Basis-Know-how: Gehörschutz Kopfdichtung

Vor allem Hobbyracer vernachlässigen das Thema Gehörschutz. Dabei belasten hohe Geschwindigkeiten die Ohren enorm, was zu schweren Folgeschäden führen kann. PS erklärt, wie 2,45 Euro das Gehör schonen.

Foto: 2snap

Kopfdichtung

Ein langer, harter Tag auf der Rennstrecke geht zu Ende. Man zieht den Helm ab, schält sich aus der Kombi, schlüpft in bequeme Klamotten und lässt sich erschöpft in einen Klappsessel fallen. Entspannen.

Doch kaum kommt der Körper ein wenig zur Ruhe, stört ein leises Summen aus dem Innern des Kopfes die Idylle: Ohrensausen. Düüüüüüü. Mit diesem Geräusch quittiert das Gehör die Überlastung durch Windgeräusche und offene Auspuffanlagen. Gleichzeitig versucht es, den Piloten zu warnen.

Gerade in der Hobbyfahrerszene nehmen viele Piloten diese Warnung jedoch nicht ernst und riskieren damit eine dauerhafte Schädigung des Gehörs. Die Gründe für dieses blauäugige Verhalten sind unterschiedlich: Da die negativen Folgen oft erst nach vielen Jahren in Erscheinung treten, entwickelt ein Großteil der Fahrer kein Bewusstsein für die Gefahren des Motorradfahrens ohne Gehörschutz.

Insbesondere ambitionierte Hobby-Racer fürchten zudem, durch die Dämpfung im Gehörgang verdächtige Geräusche von Motor und Bremsen schlichtweg zu überhören und damit einen Sturz oder technischen Defekt zu riskieren.
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Gehörschutz im Straßenverkehr

In eine ähnliche Richtung zielt die Argumentation des Gesetzgebers: Nach § 23 der Straßenverkehrsordnung muss jeder Fahrzeugführer relevante Umwelteindrücke wie beispielsweise ein Martinshorn jederzeit wahrnehmen können, um im Notfall schnell zu reagieren. Nicht jeder Gehörschutz erfüllt diese Forderung.

Das Institut für Zweiradsicherheit IFZ stellt aus diesem Grund auf seiner Internetseite www.ifz.de unter der Rubrik Tipps & Tricks bei "G" wie "Gehörschutz" eine Positivliste der für den Straßenverkehr geeigneten Modelle bereit.

Mit solchen fährt der Pilot nicht nur leiser, sondern auch sicherer, denn gemäß des Weber-Fechnerschen-Gesetzes nimmt das menschliche Sinnessystem Reizunterschiede immer im Verhältnis zum Gesamtreiz wahr. Anders gesagt: Wenn ein Gehörschutz die Lärmbelastung um 50% reduziert, hört der Pilot die quietschenden Reifen des Vordermanns oder die Polizeisirene schon bei der halben Lautstärke.

Das Tragen eines Gehörschutzes birgt noch einen weiteren Vorteil, der vor allem auf der Rennstrecke eine entscheidende Rolle spielt: Die Dämpfung der penetranten Wind- und Motorgeräusche senkt das Stressniveau deutlich und hilft dem Piloten, sich besser auf die wesentlichen Aufgaben eines Racers zu konzentrieren: Bremspunkt, Linienwahl, Renntaktik.
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Gehörschutz-Varianten

Der Handel bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Gehörschutze an, die sich in drei Gruppen unterteilen lassen: maßgefertigte Otoplastiken, die ein Experte individuell auf die Gehörgänge des Kunden anpasst, vorgeformte universell passende Modelle und Ohrenstöpsel, die vor Gebrauch geformt werden müssen. Von 2,45 Euro bis über 120 Euro – die Preisspanne ist riesig. Spiegelt sich dieser Preisunterschied auch in der Qualität? Ja.

Die maßgefertigten Lärmschützer von Alpine oder Elacin passen perfekt und tragen sich sehr komfortabel. Dazu dämpft der integrierte Frequenzfilter lediglich unerwünschte Frequenzen, Sprache und Signaltöne bleiben gut hörbar.
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Alpine Motosafe

Auch die günstigere Variante "Motosafe" von Alpine für 24,95 funktioniert gut. Die Dämpfung lässt sich durch einen austauschbaren Einsatz variieren. Die sehr weichen Lamellen sind jedoch nicht jedermanns Sache.
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Oropax Color

Die günstigste Variante, um Ohren vor Lärm zu schützen, hängt in Drogerien. Für 2,45 Euro bekommt man zum Beispiel bei dm eine Achter-Packung Ohropax Color. Diese lassen sich durch Zusammenrollen mit etwas Übung leicht in den Gehörgang einführen, wo sie sich ausdehnen und zuverlässig dämpfen.

Welche Variante der Pilot letztlich bevorzugt, bleibt seinem eigenen Empfinden überlassen. Die Otoplastiken sitzen recht fest und sehr präzise im Ohr, während sich die formbaren Modelle nach dem Zusammenrollen im Ohr ausweiten und so dem Gehörgang anpassen. Ohrstöpsel, die für einmaligen Gebrauch vorgesehen sind, verlieren bei mehrfacher Benutzung etwas Dämpfleistung und eignen sich für den Dauereinsatz auf dem Motorrad deshalb nur bedingt.

Die Passform der maßgefertigten Otoplastiken muss alle zwei bis drei Jahre überprüft werden, da sich der Gehörgang in dieser Zeit geweitet haben kann. Der Infokasten rechts stellt drei Modelle der unterschiedlichen Produktkategorien vor. Jeder dieser Gehörschutze erfüllt seinen Zweck, redaktionsinterner Favorit sind aufgrund des Preises und der einfachen Handhabung allerdings die günstigen Ohropax Color.

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