Vergleichstest Super-Tourer Vier Reiseprofis
Wenn das Fernweh ruft und gestresste Seelen nach Erholung dürsten, dann sind diese Super-Tourer zur Stelle. BMW K 1200 GT, Honda Pan European, Kawasaki 1400 GTR und Yamaha FJR 1300 A laden ganz relaxed ein zum Urlaub am Mehr.
In diesem Artikel:
Kawasaki GTR 1400, Yamaha FJR 1300 A, BMW K 1200 GT, Honda Pan European
Vier Reiseprofis im Vergleich: BMW K 1200 GT, Honda Pan European, Kawasaki 1400 GTR und Yamaha FJR 1300 A.
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Es ist eine Szenerie wie gemalt, als hätten Im- und Expressionisten gemeinsam ein Gemälde erstellt. Der Himmel leuchtet feurigrot, pastellgrün und tiefblau, das Wasser kräuselt sich schon fast schwarz. Wie getupft liegen Wolkenbänder überm Horizont. Orange glühend tropft die Sonne ins Meer, dessen Wellen träge gegen den Kai plätschern. Durchatmen. Die Luft duftet nach Sommer. 800 Kilometer Autobahn, ein Fahrtag hat gereicht, um uns mitten in eine Parallelwelt zu beamen. Weit, ganz weit hinterm Horizont. Anderes Klima, andere Vegetation, anderes Leben. Kettenspray durfte wegen der Kardanantriebe zu Hause bleiben. Einfach nur ein paar Klamotten in die serienmäßigen Koffer packen, und es konnte losgehen. Sehr einfach zu bedienen sind die Frachträume der BMW und besonders geräumig, genau wie die der GTR, siehe die Ausstattungsliste auf Seite 39. Am wenigsten bunkern die Honda-Koffer, die aus optischen Gründen eh am besten am Motorrad bleiben. Sie scheint ewig entfernt, die vollgestopfte A 8. Obwohl die Zeitmaschinen BMW K 1200 GT, Honda Pan European, Kawasaki 1400 GTR und Yamaha FJR 1300 A stumpfe Autobahnbolzerei kurzweilig gestalten. So unglaublich lässig und entspannt. 16 Grad Lufttemperatur ver-meldet das Honda-Cockpit, die Kawa zeigt den Reifenluftdruck an. Derweil berechnet die BMW die Restreichweite und lässt sich dank Tempomat theoretisch sogar frei-händig fahren, die FJR informiert wie BMW und Kawa über den gewählten Gang. Willkommen im Informationszeitalter. Das Fahrgefühl hat etwas von der Mercedes S-Klasse: Die schweren Maschinen liegen satt, saugen sich am Asphalt fest.
Nicht völlig entkoppelt und doch wunderbar komfortabel reist es sich auf ihnen. Dazu passen ihre gediegenen Metallic-Lacke. Gedeckte Farben wie bei dunk-len Luxus-Limousinen. Große Dynamik trifft hohes Überholprestige. Unspektakulär schnell. Stark, souverän, bequem. Ist das wirklich alles erst wenige Stunden her? Der Himmel über Bayern in steinlausgrau statt weißblau. Sprinterfahrer, die unvermittelt auf die linke Spur rauszogen. Gut, dass überall ABS an Bord ist. Vor allem, als die Straßen vor Nässe glänzten. Wie war das noch im Regen? Scheibe hoch und ab dafür. Man bleibt erstaunlich trocken. Besonders die BMW und die Honda punkten mit sehr gutem Wind- wie Wetterschutz. An der Pan wirken die Spiegel mit integrierten Blinkern als Windabweiser und Handprotektoren. Ihre riesige Scheibe im Rahsegelformat fährt auf Rekordhöhe aus. Noch dazu steht sie steil und ragt weit weg vom Fahrer auf. Der Honda-Fahrer genießt dann sogar bei Tachoanzeige 240 himmlische Ruhe, kann mit geöffnetem Visier fahren. Lediglich der starke Sog nach vorn stört. Dieser fehlt der (etwas lauteren) GT, dafür schirmt sie nicht ganz so opulent ab. Knapp dahinter behauptet sich die FJR, die 2006 ein größeres Windschild erhielt. Den dürftigsten Windschutz offeriert die nagelneue GTR. Bei runtergefahrener Scheibe, elektrisch wie das Standard ist in dieser Klasse, liegen die Schultern selbst kleinerer Piloten voll im Fahrtwind. Beim flotten Kilometerfressen empfiehlt sich die hohe Scheibenposition. Doch auch dann spüren Kawa-Treiber mehr Fahrtwind als bei der etablierten Tourer-Troika. Im Gegensatz zu den zweigeteilten Sitzmöbeln von BMW, Honda und Yamaha ist die einteilige Bank der Kawa nicht höhenverstellbar. Die GTR beugt den Oberkörper einen Tick weiter nach vorn ohne, dass es je unbequem frontlastig würde. Etwas aufrechter sitzen die Kapitäne der drei anderen Tourendampfer. Um stundenlang das Asphaltband unterm Vorderrad durchhuschen zu sehen, taugen alle vier prima. Nervig auf der K 1200 GT: Das weiche und schmal konturierte Sitzkissen mit geringer Schenkelauflage sitzt sich durch. Für die große Kreuzfahrt gibts bequemere Steuerstände.
