Zugnummer – wer packt wie stark an?

Einzylinder haben Bums von unten, Twins ebenfalls, drehorgelnde Vierzylinder nur oben. So ein weit verbreiteter Irrtum. Leistung ergibt sich als Produkt aus Drehzahl und Drehmoment. Hohen Drehzahlen stehen bei Ein- und Zweizylindern die großen bewegten Massen entgegen. Ein Vierzylinder mit kleinen Kolbenhüben und Zylindereinheiten ist da klar im Vorteil. Daneben braucht es für hohes Drehmoment bestmögliche Zyinderfüllung und viel Hubraum. Gute Füllung verlangt nach großen freien Ventilquerschnitten. Die dafür nötigen großen ­Ventile und Hübe begrenzen wiederum die Drehzahl. Daneben sind bei Ein- und Zweizylindern wegen der großen Kolben, Ventile und damit bewegten Massen beim Hubraumwachstum Grenzen gesetzt.

Hinzu kommt, dass ein Single nur alle 720 Grad Kurbelwellenumdrehung zündet, weshalb er grundsätzlich größere Schwungmassen für guten Rundlauf benötigt. Der Twin zündet alle 360 Grad minus Zylinderwinkel, der Triple alle 240 und der Four alle 180 Grad, gut für den Rundlauf. Und: Durch die engen Zündabstände können vor allem Drei- und Vierzylinder für bestmögliche Zylinderfüllung die Unterdruckwellen im Auslasstrakt eines eben gezündeten Zylinders per Interferenzrohre an den Krümmern nutzen, um in der Überschneidungsphase der Ventile die Einlass-Strömung im gerade öffnenden Zylinder anzufachen. Der Single profitiert davon weniger. Motoren mit weniger Zylindern punkten immerhin in Sachen Verlustleistung aufgrund geringerer Innenreibung durch weniger Lagerstellen der Kurbelwelle, kürzerer Nockenwellen und geringerer abgewickelte Kolbenring-Längen. Dennoch bleibt ihnen ein engeres nutzbares Drehzahlband als Drei- und Vierzylindern. Dass die KTM beim Sprint am Berg die anderen abhängt, liegt vor allem am ­ niedrigen Gewicht und der kürzesten Übersetzung.

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