ 

"Der Tim ist unglaublich! 267 km/h!"

Weniger begeistert zeigte sich der extrem erfahrene Haudegen Mini Koch, der gemeinsam mit Dirk mit der Elektronik-Riesenkrake kämpfte, um ihr verwertbares Datenmaterial zur Untermauerung des Tests zu entreißen: „Die dicken Leitplanken und die Fangzäune kommen nicht von ungefähr. Früher war ich ein begeisterter Nordschleifer, heute bevorzuge ich moderne Rennstrecken, wo die Kurven und nicht die Vollgaspassagen im Vordergrund stehen. Aber eines ist klar: Die Nordschleife ist einzigartig. Wie wenn jemand von oben ein Asphaltband in die hügelige Eifel geworfen hätte.“ Und dann reißt es den Mini plötzlich, weil er im Computer die jüngsten Daten ausliest: „Der Tim ist unglaublich! 267 km/h in der Fuchsröhre mit der BMW S 1000 RR!“ Wahnsinn! Tim, das Tier.

„Für mich ist die Nordschleife ein großer Spielplatz“, stellt Tim fest. Er war schon in seiner Kindheit sehr oft hier und polierte den Audi 80, den sein Vater bei den 24-Stunden-Rennen fuhr. In jungen Jahren griff Tim zehn Jahre lang im Motocross schwer an, und man darf davon ausgehen, dass er sich da neben blitzschnellen Reflexen und einer präzisen Fahrtechnik ein feines Sensorium für den Grenzbereich erarbeitet hat, ehe er in den Motorrad-Straßensport wechselte.

"Und schon lag ich auf der Fresse"

Sein Platz auf der Pearl Sport war klar: Tim war der Mann, der die Kanonen quasi aus der Hüfte abfeuerte und dann Bericht erstattete. Auf die Frage: „Was ist denn in der Kompression nach der Fuchsröhre los, wenn es die Maschine mit knapp 270 Sachen voll in die Federn presst? Versetzt es dich da nicht um einen Meter?“, hob er kurz die Brauen und sagte: „So dick bin ich nun auch wieder nicht. Aber den Helm bringst du nicht mehr weg vom Tank.“ Irre. Wenn da unten bei diesem Höllenspeed die Linie nicht passt, fliegt man wahrscheinlich über den gesamten Adenauer Forst drüber und muss sich um die scharfe Linkskurve nicht mehr kümmern.

„Stürzen auf der Nordschleife ist nie eine gute Idee“, sagt der begnadete Cartoonist und Eifel-Freak Holger Aue, den wir zufällig treffen. Für ihn ist die Grüne Hölle der pure Wahnsinn: „Ich muss immer wieder herkommen. Ich kann nicht anders. Es ist die geilste Rennstrecke der Welt. Aber den Touristenverkehr lasse ich aus, seit ich mich einmal auf einer Ölspur ausgebreitet habe.“ Und dann erzählt er noch von einem Boxer-Abschuss: „Ich lief auf eine langsame Gruppe auf. Als sie alle rechts blinkten, beschleunigte ich forsch. Aber leider kam einer der Fahrer mit seinem Boxer rechts von der Strecke ab. Das wäre noch nicht das große Problem gewesen, weil sich eine normale Maschine ja in die Leitplanken gelegt hätte, aber der verrückte Boxer fing sich irgendwie und trudelte kreiselnd zurück auf die Strecke. Genau vor mein Vorderrad. Und schon lag ich auf der Fresse.“ 

Georg: "Viele stranden am Adenauer Forst."

Für mich persönlich der wichtigste Mann an Bord der Pearl Sport war der smarte Georg, der Herr der 1000 Runden. Ohne die Führung des extrem erfahrenen Nordschleifen-Instruktors wäre ich wohl in Hatzenbach gekentert, hätte mich am Flugplatz grausam verflogen, hätte mich im Adenauer Forst in der scharfen Linken vor Publikum ausgebreitet (die vielen Zuschauer wissen genau, an welchen Stellen es etwas zu sehen gibt), wäre im Kesselchen mutlos und viel zu langsam gewesen, hätte die verheerende Katapultwirkung des Karussells erlebt, hätte mich im Brünnchen niedergelegt (dort sitzt das Publikum auf Camping-Sesseln) und wäre im kleinen Pflanzgarten so weit gesprungen, dass an ein schrottloses Einlenken nicht mehr zu denken gewesen wäre. Ein Wahnsinn, die Nordschleife! Zur Hölle, was für ein schneller und gefinkelter Kurs! Und verdammt lang! Unmöglich, sich alles gleich zu merken. 

