Erschienen in: 25/ 2015 MOTORRAD

Bestseller der zehn größten Hersteller

Meistverkaufte Motorräder

Was zeichnet die in Deutschland zehn bestverkauften Motorräder aus? Warum liegen sie in der Käufergunst vorne? Preis, Design, Technik, Emotion? Eine Analyse des Motorradmarktes bis September 2015.

MEHR ZU

Jeweils der Bestseller der zehn größten Hersteller in Deutschland: 
Zusammengenommen kommen sie auf 21,5 Prozent Marktanteil. Eine Hausnummer.

Bildergalerie: Bestseller der zehn größten Motorrad-Hersteller.   24 Bilder

IN DIESEM ARTIKEL

Artikel als PDF downloaden Alle Downloads im Überblick

14 Seiten
aus MOTORRAD 25/2015
Preis: 2,00 €

PDF JETZT KAUFEN »

Da boomt etwas. Der Motorradmarkt befindet sich im Aufwind. 2013 wechselten 86.476 neue Motorräder den Besitzer, 2014 waren es 95.913 Stück. Auch 2015 sieht es sehr gut aus. Bis einschließlich September konnten die Hersteller in Deutschland 93.477 neue Motorräder verkaufen. Da muss man kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass die Zahl von 2014 bis zum Ende des Jahres 2015 noch geknackt wird.

Lässt sich dieser positive Trend an bestimmten Motorrädern festmachen? Für eine Prüfung im Detail werfen wir den Blick auf die Topseller der zehn größten Motorradhersteller in Deutschland. Stehen sie als Modell schon seit Längerem an der Spitze bei BMW, Honda, Yamaha und Co. – oder sind sie frisch hinzugekommen?

BMW R 1200 GS weiterhin ganz vorn

Zumindest wenn der Blick auf den unumschränkten Topseller der größten Marke in Deutschland fällt, bleibt alles beim Alten. Das ist fast so wie in der Politik. Der Spitzenreiter, so etwas wie die Kanzlerin, ist immer der Gleiche. Die Rede ist von BMW (aktuell 23 Prozent Marktanteil, größter Hersteller) und der R 1200 GS. Die führt die Zulassungszahlen schon fast gewohnheitsmäßig an. Glauben Sie nicht? Dann hier ein paar Zahlen: 2005 lag die BMW R 1200 GS auf Platz eins, von Januar bis Oktober setzten die BMW-Händler 6645 Stück der Großenduro ab, 2012 lag die GS auf Platz eins, von Januar bis September griffen 5603 Kunden zu.

Und 2015 ändert sich daran nichts. Wieder liegt die BMW R 1200 GS auf Platz eins der Statistik von Januar bis September. Sie konnte 6675 Käufer für sich begeistern. Wenn das keine Konstanz ist, was ist es dann? Ist das nur eine Ausnahme, oder trifft das auch auf die weiteren Volumen-Stars der anderen Hersteller zu? Bevor wir uns den einzelnen Topmodellen der Hersteller genauer widmen, fördert der Blick in die Vergangenheit viel Interessantes zutage, was bei der Beantwortung der Frage Dauerbrenner oder neuer Star weiterhilft. Die Jahre 2013 und 2015 bilden die Grundlage der Analyse. Auf zu den Details.

Meistverkauftes Motorrad von Yamaha?

Zweitgrößter Hersteller 2015 ist Yamaha. Das in diesem Jahr meistverkaufte Motorrad der Japaner? Die Yamaha MT-07 – also ein neues Modell, das vor zwei Jahren noch gar nicht verfügbar war. Wobei die quirlige Yamaha für das Abziehbild eines Trends steht, der aktuell dem Hersteller aus Hamamatsu richtig auf die Sprünge geholfen hat. Die Rede ist von bezahlbaren, guten Motorrädern. Die sind, was Technik und Power betrifft, keine Spitzenreiter, aber sie bieten verlässliche Technik und narrensicheres Handling zu überschaubaren Kosten. Dass diese Motorräder sehr gefragt sind, machen die weiteren meistverkauften Motorräder der zehn größten Hersteller klar. Denn bei sieben von ihnen – außer bei Aprilia, BMW und Harley-Davidson – sind die Marken-Topseller Fahrzeuge, die weniger als 10.500 Euro kosten.

So auch bei der Yamaha MT-07. Für 6400 Euro wechselt sie samt ABS den Besitzer. Ein richtig gutes Angebot, das die Verkäufe von Yamaha förmlich beflügelt hat. 2013 griffen 5221 Kunden zu Motorrädern mit den gekreuzten Stimmgabeln. 2015 waren es 10.715. Oder anders ausgedrückt: Drohte Yamaha 2013 noch im Niemandsland der Zulassungsstatistik zu verschwinden, sorgen aktuell 11,5 Prozent Marktanteil für den ersten Verfolgerplatz hinter BMW.

Honda drittgrößter Hersteller bei den Marktanteilen

Die Yamaha MT-07 veranschaulicht, wie wichtig budgetorientierte Motorräder sind, verdeutlicht aber auch, dass es im Programm eines Motorradherstellers nicht schaden kann, mit neuen, ansprechend designten, attraktiven Modellen Impulse für Käufe zu setzen.

Das fällt besonders auf, wenn man die Entwicklung von Yamaha im Vergleich zu Honda (aktuell 10,6 Prozent Marktanteil, drittgrößter Hersteller), Kawasaki (aktuell 10,6 Prozent Marktanteil, viertgrößter Hersteller), Suzuki (aktuell 7,4 Prozent Markt­anteil, siebtgrößter Hersteller) und Harley-Davidson (aktuell 9,8 Prozent Marktanteil, fünftgrößter Hersteller) betrachtet:

  • Honda 2013: 12.033 verkaufte Motorräder
  • Honda bis September 2015: 9905 Stück.

Bei Kawasaki lauten die entsprechenden Zahlen für die beiden Jahre 9418 zu 9867; bei Suzuki 6222 zu 6962; bei Harley-Davidson 9968 zu 9189.

Motorradmarkt 2014 um 9,49 Prozent gewachsen

Honda, Kawasaki, Suzuki und Harley-Davidson weisen aktuell nur leicht gestiegene oder rückläufige Zahlen in der Gegenüberstellung der Jahre 2013 zu 2015 aus. Vor dem Hintergrund, dass allein 2014 der Motorradmarkt im Vergleich zum Vorjahr um 9,49 Prozent gewachsen ist und auch in diesem Jahr wieder ein Plus von über fünf Prozent ausweisen wird, eigentlich ein Unding.

Der positive Branchentrend spiegelt sich also nicht in den Verkäufen von Honda, Suzuki, Kawasaki und Harley-Davidson wider. Der Blick auf die Topseller dieser Hersteller liefert eine Erklärung: Die Honda NC 750 X, die Kawasaki ER-6-Modelle und die Suzuki GSR 750 sind keine schlechten Fahrzeuge, sind die Topseller ihrer Marke. Aber sie sind alle schon lange so oder leicht modellgepflegt im Programm.

100_Was ihr wolltet (jpg)

Jeweils der Bestseller der zehn größten Hersteller in Deutschland.  

MOTORRAD  

Und sie sind fast alle teurer als die Yamaha MT-07, die realistisch betrachtet fast alles genauso gut kann wie die drei Letztgenannten. Fehlt noch Harley-Davidson: Die Harley-Davidson Forty-Eight als verkaufsstärkstes Bike geht immer. Seit 2011 wird sie jährlich mehr als 1000-mal verkauft. Dennoch: Bei den Amerikanern muss sich etwas tun. Die Company aus Milwaukee hat 2015 neben Honda bisher weniger Motorräder in Deutschland verkauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Das sollte bei der aktuellen Marktentwicklung zum Nachdenken anregen. 

Das hat Triumph schon gemacht. Die Briten lagen 2013 noch auf Platz sieben der Zulassungsstatistik. 5666 ihrer Zweiräder wechselten in diesem Zeitraum den Besitzer. Einschließlich September 2015 waren es aber nur 4680 Stück (fünf Prozent Marktanteil, neuntgrößter Hersteller). Auch hier ist ein negativer Trend zu beobachten. Triumph hat darauf schon reagiert, seine Classic-Linie für das Jahr 2016 überarbeitet. Das wird sicherlich für entsprechende Kaufanreize im angesagten Retro-Umfeld sorgen und Triumph wieder weiter nach vorne schieben.

Ducati wagt Schritt in ungewohnte Richtung

Dass ein klassisch angehauchtes Motorrad ordentlich Schwung in eine Marke bringen kann, demonstriert in diesem Jahr Ducati (aktuell 5,8 Prozent Marktanteil, achtgrößter Hersteller). Standen die Motorradbauer aus Bologna zuletzt eher für rassige Sportbikes und rasante Landstraßenkracher à la Monster, so sind sie mit der Ducati Scrambler einen gehörigen Schritt in die andere Richtung gegangen.

Den alten, luftgekühlten L-Twin wiederbelebt, in der Leistung beschnitten, im Drehmomentverlauf optimiert und ihn in ein ansehnliches Kleid gepackt: Was sich auf den ersten Blick als Nische im Programm der Italiener hätte erweisen können, hat sich 2015 zum handfesten Ducati-Topseller gemausert. 1543 Kunden griffen bei der Ducati Scrambler zu. Und es wären sicherlich noch mehr, wenn man so schnell hätte liefern können, wie die Orderwünsche ins Haus flogen.

130_Was-ihr-wolltet.jpg

Modellgesamtliste.  

Foto: MOTORRAD  

Ebenfalls zu den stärksten Marken 2015 gehören KTM (aktuell neun Prozent Marktanteil, sechstgrößter Hersteller) und Aprilia (aktuell 1,3 Prozent Marktanteil, zehntgrößter Hersteller). Die bestverkauften Bikes der beiden hören auf die Namen KTM 690 SMC R und Aprilia Tuono V4 1100. Die Supermoto-Österreicherin kommt auf 1337 Einheiten. Als Vertreterin der „Quer siehste mehr“-Fraktion ist die 690er zwar kein Sonderangebot, bleibt aber immer noch diesseits der 9000-Euro-Marke. Und würzt ihren Einstandspreis mit einer gehörigen Portion Unvernunft.

Die begeistert neben alten Hasen vor allem viele A2-Führerschein-Neulinge. Die sind schon gedrosselt mit der KTM 690 SMC R nicht schlecht motorisiert unterwegs, nach zwei Jahren gibt es dann eine gehörige Schippe an Leistung obendrauf. Die Supermoto sehen viele gleich zu Beginn ihrer Zweiradzeit als lohnende Investition für eine lange Motorradbeziehung. Dass die Österreicher mit dem kontinuierlichen Ausbau ihres Modellprogramms viel richtig gemacht haben, illustrieren auch hier die Zulassungszahlen der vergangenen Jahre.

2013 entschieden sich noch 6902 Käufer für eine neue KTM, aktuell wuchs diese Zahl auf 8444. Eigentlich hätte gerade KTM das passende Material im Programm, um der Nummer eins in dieser Übersicht gefährlich zu werden. KTM 1190 Adventure und KTM 1290 Super Adventure setzen auf die gleichen Tugenden wie die BMW R 1200 GS. Anzutreffen sind sie aber erst auf den Plätzen 48 und 50 der Zulassungsstatistik. In Summe entschieden sich 1118 neue Adventuristen für die beiden Modelle. Der Abstand zu den 6675 verkauften GS bleibt ein großer.

Bestseller von Aprilia lautet Tuono V4 1100

Von diesen Zahlen träumen sie bei Aprilia. Die Aprilia Tuono V4 1100 als Bestseller der zehntgrößten Marke liegt nur auf Platz 67 (388 Stück) aller Neuzulassungen. Dabei bringt sie eigentlich alles mit, was fürs richtige Kitzeln im Bikerbauch sorgen sollte: tolle Optik, satte Leistung, wertige Machart. Aber auch einen gehobenen, angemessenen Preis. Die Aprilia begeistert, weil sie mit ihrem leistungsstarken V4-Motor ein formidabler Vorwärtsprescher ist. Nur scheint das, was für den emotionalen Kick sorgt, für viele schon ein wenig zu viel zu sein. Den Italienern fehlt einfach ein massenkompatibles Motorrad. 2011 verkauften sie noch 1953 Fahrzeuge, 2015 sind es bisher nur 1244. 

Was die aktuelle Statistik fürs Jahr 2015 auch zeigt: In Deutschland fährt man am liebsten aufrecht. Sportler finden sich nicht unter den Topsellern der größten Marken und auch nicht unter den ersten zehn der gesamten Zulassungszahlen. Erst mit der BMW S 1000 RR auf Platz 18 (1123 Stück) folgt die häufigste Wahl aller Freunde der gebückten Motorradfortbewegung. Als Technologieträger, als Maßstab im Wettstreit leichter, leistungsstärker und maximiert auf die schnelle Hatz, sind sie nach wie vor ein wichtiges Entwicklungsumfeld für die Motorradhersteller. Als Verkaufsschlager taugen sie indes nicht mehr. Unterm Strich bleibt beim Blick auf die meisten Topseller der zehn größten Hersteller festzuhalten: Wer in Deutschland Stückzahlen verkaufen will, muss den Preis im Auge behalten und dafür ein handliches, flexibel nutzbares Bike im Portfolio haben, das auch beim Design nicht in Richtung altbacken abfällt. Oder eben eine BMW R 1200 GS im Programm führen.

Motorrad-Neuzulassungen - Gesamtergebnis des Jahres 2015

Platz 50: Honda Crosstourer | Neuzulassungen 2015 (gesamt): 582 | Anteil juristische Personen: 26,8 % | Anteil natürliche Personen: 73,2 %.

Bildergalerie: Top 50 der Motorrad-Neuzulassungen für das gesamte Jahr 2015.   50 Bilder


WEITER ZU SEITE 2: Platz 1: BMW

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | ...    
26.11.2015 |  Artikel drucken | Senden | Kommentar

DIESEN ARTIKEL KOMMENTIEREN 


  • Marke

    Lade...

  • Modell

    Bitte Marke auswählen!

Metzeler Westen von Held
Metzeler Westen von Held
Metzeler und MOTORRAD-HELDEN verlosen praktische Westen von Held. mehr
Gebrauchtmarkt
29066