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40 Jahre PS – die Story Im Wandel der Zeit

Wir schreiben das Jahr 1974. Eine Handvoll Motorrad-Journalisten gründet eine neue Zeitschrift namens PS. 40 Jahre später blicken wir zurück auf lebhafte Zeiten und eine erstaunliche Entwicklung.

„Damals, als der Großvater die Großmutter nahm.“ Mit dieser bildgewaltigen Sprache erinnerte der erste PS-Chefredakteur, Ernst „Klacks“ Leverkus, im Jahr 1974 in einem Leitartikel an die guten alten Zeiten. Damals, als Rennsport für die Hersteller noch alles bedeutete und der Serienbau davon profitierte.

Über „Raketen-Zigarren“, die Hochgeschwindigkeits-Rekorde einfuhren, solle man erst wieder nachdenken, wenn „die Zuverlässigkeit moderner Motorräder endlich einmal bis zu einer einigermaßen akzeptablen Zufriedenheit abgehandelt werden kann“. Weise Worte eines klugen Kopfs. Seitdem hat sich nicht nur im Rennsport und bei der Zuverlässigkeit von Serienmaschinen viel getan. Auch PS hat sich stark verändert – vom Generalisten anno 1974 zum Spezialisten für sportliches Motorradfahren heute.

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Stöbern in alten Heften offenbarte viele Kuriositäten

Die Recherche im Archiv für diese Story hat sich gelohnt, denn der eine oder andere Kalauer meißelte uns ein breites Grinsen ins Gesicht. Wie beispielsweise die BMW-Anzeige vor 40 Jahren, die stolz verkündet, dass die Fahrwerke der bayerischen Motorräder problemlos 100 km/h verkraften – Kinder, was für Zeiten! Auch das PS-Logo änderte sich seither deutlich. Bereits im zweiten Jahr verzichteten die Macher auf die Fahrtenschreiber-Optik und beließen nur den knackig-gelben Punkt mit den markanten zwei Buchstaben auf dem Titel.

In abgewandelter Form ziert der „PS-Kuckuck“ das Blatt bis heute. Inhaltlich beackerte „PS die neue Motorradzeitung“ das ganze Themenfeld. Dabei nahm die Sportberichterstattung – On- wie Offroad – übermäßig viel Platz der im ersten Jahr höchstens 66 Seiten starken Zeitschrift ein. Auch die Sparten Technik und Reise waren stark vertreten. Den vergleichsweise überschaubaren Test teilten sich Straßen- und Geländemaschinen, selbst Gespanne fanden den Weg ins Heft. Witzig: Leserbriefe nannten die Blattmacher damals „Überdruckventil“.

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Layouts damals und heute: Unterschied wie Tag und Nacht

Für heutige Maßstäbe ungewöhnlich war das sehr Text-lastige Layout (Fachjargon: „Bleiwüste“) mit winziger Schrift und oft nur wenigen, kleinen Schwarz-Weiß-Fotos. Schwelgten die PSler beim Schreiben damals etwa in der eigenen Herrlichkeit? Nein, denn der Blick in andere Gazetten verrät: Die Ausrichtung entsprach dem Zeitgeist. Was die Farbgestaltung angeht, wandelte sich dieser glücklicherweise schon bald. Zwar bestimmten nach wie vor Grautöne die Aufmachung, doch insgesamt wurde das Blatt ab dem zweiten Jahr merklich bunter. Außerdem strichen die Verantwortlichen das Wort „neue“ im Logo und nannten das Heft schlicht „PS die Motorrad Zeitung“.

Weniger bescheiden gab man sich dagegen beim Heftumfang. Der erhöhte sich 1976 im Schnitt auf stolze 88 Seiten. Beim Inhalt fuhr man aber weiter die bewährte Schiene und gab sich als Generalist. Ständig steigende Auflagen und wachsende Heftumfänge gaben dem Konzept recht – vorerst. Im Frühjahr 1976 verkaufte der Verleger Karl Stiller die Zeitschrift an den Motor Presse Verlag (heutige Motor Presse Stuttgart). Obwohl PS schon damals vereinzelt sportliche Einlagen wie Sprünge oder Wheelies auf dem Titel zeigte, blieb die eher konservative Ausrichtung bestehen. Bestes Indiz dafür ist die Leserschaft, die 1981 bei der Wahl zum „Motorrad der Vernunft“ die Alleskönnerin BMW R 80 G/S zum Sieger kürte – heute undenkbar!