Lästig und überraschend: die spürbare Pendelneigung der GTR jenseits von Tempo 200 mit beladenen Koffern. Damit war bei der jüngsten Tourer-Konstruktion wirklich nicht zu rechnen. Wo doch Mono-coque-Rahmen und Motor von der sehr stabilen ZZR 1400 abgeleitet sind. Keine leichte Aufgabe, einen Top-Tourer zu bauen. Oder doch? FJR und BMW bolzen schließlich wie am Schnürchen gezogen mit 250 Sachen über die Bahn. Ruhig und unbeirrbar, Koffer hin oder her. Nicht neu ist das mitunter heftige Pendeln der Honda Pan European auf (deutschen) Autobahnen. So zwischen Tempo 160 und 180 gehts los, manchmal schon darunter. Etwa beim Passieren der Wirbelschleppen von Lkw oder durch andere Impulse. Das Perfide daran: Beim Gaswegnehmen oder Bremsen verstärkt sich das Pendeln, schaukelt sich auf. Meistens ungefährlich, aber höchst unangenehm. Doch im Hier und Jetzt, an der kroatischen Küste, spielt die Pan European andere Stärken aus. Ganz easy wendet sie. Beim Rangieren und vom Seitenständer wuchten kann sie ihre schwer wiegenden 329 Kilogramm nicht kaschieren. Einmal in Fahrt indes überlistet sie die Physik. Perfekt austariert, scheint sie dann Ballast abzuwerfen. Ein Verdienst der einzigen längs liegenden Kurbelwelle. Dazu fällt der Radstand mit 1,49 Meter besonders kurz aus.
Vielleicht ist die Honda ja schon zu sehr auf Wendigkeit getrimmt? Immerhin profitiert ihr Handling zusätzlich vom schmalsten Hinterreifen, einem dünnen 170er. Und alle vier Fahrer von taghellen Scheinwerfern bei der Hotelsuche im Dunkeln. Besonders hell und grell: das (aufpreispflichtige) Xenon-Licht der BMW. Der nächste Morgen. Dunkelgrüne Pinienwälder, Wärme streichelt die Haut. Trotz fetten 190er-Schlappens fühlt sich die 1400er-GTR erstaunlich leicht und behände an, wie sie so handlich durchs Hinterland der Halbinsel Istrien fegt. Frech, fröhlich und zügig swingt die Kawa durch die Kurven. Trotz 313 Kilogramm Start-gewicht, die sie zur zweitschwersten Maschine stempeln. Kaum zu glauben, dass sie ein solches Moppelchen ist. Auf gutem Belag rollt die GTR sportlich und leichtfüßig, ganz so, wie es sich für eine Kawa geziemt. Nur sie trägt eine Upside-down-Gabel und eine Schwinge mit doppelter Abstützung zur Minimierung der Kardanreaktionen. Als die Strecken jedoch buckliger werden, kommt die knackig-straffe Kawa an ihre Grenzen. Sie will nun mit Nachdruck in Schräglage auf Kurs gehalten werden. Fühlt sich an, als wollten Vorder- und Hinterrad nicht das Gleiche. Völlig neutral ist anders. Der Federungskomfort auf Schlaglochpassagen ist der geringste in diesem hochkarätigen Feld. Dagegen geht die Pan European als personifizierter Sanftmut durch, offeriert den besten Federungskomfort auf miesem Geläuf. Dort verlangt die FJR nach verhaltener Gangart. Sie stochert auf schlechten Sträßchen ein wenig herum, sucht sich generell die weitesten Bögen.
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Technische Daten - Ausstattung - Daten Kawasaki 1400 GTR - Daten BMW K 1200 GT - Daten Honda Pan European