Erschienen in: 10/ 2015 PS

Selbstversuch-Backflip vom PS-Redakteur

How to backflip

Ist es für einen Motocross-Frischling ohne langes Training möglich, einen sauberen Backflip hinzubekommen? PS-Redakteur Tobi startete den Selbstversuch.

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Ob es gut oder schlecht war, dass Tobi zuerst dem Profi zuschauen durfte? Sagen wir's so: der Respekt davor, selbst einen Backflip zu machen, wurde dadurch nicht gerade kleiner.

Ein paar Versuche waren nötig, bis der Backflip gepasst hat. Die Bilder davon sind aber definitiv sehenswert, deshalb einfach hier die Fotoshow anklicken!   26 Bilder

6 Seiten
aus PS 10/2015
Preis: 2,00 €

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"Ich muss diese Geschichte machen!", versuchte ich meine Amtsbrüder für die „Operation Backflip“ zu begeistern. Die Reaktionen reichten über das Kollegium hinaus von „der spinnt“ über „lass ihn nur reden“ bis „mach halt, aber brich dir nichts. Wäre grade blöd, wegen deiner Arbeitskraft“. Meinem Dafürhalten nach war die Wahrscheinlichkeit, dass ich mir bei der Aktion tatsächlich etwas brechen würde, verschwindend gering. Zum einen wollte ich den Sprung nicht auf Dirt landen, sondern in eine Foam-Pit hinein. Also eine weiche Schaumstoffgrube. Und zum anderen hatte ich mir bis dahin noch nie etwas gebrochen. Noch nicht einmal bei meinem bislang schlimmsten Crash, einem üblen Highsider in der Dreifachlinks von Oschersleben. Tobi stand wieder auf, die ZX-10R hatte es allerdings hinter sich. 

Trotzdem stellte mir Kawasaki Deutschland für die Backflip-Nummer spontan eine KX 85 zur Verfügung. Karsten aus der Sportabteilung sah zwar nicht so aus, als würde er dem Bengel mit der Klugscheißerbrille im Gesicht (fürs Motorradfahren gibt’s ja Kontaktlinsen) besonders hohe Chancen zugestehen, die Aktion auch nur halbwegs hinzubekommen. Aber bei Kawa arbeiten einfach coole Leute, und ich bekam das Moped. Noch einmal danke dafür!

Foam-Pit samt Backflip-Lehrmeister gesucht

Ungemein schwieriger gestaltete sich vorab die Suche nach einer Foam-Pit samt Backflip-Lehrmeister. Zum Glück pflegt unser Offroad-affiner Fotograf Markus Jahn gute Beziehungen in dieser Sparte. „Ruf den Kai Haase an, der ist ein genauso junger Kerl wie du und er besitzt eine eigene Schnipselgrube. Die einzige in Deutschland!“, erzählte mir Markus. Kai bewegt sich seit 2013 als Profi-Freestyler im Business. Er fährt Shows, Contests und hat das ganze Zeug einfach drauf. Meine Idee fand er so ungewöhnlich wie gut, und wir legten einen Termin fest. Innerhalb von zwei Tagen würde mir der Maestro auf seinem Trainingsgelände bei Potsdam die Schaumstoffgrube inklusive seiner Expertise zur Verfügung stellen. Bingo!

Während der langen Fahrt von Stuttgart nach Berlin dachte ich an gar nichts und ließ das Radio laut plärren. Ich würde den Sprung wenigstens einmal machen. Für die Kamera. Dann wäre auf jeden Fall mal was im Kasten, mit dem man in der Redaktion arbeiten könnte.

Du musst ein Gefühl für das Bike bekommen!

Auf dem Gelände angekommen, regnete es leise vor sich hin. Kai und seine Freundin Sofia waren gerade dabei, die Strecke zu präparieren und die Rampen aufzubauen. Für die Aktion mussten wir einen Bagger mieten, der mich und das Bike mit Hilfe eines Seils wieder aus der Schaumstoffgrube herausfischen würde. „Mach dich am besten schon einmal mit dem ­Moped vertraut und fahr ein paar Runden. Du musst ein Gefühl für das Ding bekommen!“, sagte Kai. Auf der anderen Seite des Hügels befand sich eine Art „Oval“, in dem ich mit der kompakten 85er nicht sofort im Matsch versank und wir uns ein wenig anfreunden konnten. Es war für mich erst das fünfte Mal auf einem Motocross-Bike überhaupt und das erste auf einem Zweitakter. Die leichte KX hat 24 PS und geht im oberen Drehzahlbereich wie Sau. Und damit sollen 12-jährige Kinder Rennen fahren? Mein lieber Scholli!

