Vergleichstest Aprilia SL 750 Shiver gegen BMW F 800 S Charme trifft Ausgewogenheit
Das Leben genießen. Das geht mit zwei Zylindern besonders gut. Und 100 PS reichen dafür allemal. BMW hat es mit der F 800 vorgemacht. Dem hält Aprilia die charmante Shiver entgegen.
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BMW F 800 S, Aprilia SL 750 Shiver
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Endlich passiert es doch noch. Nach der eher mittelmäßigen Vorstellung des Sommers hat der Herbst seinen ganz großen Auftritt. Gießt seine Sonnenstrahlen in jeden Winkel des Landes und überzieht mit wärmender, duftender Herbstluft die Tage. Die Hügel und Hänge der Schwäbischen Alb glühen lichterloh vor buntem Laub. Goldener Oktober, ein würdiges Saison-Finale.
Und ideale Bedingungen für die brandneue Aprilia Shiver, die in der Garage darauf wartet, ihr Können zu zeigen. Also nichts wie raus aus der Stadt. Als Prüfstein mit dabei: die teutonische Autorität in Sachen Mittelklasse-Twin, BMW F 800 S. Bereits die ersten Kilometer Stadtverkehr zeigen, dass sich Aprilia und BMW dem Thema von gänzlich unterschiedlichen Seiten nähern zumindest, was die Unterbringung des Fahrers betrifft. Eher sportlich geht es auf der F 800 zu, Lenkerstummel knapp oberhalb der Gabelbrücke, die Rastenhöhe trägt eine sportliche Note, der Fahrer muss sich etwas strecken, um an den Lenker zu kommen. Verdammt entspannt dagegen die Sitzhaltung auf der Shiver, die als Basis für mehrere Modelle nach dem Baukastensystem (siehe Seite 12) dienen soll. Lässiger Kniewinkel, der Abstand zum breiten, konisch auslaufenden Alu-Lenker passt, so thront der Fahrer locker und aufrecht. Und fädelt sich mit der Shiver behände durch die morgendliche Rush-hour, während sich die BMW wegen des zäh arbeitenden Lenkungsdämpfers bei niedrigem Tempo leicht taumelig ihren Weg bahnt.
Der Eintritt zum Kurvenparadies der Alb führt zuerst über ein kurzes Stück Autobahn, nicht das bevorzugte Revier der beiden. Doch erledigen sie auch dröges Geradeausbolzen mit Bravour. Die Shiver wirkt zwar stets ein wenig nervös um die Lenkung. Das liegt aber eher am Fahrer, der ab Tempo 160 mangels Verkleidung wie ein Segel im Wind am Lenker hängt. Stabil und satt pfeilt dagegen die BMW über die Bahn. Endlich, die Ausfahrt. Kurven verschlingen bis zum Sonnenuntergang. Von wegen. Zunächst folgt Ernüchterung. Die Aprilia fährt wie auf Eiern ums Eck, kippelig, nervös, unpräzise, schiebt übers Vorderrad. Das kanns doch nicht sein? Kurzer Halt, Fahrwerks-Check, aha. Die Feder hinten viel zu weit vorgespannt, Zugstufe gnadenlos zugedreht, alles, was das Fahrwerk an Einstellmöglichkeiten hergibt, ist im Übermaß eingesetzt. Also kurze Korrektur, dazu den Luftdruck in den Dunlop Sportmax auf den Wert für Zweipersonenbetrieb heraufgesetzt. Und holla, schon läufts.
Wie ein Wirbelwind fegt die Shiver jetzt über das sich krümmende, windende Asphaltband, das sich über die Alb schlängelt wie ein achtlos hingeworfenes Seil. Ein leichter Lenkimpuls genügt, um die Italienerin von einer Schräglage in die nächste zu pfeffern. Demgegenüber wedelt die BMW eher betulich durch die Kurvenfolgen und benötigt deutlich mehr Kraft beim Einlenken. Zieht dafür aber ein anderes As aus dem Ärmel. Denn einmal in Schräglage, zieht sie wie am Schnürchen und unbeirrbar ihre Bahn. Die Neutralität der BMW in Schräglage ist famos, selbst Stolperfallen im Asphalt bringen sie nicht aus dem Tritt. Während die Aprilia stets minimal eine führende Hand braucht, um auf Kurs zu bleiben. Nicht wirklich störend, gleichwohl reicht sie an die Neutralität der BMW nicht heran. Vor allem in großer Schräglage ist der Shiver nach wie vor ein letzter Rest tänzelnd nervöser Kippeligkeit geblieben, der sich allerdings zumindest auf topfebenem Belag nicht gravierend bemerkbar macht.
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