26.08.2011 Von: Stefan Glück
Erschienen in: 04/ 2011 PS

Vergleichstest: Mittelklasse-Naked-Bikes 2011 Im Test: BMW F 800 R, Kawasaki Z 750 R und Yamaha FZ8

Zu allem bereit warten am Fuße des Watzmanns die BMW F 800 R, die taufrische Kawasaki Z 750 R sowie die Yamaha FZ8. Am Gipfel lockt lüstern die Trophäe, doch der Weg ist voller Prüfungen.
In diesem Artikel: BMW F 800 RYamaha FZ8Kawasaki Z 750 R

Der Berg ruft: Den Watzmann hinauf mit den Testbikes BMW F 800 R, Kawasaki Z 750 R und Yamaha FZ8.

Vergleichstest: Mittelklasse-Naked-Bikes.  

IN DIESEM ARTIKEL

Vergleichstest Mittelklasse-Naked-Bikes

Zum Test treten an: BMW F 800 R, Kawasaki Z 750 R und Yamaha FZ8.  

Foto: Jahn  

Mit seinen 2713 Metern Höhe ist der Watzmann bestenfalls Mittelklasse der namhaften Alpengipfel. Doch vor seinem Ruf gibt es kein Entrinnen. Schließlich heißt es der Sage nach, wer ihn bezwingt, dem ist die Gailtalerin hold.

 

Unsere drei Titelhelden gelten ebenfalls als Mittelklasse, haben sie doch mit der BMW R 1200 R, der Kawa Z 1000 und der Yamaha FZ1 den jeweiligen Platzhirsch über sich. Wer auf das Bigbike-Image verzichten kann, muss sich der Papierform nach mit 22 PS/26 Nm (BMW), 32PS/32 Nm (Kawasaki) und 44PS/24 Nm (Yamaha) weniger begnügen. Doch auch mit der verbleibenden Leistung kommt kein Gefühl der Untermotorisierung auf. Aber genug der Theorie, es liegt ein Raunen in der Luft. Es ist der Berg, der ruft. Groß und mächtig, schicksalsträchtig. "Auffi muss i, auffi auf’n Berg. Den Berg den muaß i untagriagn."

Mittelklasse-Naked-Bikes180 (jpg)

Mit Abstand den breitesten Knieschluss im Testfeld hat die Kawasaki Z 750 R.  

Foto: Jahn  

Hoch droben, mehr auf als im Motorrad sitzt man auf der Kawa. Das Sitzpolster ist richtig straff. Aber was tut man nicht alles für gute Rückmeldung. Hände und Füße fallen wie von selbst auf die ihnen zugedachten Plätze und erlauben dem Gipfelstürmer eine fahraktive und dennoch angenehme Sitzposition. Rein ergonomisch ist die Yamaha fast identisch, bei ihr sitzt man aber mehr im Bike. Zudem ist das Polster deutlich flauschiger. Allerdings ist der Knieschluss der mit Abstand breiteste in diesem Trio. Im direkten Vergleich dazu fühlt man sich auf der BMW mit langgestrecktem Oberkörper und engem Kniewinkel ein wenig wie auf einer alten Moto Guzzi.

 

Wer den Berg und damit auch die Gailtalerin erobern will, braucht neben Mut und Übersicht auch die entsprechende Verbindung zum Geläuf. Hier schlägt die Stunde der Grünen. Mit der straffsten Fahrwerksabstimmung im Test ist die Kawa für den Gipfelsturm gut gerüstet. Leicht und präzise lässt sie sich von einer Ecke in die nächste werfen, Schräglagenfreiheit gibt’s reichlich. Für Sonderwünsche lassen sich an Gabel wie Federbein Vorspannung und Zugstufe verstellen. Was die Freude etwas trübt, ist das deutliche Aufstellmoment beim Einbremsen in Kurven. Zudem wirkt die Bremse recht stumpf und benötigt die höchste Handkraft im Feld. An der Bremsleistung gibt es aber nichts auszusetzen, auch das ABS meistert seine Aufgaben am besten. Es regelt schnell und ohne pulsierenden Hebel.

Mittelklasse-Naked-Bikes090 (jpg)

Keine Thema bei der BMW F 800 R ist die Schräglagenfreiheit.  

Foto: Jahn  

Der Kawa dicht auf den Fersen ist die BMW - mit etwas kippligem Handling. Ab mittleren Schräglagen neigt sie zum Hineinkippen in die Kurve und muss mit leichtem Druck auf der Lenkerinnenseite auf Kurs gehalten werden. Schräglagenfreiheit ist auch hier kein Thema. Die Einstellmöglichkeiten des Fahrwerks beschränken sich auf Federbasis und Zugstufe hinten. Deshalb muss man damit leben, dass sich die Gabel bei schnell aufeinander folgenden Bodenwellen verhärtet, und dann mangels Federweg auf weitere Unebenheiten nicht mehr anspricht. Der serienmäßige Lenkungsdämpfer unterbindet lästiges Kickback. Das 710 Euro teure ABS regelt nicht ganz so elegant und unauffällig wie das der Kawa, dafür geht die Bremse diesseits des Regelbereichs klar bissiger und transparenter zu Werke.