Das nun stark umgegrabene „Oval“ war in Wirklichkeit das Fahrerlager. Platzwart Günther gehört aber Gott sei Dank nicht zur Sorte nachtragender Menschen und hat mir unter Berücksichtigung der „Operation Backflip“ schnell verziehen. In der Zwischenzeit standen die Freestyle-Rampen. Alle Vorbereitungen waren getätigt.

Dann war es so weit. „Wir üben jetzt erst einen normalen Sprung in die Foam-Pit über die kleinere Erdrampe hier“, ordnete Kai an. Gesagt, getan. Das war doch schon ganz gut, oder? „Na ja. Noch einmal! Und wenn das klappt, dann über die große Rampe!“ Maßgeblich entscheiden die Anfahrt zur Rampe sowie der Absprung selbst, ob der Trick gelingt. Es gilt, ruhig und vollkommen gerade auf den Kicker, so nannte man Schanzen jedenfalls noch zu meiner Skater-Zeit, zuzusteuern. Das Gas muss so gehalten werden, dass sich das Motorrad im optimalen Drehzahlbereich befindet, um beim nächsten Dreh aus dem Handgelenk mit voller Power loszuschießen. „Ohne die beschleunigende Kraft vom Hinterrad wirst du nicht rumkommen. In der Rampe musst du deshalb voll durchziehen!“, erklärte Kai. Klingt einfach, ist es aber nicht. Die Schanze ragt vor deinem Vorderrad knappe vier Meter in die Luft und weist im letzten Drittel eine nahezu senkrechte Steigung auf, fast wie eine Wand. Ich sprang zweimal, viermal, zwölfmal. In der Rampe wird das Motorrad durch die Kompression heftig in die Federn gedrückt, was den Effekt des Herauskatapultierens unterstützt und mit der Zeit spürbar auf die Beinmuskulatur geht. Das ständige Reinspringen brachte an diesem Punkt keine weitere Verbesserung, denn im Schnitt folgte allen zwei sauberen Sprüngen ein verkorkster. 

Es ging grandios daneben

Ich beschloss deshalb, den Flip jetzt einfach zu versuchen. Kai gab letzte Anweisungen: „Konzentration! Denk an die saubere Anfahrt. In der Rampe beschleunigen, sobald das Vorderrad die Rampe verlässt zurücklehnen und weiter Vollgas geben. Und egal, was passiert, spring nicht vom Bike ab!“

Es ging grandios daneben. Ich beging den Fehler, einen Finger an der Kupplung und einen an der Bremse zu lassen. Sofort schlug es mir das Moped aus der Hand, unmittelbar nachdem ich mich nach hinten wegdrehen wollte. So festhalten geht nicht, keine Chance. Zweiter Versuch.

Vor der Rampe gibt es nur zwei Möglichkeiten: machen oder bleiben lassen. Du kannst dir keine Unsicherheit erlauben, denn die Rampe wird es riechen, dich in irgendeine Richtung wegspucken und dir das Moped ins Genick werfen. Hirn neu kalibrieren. Anfahren. Gas. Drehen, drehen, drehen. Und Jubel! Es hat geklappt!

Motocrossmäßig voll angefixt

Weil einmal eben keinmal ist, musste ich es selbstverständlich gleich noch mal versuchen. Es dauert eine Weile, bis man ein Gefühl für die notwendige Geschwindigkeit der Drehung bekommt. Profi-Freestyler springen ihre Tricks übrigens schon beim ersten Mal häufig auf Dirt, ganz ohne Foam-Pit. Aber Profi-Freestyler haben auch Tattoos und alles. Ich habe nur meine Klugscheißerbrille und trage sonst in der Redaktion gerne Hemden. Motocrossmäßig bin ich aber voll angefixt – vielleicht gehe ich demnächst doch mal zum Tätowierer um die Ecke.

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15.09.2015 |  Artikel drucken | Senden | Kommentar

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