Motorräder im Bonner Haus der Geschichte Der amerikanische Weg. Und der deutsche. Und der japanische

Das Bonner Haus der Geschichte zählt zu den zehn meistbesuchten Museen in Deutschland. Seine unterhaltsame Dauer-Ausstellung zur deutschen Geschichte seit 1945 setzt Maßstäbe, die Wechsel-Ausstellungen werden weithin beachtet. Eine davon ist "The American Way – die USA in Deutschland", die noch bis 2. Februar täglich außer montags zu sehen ist. Darin geht es um den vielschichtigen, mitunter ambivalenten Einfluss Amerikas hierzulande.

Foto: Haus der Geschichte Bonn

Eines der Highlights der Schau: Eine Replika des Harley-Choppers "Captain America", mit dem Peter Fonda 1969 durch den Kultfilm "Easy Rider" donnerte. Der Begleittext dazu: "Die Harley-Davidson (..) ist ein Symbol für den Wunsch nach Freiheit und Abenteuer." Den Nachbau stellte Matthias Korte, Inhaber von Harley-Davidson Hannover, dem Bonner Museum zur Verfügung. Die seinerzeit bei den Dreharbeiten für das US-Road-Movie eingesetzten Motorräder gelten als verschollen.

Auch in seiner dauerhaften Exposition zeigt das Haus der Geschichte besondere Zweiräder. Etwa eine ehemalige Eskorten-BMW aus den 60er-Jahren zur Illustration von Staatsempfängen in der Bonner Republik. Eine Vespa "Königin" steht stellvertretend für das Wirtschaftwunder und die Sehnsucht nach italienischer Lebensart im Westdeutschland der 50er-Jahre. Ein Miele-Fahrrad mit Hilfsmotor verdeutlicht wieder aufkeimenden Verkehr im zerstörten Nachkriegsdeutschland, eine schmucklose Simson die Mobilität der werktätigen Massen in der DDR.

Sehr sehenswert: Die originale, unrestaurierte Zündapp Sport-Combinette, die vor 50 Jahren dem einmillionsten Gastarbeiter in der Bundesrepublik zum Geschenk gemacht wurde. So beglückte 1964 die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände den Portugiesen Senor Rodrigues. Die Sport-Combinette war das meistgekaufte deutsche Mokick ihrer Zeit. Ihr vielhunderttausendfach bewährter 50-Kubik-Zweitakter hatte Gebläsekühlung, Dreiganggetriebe mit Fußschaltung, und Kickstarter und leistete 2,6 PS. Sein Chassis kennzeichneten eine "moderne Druckgusskarosserie", Teleskopgabel, sowie hydraulisch gedämpfte Federbeine. Und was vielleicht am wichtigsten war: Klassengemäß steuerfrei mit Führerschein der Klasse 5 zu bewegen.

In einer anderen Abteilung des Museums steht eine Honda CB 750 F, eine kleine Bol d'Or, in einem Übersse-Container. Sie steht, zusammen mit Hifi-Geräten und ersten Taschenrechnern, für die Epoche, als Japanische Produkte in den 70ern nach Europa und Deutschland strömten. Günstig und qualitativ hochwertig. Kleiner Schönheitsfehler: Der Vierzylinder ist mit einer Nachrüst-Verkleidung versehen, kam so niemals fabrikneu aus dem Land der aufgehenden Sonne bei uns an. Trotzdem macht es das Bonner Haus richtig, komplexe Geschichte(n) mit Zweirädern zu verdeutlichen. Den amerikanischen Weg. Und den deutschen. Und den japanischen.

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Das Bonner Haus der Geschichte

Der Eintritt in die Ausstellung ist frei.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 9 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr.

Haus der Geschichte Bonn
Willy-Brandt-Allee 14
53113 Bonn
www.hdg.de/bonn



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