Mehr über ...
BMW  Kawasaki  Yamaha  F 800 R  FZ8  Z 750 R  Naked Bike 

Die Yamaha gibt in diesem Kapitel ein zwiespältiges Bild ab: Die Bremse geht ihrer Aufgabe angenehm bissig, transparent und mit geringer Handkraft nach. Der Regelbereich wird durch leichtes Pulsieren im Handhebel angekündigt. Subjektiv wirkt die herkömmlich montierte Vierkolben-Festsattel-Anlage am kräftigsten, verursacht aber auch das größte Aufstellmoment. Woran auch die extrem eintauchende Upside-down-Gabel ihren Anteil hat. Die Gabel ist wie das Federbein für flotte Gangart schlicht unterdämpft. Daran ändern lässt sich außer der Federvorspannung hinten nichts, und so versucht die Yamaha wild pumpend und mit Hang zur weiten Linie am Kurvenausgang den Anschluss nicht zu verlieren. Dass dabei die Fußrasten sich kaum vom Boden abheben, macht die Sache optisch wie akustisch sehr spektakulär. Vielleicht lässt sich die Gailtalerin ja damit beeindrucken.

Mittelklasse-Naked-Bikes270 (jpg)

Die Yamaha FZ8 ist im Testfeld am unhandlichsten.  

Foto: Jahn  

Im Kurveneingang lenkt die FZ8 zwar neutral, dafür aber auch sehr träge ein. Unterm Strich ist sie am unhandlichsten. Schade drum, aber die Fahrwerksabstimmung ging einfach daneben. Mehr Dämpfung wäre hier wirklich mehr und die Lösung. Hollarädulijöh.

 

Aber ein Motorrad besteht nicht nur aus dem Fahrwerk allein. Der von der FZ1 abgeleitete Vierzylinder tritt an, die Fahrwerks-Scharte auszuwetzen. Mit sensibler Gasannahme und kultiviertem Lauf kann die FZ8 Punkte sammeln. Bei der Leistungscharakterisitik scheiden sich dann aber die Geister. Bis 5000 Touren gibt er sich recht lustlos, ab 5500/min produziert er richtig Leistung und bei 7000/min und 9000/min gibt es jeweils Nachschlag. Der Vierer will also gedreht werden, was angesichts des leichtgängigen und exakten Getriebes eine wahre Lust ist. Freunde der Turbo-Charakteristik kommen hier voll auf ihre Kosten. Auf Dauer ist die doch recht spitze Leistungsentfaltung aber anstrengend, zumal sie auch mit spürbaren Lastwechselreaktionen einhergeht.

Weitere Artikel: Test
Test: Norton 18 H

Test: Norton 18 H Rennmotorrad der 20er-Jahre

Fahrbericht: Piaggio MP3 Yourban 300

Fahrbericht: Piaggio MP3 Yourban 300 Neues Dreirad von Piaggio

Produkttest: Racing-Helme

Produkttest: Racing-Helme Motorradhelme für Sportfahrer im Test

Das kann die Kawa besser. Mit weniger Lastwechselreaktionen und schön linearer Leistungsabgabe wirkt sie trotz des geringeren Hubraums kräftiger. Dass ihre Schaltbox weniger leichtgängig ist, lässt sich verkraften. In puncto Exaktheit steht sie der Yamaha kaum nach, wirkt aber abwärts knochig. Der Vierzylinder läuft rau, hängt ebenfalls freudig am Gas und spart ab 7000 Touren weder mit Leistung, noch mit Hummeln im Hintern. Der Gailtalerin dürften die Vibrationen wohl gefallen.


WEITER ZU SEITE 2: Vergleichstest: Mittelklasse-Naked-Bikes Teil 2

1 | 2 | 3 | 4 |     

DIESEN ARTIKEL KOMMENTIEREN 


  • Marke

    Lade...

  • Modell

    Bitte Marke auswählen!

Thema: Elektro-Bikes
Das E-Bike ist im Stadtverkehr eine echte Alternative. Hier finden Sie alle Infos zu E-Bikes und alternativen Antrieben.
PS-Redaktion: VIP-Fahrtraining mit Neukirchner
Für das zweitägige Motorradtraining auf dem Sachsenring gibt es noch freie Plätze. Mit dabei: Redakteure und Profi-Rennfahrer!
Neu: iPhone-App von MOTORRAD
Ab sofort steht die neue iPhone-App "MOTORRAD für iPhone" im App-Store zum Download zur Verfügung.
"Oben ohne" an der star Tankstelle
Gratis-Kaffee für alle Biker – Die Kaffee-Biker-Aktion der star Tankstellen geht pünktlich zum Beginn der Saison in die nächste Runde.
Reifen-Spezial: Alles über Motorradreifen
Große Übersicht über Tourenreifen, Sportreifen und Hypersportreifen - inklusive Testergebnisse, Reifenkunde und Testtagebuch.
Stephan Schaller folgt auf Hendrik von Kuenheim
Stephan Schaller folgt auf Hendrik von Kuenheim

Hendrik von Kuenheim (52), bisher Leiter BMW Motorrad, leitet zukünftig den Geschäftsbereich BMW... mehr

BMW R 900 RT für die Polizei
BMW R 900 RT für die Polizei

BMW Motorrad, vertreten durch Werkleiter Hermann Bohrer, übergibt 20 neue Behördenmotorräder an die... mehr

Superbike-WM in Donington/GB: 1. Lauf BMW siegt zum ersten Mal
Superbike-WM in Donington/GB: 1. Lauf BMW siegt zum ersten Mal

Nach einem harten Kampf sicherte sich Marco Melandri seinen ersten Superbike-Sieg auf BMW im ersten... mehr

Gebrauchtmarkt
30659