Georg: „Es geht auf der Nordschleife nicht so sehr um Schnelligkeit als viel mehr um Genauigkeit. Die Linie muss präzise passen. Außerdem ist es gut zu wissen, wo man das Vorderrad abhebt, um Lenkerschlagen zu vermeiden. Die beiden zentralen Mutstellen sind die schnelle Doppelrechts nach der Kuppe vor dem Schwedenkreuz, weil man da bei sehr hohem Tempo nach dem Abheben beziehungsweise dem Aufkommen sofort einlenken muss, und das Kesselchen. Links und rechts von der Ideallinie ist es wellig, und die Linke bergauf trennt die Spreu vom Weizen. Da muss alles passen.“ 

Und was ist mit dem Karussell, dieser brutalen, fast 270 Grad drehenden Steilkurve aus Betonplatten, die einen fürchterlich durchschütteln? Georg: „Wichtig ist nicht nur der Einlenkpunkt, sondern auch, dass man die Ausfahrt präzise erwischt. Verlässt man bei engagiertem Tempo die Platten eine Nuance zu früh, verliert die Maschine den Bodenkontakt und dann ist die Situation kaum mehr zu retten. Solche Stürze verlaufen nicht glimpflich.“

Ein glorreicher Test. Aber Dave brannte fast ab.

Alle zehn Maschinen des Tests und alle Fahrer überstanden das Gefecht auf der Nordschleife ohne Probleme (siehe Tobis Fazit), aber die Bilanz bei den beiden Fotografen war nicht ganz so positiv. Als Markus auf das Dach des verdammt hohen Mercedes Sprinters stieg, um die Aufmacherbilder zu schießen, musste ich an Ben Hur denken. Die Sicherungsgurte wirkten wie die Zügel eines Streitwagens. Allerdings – und das haben sie im alten Rom nie gesehen – stand Ben Hur jetzt nicht in Fahrtrichtung, sondern verkehrt. Viel Spaß im Karussell! Mörder Stunt. Na bumm.

Und dann kam der große Auftritt von Dave. Er wartete draußen auf der Strecke hinter den massiven Planken auf Topshots, als er eine Maschine zuerst mörderisch aufheulen und dann fürchterlich einschlagen hörte. Er lief zur Unfallstelle, sah die bereits eingetroffenen Sanitäter und fand das Motorrad, das es über die Planken geschleudert hatte. Beim Aufstellen kam dann etwas Sprit aus dem ramponierten Tank auf den extrem heißen Motorblock und entzündete sich mit einer Stichflamme. Daves Hose fing Feuer. Geistesgegenwärtig warf er sich zu Boden und wälzte sich im Gras. Dabei dürfte er einen großen Teil seiner Coolness und seines Überblicks verloren haben. Erst als er die Stimme eines Streckenpostens vernahm, hielt er inne: „Kannst aufhören! Die Hose brennt schon lang nicht mehr!“ 

Welche ist nun die beste Höllenmaschine?

Die Nordschleife ist immer ein großes Abenteuer. Und wenn mir jemand sagen würde, dass ich zukünftig nur mehr entweder auf der Landstraße, auf einer Rennstrecke oder auf der Nordschleife Motorrad fahren dürfte, würde ich die Grüne Hölle wählen. Weil sie einfach von allem das Beste bietet und das ideale Einsatzgebiet für eine sportliche Straßenmaschine ist. Nur stürzen will ich hier ganz sicher nicht. 

Wie sich die einzelnen Maschinen geschlagen haben und welche Stärken und Schwächen sie im Rahmen der Höllenfahrt zeigten, lesen Sie bitte auf den folgenden Seiten. Ein Ergebnis darf man schon vorwegnehmen: Leistungsstarke Supersportler waren nicht im Nachteil. Alles darüber, wie Aprilia RSV4 RR, BMW S 1000 RR, BMW S 1000 XR, Ducati 1299 Panigale S, Kawasaki Ninja H2, KTM 1290 Super Duke R, MV Agusta Brutale 1090 RR, Suzuki GSX-S 1000 F, Triumph Daytona 675 und Yamaha YZF-R1M auf der Nordschleife abgeschnitten haben, lesen Sie auf den nächsten Seiten.

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15.09.2015 |  Artikel drucken | Senden | Kommentar

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