Ereignisreiche Zeiten in den achtziger Jahren

Im Laufe der Achtziger dann die Wende: Wegen eines kriselnden Zweiradmarkts und der wachsenden Konkurrenz gingen die Auflagenzahlen immer weiter in den Keller. Was tun? Dass die Stimmung in dieser Periode mitunter gereizt war, verdeutlicht ein Leitartikel des damaligen PS-Chefredakteurs Wolfgang Bernhardt.

Er weigerte sich, den Erscheinungstermin von PS nach hinten zu verlegen, um die Neuheit BMW K 75 erst nach der großen Schwester MOTORRAD zu präsentieren: „Wir sind zwar nicht so groß (quantitativ) wie ‘MOTORRAD‘, aber auch nicht so klein, um uns verarschen zu lassen.“ Der Rauswurf folgte postwendend.

Starke Veränderungen in den letzten 40 Jahren

1990 folgte schließlich der radikale Schnitt. Ab diesem Zeitpunkt nannte sich das Blatt „PS das Sport-Motorrad Magazin“, beschäftigte sich ausschließlich mit sportlichen und supersportlichen Maschinen und präsentierte diese auf Action-geladenen Fotos. Bestes Beispiel ist der erste Titel nach der Umstellung (Oktober 1990) mit drei Superbikes im Formations-Wheelie. Ihm sollten noch viele weitere folgen. Auch die Rubrik „Edelbike“, die einzigartige Umbauten von Lesern und Tunern zeigte, kam neu hinzu und prägte das Heft über viele Jahre. 

Ebenso wie die Sparte „Tune-Up“. Bei diesen Spezialtests schraubte PS unterschiedlichstes Zubehör (Fahrwerk, Reifen, Bremsen, Auspuff, etc.) an Sportbikes und optimierte deren Performance sehr effektiv. Auch das Sponsoring der attraktivsten Rennserie „Superbike-DM“ fiel in diese Zeit. Ab dieser Neuausrichtung stieg die Auflage rasant, Ende offen. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg verschwanden ab Mitte 1996 endgültig die letzten Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Heft.Außer „normalen“ Tests lieferte die PS-Mannschaft auch immer wieder Vergleiche der Kategorie „totally crazy“, die bis heute Kultstatus genießen. 

Foto: Archiv
10/2000: Viel Aufsehen erregte der Vergleich, bei dem unterschiedliche Bikes mit einem Porsche 911 Turbo um die Wette ankerten. Vor allem das Aufmacherbild entfachte heftige Diskussionen. Ist es wirklich möglich, mit dem Sportwagen einen Stoppie zu ziehen? Auflösung: Nein, das Bild war eine (astreine) Fotomontage.
10/2000: Viel Aufsehen erregte der Vergleich, bei dem unterschiedliche Bikes mit einem Porsche 911 Turbo um die Wette ankerten. Vor allem das Aufmacherbild entfachte heftige Diskussionen. Ist es wirklich möglich, mit dem Sportwagen einen Stoppie zu ziehen? Auflösung: Nein, das Bild war eine (astreine) Fotomontage.

So bretterte die Crew beispielsweise mit drei Supertourern an einem Montag in aller Herrgottsfrüh von Stuttgart zum Nürburgring, um an einem Renntraining teilzunehmen. Danach ging’s mit Vollgas zum Rundkurs nach Hockenheim, um dort beim abendlichen Montagstraining zu starten. So mancher Gegner staunte nicht schlecht, als die Dickschiffe auf der Piste an ihm vorbeizogen. Diese und weitere Spezial-Storys können Sie auf unserer Homepage (www.ps-online.de) herunterladen.

Und heute? Massive Einbrüche bei den Verkäufen von Sportlern und Supersportlern in den letzten Jahren erforderten eine weitere Neuausrichtung. So ballern wir seit der März-Ausgabe dieses Jahres mit allem, was sich auf Asphalt sportlich bewegen lässt – inklusive Mittelklasse-Bikes, Allroundern und Nakeds. Sie alle vertragen die sportive Gangart immer besser, was eine breitere Basis für unsere Lieblingsbeschäftigung bietet: Motorräder flott bewegen. Das zeigt sich auch im neuen Logo, mit dem wir uns klar dazu bekennen: „PS sportlich schnell motorradfahren“. In den letzten vier Jahrzehnten hat sich also einiges verändert und bietet kaum mehr Parallelen zu früher. Besonders zu damals, als der Großvater die Großmutter nahm – hurra!

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