Buchtipp "Fuel for the Soul" von Rolf Henniges Schräg, heiter, lesenswert

Best of – zumindest bisher: Das Buch von Rolf Henniges umfasst zahlreiche neue und bereits erschienene Reportagen, überarbeitet und ergänzt. Eine wilde Achterbahnfahrt auf zwei Rädern.

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Foto: MPS

Rolf war gerade 13 und stolzer Besitzer "eines verlebten, lavaroten Rixe-Fahrrads. Es stand im Hintergrund und ließ die geschundene Privileg in diesem Augenblick wie eine Rennmaschine wirken". Mit der Privileg Standard 25 hatte Horst, der Briefträger von Sudershausen in Südniedersachsen, die Post ausgefahren. Bis ein Besoffener das Mofa ramponiert. Dann wird Rolf neuer Besitzer – und das lavarote Rixe-Rad geht in Rente. Um Elke zu beeindrucken, weil die damals schon Brüste hatte, will Rolf einen Wheelie fahren. Das mit dem Wheelie geht schief. Das mit den Brüsten sowieso.

In MOTORRAD ist Rolf Henniges, der Südniedersachse aus Sudershausen, in all den Jahren, seit er 1999 zur Redaktion kam, zum Mädchen für alles geworden. Hauptsache, das Thema hat mit Maschinen zu tun. Und irgendwie skurril darf es auch gerne sein: etwa mit einem flüssiggasbetriebenen 353-Kubik-Daihatsu-Tuk-Tuk 700 Kilometer durch Thailand fahren, auf einer Boss Hoss mit Aston Martin-V12 rund ums Krankenhaus von Wuppertal-Elberfeld oder mit ­seinem damals siebenjährigen Sohn Paul und einer Kawasaki W 800 ans Meer. Rolf macht’s einfach. Und versteht es anschließend, das Thema in eine Reportage zu ­packen, die einem als Leser das Gefühl gibt, man wäre selbst dabei gewesen.

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"Klein, pickelig, mit Zahnlücken und ohne Frisur"

Für sein aktuelles Buch "Fuel for the Soul" hat Rolf Henniges seine besten MOTORRAD-Texte überarbeitet und als Taschenbuch zusammengestellt. Eine Art "Best of – zumindest bisher". Wer schon ­lange genug MOTORRAD liest, wird sich an die ein oder andere Geschichte erinnern. ­Einige der 33 Kapitel von "Fuel for the Soul" sind aber neu und noch nie erschienen. Die Highlights sind die Schoten von Schröder, Tüte, Pinne und ihm, Rolf: Ende der 70er in Sudershausen, "klein, pickelig, mit Zahnlücken und ohne Frisur, einfach nur Haare" (heute nicht mal mehr das).

Schröder, Tüte und Pinne werden erst Zeuge des Wheelie-Debakels, später mit ­ihren 50ern Rolfs ärgste Widersacher auf der Hausstrecke und Anfang der 80er seine dicksten Kumpels mit ihren 80ern auf der ersten gemeinsamen Tour zur "Endstation Edersee". Miteinander (und mit Elke) brechen sie nachts zum Nacktbaden ins Freibad ein, miteinander kiffen sie zum ersten Mal, miteinander versuchen sie Carola zu erklären, was Lenkerschlagen bei einer Yamaha R1 ist. Carola versteht’s nicht. Wer sich Ende der 70er, Anfang der 80er außer für Mädels auch schon für Mopeds interessierte, hat ähnliche Geschichten erlebt, vielleicht nicht ganz so abgedreht, nicht ganz so haarscharf am Slapstick. Aber das emotionale Grundrauschen aus "Kung-Fu" im ZDF, selbst aufgenommenen Kassetten, Hercules Ultra 80 und Elke ist dasselbe.

Voller Selbstironie, älter, aber nicht klüger

Seine Geschichten mit Schröder, Tüte und Pinne erzählt Henniges voller Selbstironie und aus der Sicht des heute viel Älteren. Aber nicht des Klügeren. Denn er ist klug genug, nichts zu kommentieren. Doch er weiß genau, dass diese Zeiten nie wiederkommen. Und so schwingt in den Storys auch immer ein Hauch Melancholie mit. Die passt gut zu Henniges’ Motto: "Leben ist ­eine Reise, kein Ziel." Das Buch erzählt von Stationen dieser Reise. Immer schräg, meist heiter und immer lesenswert.

Taschenbuch, 346 Seiten, schwarz-weiß bebildert, mit Hausstrecken-Ausklappkarte und Illustrationen von Holger Aue. Preis 13,99 Euro (plus Versand, in Deutschland: 1,50 Euro).

Zu bestellen ausschließlich übers Internet: www.rolfhenniges.de

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