60. Geburtstag von Egon Müller Gratulieren Sie dem singenden Weltmeister!

Egon Müller in Aktion.
Es war ein besonderer Sonntag vor 25 Jahren, im September 1983. Im Hexenkessel der ostfriesischen Stadt Norden gewinnt Egon Müller vor 45000 begeisterten Zuschauern als bislang einziger Deutscher den WM-Titel im Speedway. Bereits dreimal zuvor, 1974, 1975 und 1978, war Egon Sandbahnweltmeister. Doch der Gewinn des Speedway-Finales 1983, sein vierter WM-Titel, das sei bis heute sein schönster geblieben. Das sagt Egon Müller, wenn er anlässlich seines 60 Geburtstag auf sein Leben zurückblickt. Und das ist an Vielfalt kaum zu überbieten: Egon kommt am 26. November 1948 im zerbombten Kiel als jüngstes und letztes von zwölf Kindern in einer Musikerfamilie zur Welt. Als Kleinster und Schmächtigster lernt er früh, auf sich aufmerksam zu machen. Schon im zarten Kindesalter entdeckt Egon seine Liebe zum Zweirad, der Vater schenkt ihm für fünf Mark eine schrottreife Victoria. Mit Elf Jahren fährt der kurze Kieler damit heimlich zur Schule, versteckt das Moped im Gebüsch. Als er mit 15 eine Lehre als Zweiradmechaniker beginnt, hat er bereits viel Schrauberkenntnis gesammelt. Mit 17 tritt er in einer Trial- und Feuershow auf. Die langjährige Erfahrung im Trialsport wird sich später für ihn auszahlen, er erlernt ein ganz besonderes Balance-Gefühl.
Video von Egon Müllers Sieg in Norden von 1983:




Egon Müllers als Amadeus Liszt:


Anzeige
Foto: Schmieder
Als 21-Jähriger kommt Egon zum Bahnsport, trägt bunte, selbst genähte Lederanzüge. In seinen 33 Jahren (!) Profikarriere nimmt Egon an sieben Finals der Speedway-Weltmeisterschaft teil. Darüber hinaus wird er fünf mal Deutscher Speedway-Meister: 1979, 1981, 1983, 1984, 1985. Egon fährt von Sieg zu Sieg. Bis zu seinem letzten Rennen im Jahre 1997 hat er sich 65 Knochenbrüche zugezogen, meistens durch andere Fahrer verschuldet. Doch der 1,69 Meter große Kieler steht immer wieder auf. Über 3000 Pokale hat er in seiner Laufbahn gewonnen. Sein erstes Rennen machte er 1964 in Kiel-Mönkeberg ohne Fahrerlaubnis. Bei der Rennanmeldung legte der damals 15-Jährige angeblich den Führerschein eines älteren Freundes vor. Ergebnis: Zweiter Platz! Nicht allein seine herausragenden sportlichen Leistungen und akrobatischen Einlagen machten Egon beim Publikum äußerst populär. Er nimmt mit trockenem norddeutschem Humor und seiner schnoddrig-lockeren Art reihenweise Herzen ein: immer ein flottes Wort auf den Lippen, ist er mit dem Mundwerk erst recht ungeschlagen. Seine Schlagfertigkeit und seine langen blonden Haare machen ihn zum Mädchenschwarm, zum Sonnyboy in jedem Fahrerlager.

So fuhr er nach dem Gewinn des WM-Titels 1983 auf eigene Faust nach Mainz zum ZDF und verlangte Sportchef Hajo Friedrichs. Doch der zeigte sich eher reserviert. "Hey, ich bin gerade Weltmeister geworden," soll Egon dem Redakteur entgegnet haben. "Was soll ich noch werden, um in Ihre Sendung reinzukommen, Mars-Meister vielleicht?" Zwei Wochen später saß er im "Aktuellen Sportstudio", konnte der TV-Nation Rede und Antwort stehen. So wurde er einer der bekanntesten Motorradfahrer der 80er Jahre, ein echter Superstar, nicht nur medial auf Augenhöhe mit Toni Mang oder Martin Wimmer.
Anzeige
Angesichts seiner musikalischen Familie war Egon wohl seine zweite Karriere als Musiker und Show-Talent in die Wiege gelegt. Legendär wurden seine Auftritte unter dem Künstlernamen Amadeus Liszt. Er tingelte durch Land-Diskotheken und TV-Shows. Seine größten musikalischen Erfolgen waren "Rock'n rollin' Speedwayman", "The devil wins" und "Win the Race". Selbst wenn die Meinungen über seine Musik erheblich weiter auseinandergehen als die über seine fahrerischen Qualitäten, so gehörten sie beim Mann am Mikro doch stets zusammen: Insgesamt 100000 verkaufte Singles dienten ihm zur Finanzierung seiner Rennerei. Für einen Krimi der Reihe "Die Männer vom K3" fungierte Egon als Drehbuch-Berater, die Story spielte auf seine Idee hin im Speedway-Millieu.

Nach seiner aktiven Zeit verlagerte sich Egon auf Motorentuning von Speedwaymaschinen. Er wurde auch hier sehr erfolgreich. Zu seinen Schützlingen gehören unter anderem der deutsche Youngster Tobias Kroner und das Gras- und Langbahn-Ass Enrico Janoschka. Erfolgreich tunte er auch die Motoren des verstorbenen Ex-U21-Weltmeisters Robert Dados und des Polen Tomasz Gollob.

Die Redaktion MOTORRADonline gratuliert diesem sportlich wie menschlich herausragenden Fahrer sehr herzlich. Ganz gemäß seines eigenen Wahlspruchs: "Einer kann immer etwas besser." Egon, mach uns weiter den Mars-Meister!

Wer dem schillernden Champion gratulieren will, ihm einen freundlichen Gruß oder eine kritische Anmerkung schicken will, ist in Absprache mit Egon Müller herzlich dazu eingeladen:

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote