Buchrezension "Das Motorrad" Warum war das Motorrad der Weg zum Auto?

Wer sich für die Geschichte des Motorrads interessiert, wird an Frank Steinbecks Buch "Das Motorrad. Ein deutscher Sonderweg in die automobile Gesellschaft" nicht vorbei kommen. Weil es viel mehr und anderes bietet, als die herkömmliche Literatur.

Foto: Hertler

Die Geschichte des Motorrads – in der Fachliteratur begegnet sie uns fast ausschließlich als Geschichte der Motorräder einzelner Marken, Epochen oder Länder. „Ducati“, „Meilensteine der Motorrad-Geschichte“, „Motorrad-Legende BMW GS“ oder auch ganz schlicht „Motorräder“ – diese vier willkürlich herausgegriffenen Beispiele begreifen die Geschichte des Motorrads als reine Maschinen- und Technikgeschichte, die an einer Reihe von Motorradtypen entlang erzählt wird.

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Foto: Hertler

Andere Perspektiven, viel weiterer Horizont

Frank Steinbecks Buch eröffnet ganz andere Perspektiven, überblickt einen viel weiteren Horizont. Wie kamen die Menschen auf die Idee, Motorrad zu fahren? Wieso produzierten Unternehmer Motorräder oder auch nicht? Unter welchen politischen, gesetzlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geschah das eine oder das andere und warum fanden die Deutschen erst über den Umweg Motorrad zum Auto? Diese Fragen hat sich Frank Steinbeck gestellt und sechs Jahre intensiv daran gearbeitet, sie zu beantworten. Dafür hat er nicht allein amtliche Quellen wie Gesetze und Verordnungen herangezogen, sondern auch reichlich historische Fachliteratur zu verschiedenen Bereichen, zahlreiche Fachzeitschriften, die Bestände von Werksarchiven oder belletristische Literatur bemüht.

Vorsicht, wegen dieser Fülle an Belegen ist Steinbecks Buch nicht so leicht zu lesen, wie eine populär geschriebene, bilderlastige Markengeschichte. Es verdient aber Bewunderung, wie seriös und sicher der Autor seine Leser durch einen wahren Dschungel von Zahlen und Fakten, also ein komplexes Thema führt. Über das eigentliche Ziel der Darstellung hinaus liefert Frank Steinbecks Werk eine Fülle von Material für diejenigen, die selbst an motorradgeschichtlichen Themen arbeiten. In welcher Form auch immer. Der hohe Preis von 57 Euro ist also voll gerechtfertigt.

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